Deutsche wollen Kirchen-Reformen

Umfrage: Das wird vom neuen Papst erhofft

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Wie leitet der künftige Papst die Kirche?

Berlin - In den Nachfolger von Papst Benedikt XVI. setzten die Deutschen einer Umfrage zufolge konkrete Hoffnungen. Was vom neuen Kirchenoberhaupt erwartet wird:

Eine große Mehrheit der Deutschen wünscht sich vom künftigen Papst Reformen in der katholischen Kirche - Bedeutung für den Alltag hat das aber bei den wenigsten. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa hervor.

Zentrale Themen: Sexualmoral und Zölibat

80 Prozent der Befragten wünschen sich demnach Reformen etwa hinsichtlich der Sexualmoral oder beim Zölibat. Nur sieben Prozent wollen das nicht. Dabei ist der Wunsch nach Reformen bei Katholiken mit 85 und bei Lutheranern mit 87 Prozent besonders hoch - deutlich geringer etwa bei orthodoxen Christen (46 Prozent).

Die insgesamt 1031 Teilnehmer der Erhebung sollten auch die Frage beantworten, ob der Papst mit seinem Wirken insgesamt eine Bedeutung für ihren Alltag hat. 77 Prozent verneinten dies. Auch unter den Katholiken sieht nur eine Minderheit von 35 Prozent diese Bedeutung im Alltag, bei den Lutheranern sind es nur 16 Prozent.

Diskussionen über Amtszeit

Kontrovers ist die Meinung darüber, ob nach dem Rücktritt von Benedikt XVI. die Amtszeit des Papstes künftig begrenzt werden soll. Dafür sind 39,2 Prozent, dagegen 35,5 Prozent. Unter den Katholiken sind 49 Prozent gegen eine Begrenzung, unter den Lutheranern 37 Prozent.

Diese Männer könnten Papst werden

Mögliche Papst-Nachfolger
Wer wird der nächste Papst? Längst gibt es Spekulationen über mögliche Nachfolger von Benedikt XVI. © dpa
Marc Ouellet
Marc Ouellet (68): Der Kanadier und päpstliche Delegat gilt als Favorit bei den Buchmachern. Seine Chancen stehen laut Vatikan-Insidern nicht schlecht, denn er hat sich in Rom profiliert. Sein Problem ist allerdings die geringe Lobby der Katholiken in Nordamerika. © dpa
Tarcisio Bertone
Tarcisio Bertone (78): Der Kardinalstaatssekretär ist Italiener und kennt den Vatikan gut. Bertone war eine Art Regierungschef unter Benedikt, er gilt aber als umstritten und kann keine Fremdsprache. Gegen ihn spricht auch eine ­vatikanischen Redewendung, nach der kein Kandidat zu sehr im Vordergrund stehen sollte. Denn: Wer als Papst in die Wahl gehe, der komme als Kardinal wieder heraus. © dpa
Angelo Scola
Angelo Scola (71): Auch der Mailänder Erzbischof gehört zu den italienischen Kandidaten. Er wurde auch schon als Nachfolger von Johannes Paul II. gehandelt. © dpa
Peter Turkson
Peter Turkson (65): Er könne sich gut vorstellen, dass erstmals ein Afrikaner Papst werde, sagte Benedikt einmal. Glaubt man den Wettanbietern, ist diese Lösung wahrscheinlich: Afrikanische Kardinäle liegen bei den Buchmachern hoch im Kurs. Ganz vorne unter den Kandidaten: der ghanaische Kardinal Peter Turkson. Er ist Präsident des Päpstlichen Rates für Frieden und Gerechtigkeit. © dpa
Francis Arinze
Francis Arinze (81): Auch der erfahrene Kurienkardinal Francis Arinze aus Nigeria wird bei Wettanbietern hoch gehandelt. © dpa
Joao Braz de Aviz
Joao Braz de Aviz (65): 2011 ernannte ihn Benedikt zum Präfekt der Ordenskongragation. Der Brasilianer ist Kurienkardinal. © AP
Odilo Pedro Scherer
Odilo Pedro Scherer (64): Der Kardinal von Sao Paulo mit deutschen Vorfahren zählt auch zum Favoritenkreis. Er vertritt die lateinamerikanische Kirche – häufig war zu hören, aus ihren Kreisen solle der neue Pontifex stammen. © dpa
Luis Antonio Tagle
Luis Antonio Tagle (55): Der Philippine ist Erzbischof von Manila und wurde erst im November 2012 zum Kardinal ernannt – trotzdem hat er keine schlechten Chancen. In der Philippinischen Bischofskonferenz ist er Mitglied der Kommission für die Glaubenslehre. © dpa
Jorge Mario Bergoglio
Jorge Mario Bergoglio (76): Geheimen Aufzeichnungen zufolge stimmten bereits in der Konklave 2005 etwa 40 Kardinäle für den Brasilianer. © dpa
Leonardo Sandri
Leonardo Sandri (69): Auch der argentinische Kurienkardinal gilt als recht aussichtsreicher Kandidat. © dpa

Ob der künftige Papst aus einem Land außerhalb Europas kommen soll, bejahen 43 Prozent. 24 Prozent sind dagegen. 33 Prozent haben keine Meinung dazu. Unter den Katholiken wünschen sich sogar 51 Prozent einen nicht-europäischen Papst. Die Umfragedaten wurden online erhoben zwischen dem 13. und 15. Februar und sind repräsentativ für die Bevölkerung ab 18 Jahren.

dpa

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