Finnen zwar interessant, aber abgeschlagen auf dem letzten Platz

Umfrage unter Skandinaviern: Schweden sind am schönsten

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Schwedische Schönheit: die Schauspielerin Helena Mattsson. Das kleine Bild zeigt den finnischen Samu Haber. Sein Land liegt bei der Umfrage unter den Skandinaviern ganz hinten.

Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land? Fragt man nicht nach nur einer Person, sondern gleich nach einer ganzen Nation, wäre nicht Schneewittchen, sondern Schweden die richtige Antwort – denn laut einer Umfrage sind dessen Bewohner die schönsten unter denen der skandinavischen Länder.

Was also Touristen aus aller Welt jährlich während ihres Schweden-Urlaubs feststellen und der als Macho geltende Schriftsteller Kurt Tucholsky schon 1931 schrieb – „Wunderschöne junge Frauen gingen durch die Straßen ... von einem geradezu lockenden Blond“ – ist jetzt auch statistisch belegt: Die Schweden und Schwedinnen sind die Allerschönsten im Norden.

An der Umfrage der vor allem in den nordischen Ländern aktiven Internet-Datingseite Match nahmen 5000 nordische Singles teil. Für sein eigenes Land durfte nicht gestimmt werden. Das Urteil war eindeutig: Die Menschen aus Schweden seien „ästhetisch führend“. 61 Prozent der befragten dänischen Singles gaben an, dass Schweden und Schwedinnen am schönsten seien im Norden; 63 Prozent der ledigen Norwegerinnen befanden schwedische Männer als die schönsten im Norden; 60 Prozent der dänischen Männer hielten die Schweden insgesamt am schönsten.

Als zweitschönste Skandinavier gelten laut der Umfrage die Norweger, die Dänen schafften es auf Platz drei. Finnland erhielt die wenigsten Stimmen von seinen Nachbarländern. Die Umfrage spiegelt das Bild aus zahlreichen privaten Einzelerzählungen wider. Die Menschen in Finnland würden zwar interessant aussehen, aber nach den gängigen Schönheitsidealen seien sie weniger hübsch.

Von André Anwar und Constanze Wüstefeld

Nachgefragt: Für den plastischen Chirurgen Prof. Noah gibt es keine Schönheitsformel

Herr Noah, was ist Schönheit?

Prof. Ernst Magnus Noah: Darauf gibt es viele Antworten. Die viel genutzte Redewendung „das liegt im Auge des Betrachters“ ist eine davon. Aber auch das Zeitgeschehen hat Einfluss darauf, was wir schön nennen, ebenso wie die Medien: Die kreieren mithilfe von zum Beispiel Photoshop Ideale. Generell kann man aber sagen, dass Schönheit eine bestimmte Art der Harmonie ist.

Was bedeutet das?

Was als schön gilt, erforscht der Psychologe Martin Gründl seit Jahren. Das Ergebnis aus Umfragen: volle Lippen, hohe Wangenknochen und eine schmale Nase gelten bei Frauen als attraktiv. Der Abstand zwischen den Pupillen sollte knapp halb so lang sein wie der zwischen den Ohren, der zwischen Nasenwurzel und Oberlippe etwa ein Drittel so lang wie die Länge zwischen Kinnspitze und Haaransatz.

Noah: Der Goldene Schnitt wird oft herangezogen, der die Verhältnisse einzelner Partien zum Beispiel im Gesicht wiedergibt. Nach diesen Berechnungen werden perfekte Gesichter zwar häufig als schön, aber auch als langweilig empfunden: Herausgefunden hat man das, als man Menschen Bilder von Gesichtern vorlegte, die am Computer erzeugt worden waren. Und dass auch Menschen als schön wahrgenommen werden, die diesen Werten nicht entsprechen, zeigt das Supermodel Kate Moss: Ihre Nase ist eigentlich viel zu schief. Dass sie trotzdem so erfolgreich ist, liegt unter anderem daran, dass Schönheit auch damit zusammenhängt, was für eine Aura ein Mensch ausstrahlt. Jeder Mensch hat deshalb ein eigenes Schönheitspotenzial, eine Formel dafür gibt es nicht.

Dennoch hat man den subjektiven Eindruck, dass das Streben nach Schönheit in den vergangenen Jahren zugenommen hat.

Noah: Auffällig ist auf jeden Fall, dass Körpermodifikationen präsenter geworden sind. Dazu gehören nicht nur Lidstraffungen oder Brustvergrößerungen, sondern auch Tattoos, Piercings und Haartransplantationen.

Hintergrund: Das verdient die Kosmetikindustrie

Farbe für die Haare, fürs Gesicht und die Nägel: Wer nicht von Natur aus den gängigen Schönheitsidealen entspricht, macht sich schön. Notfalls nicht nur mit Make-up, sondern auch mit Botox gegen die Fältchen und Silikon gegen den körperlichen Verfall. Die Industrie hat die Schönheit längst als Markt erkannt und profitiert vom Streben nach Schönheit: Laut dem Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel stieg der Umsatz dekorativer Kosmetik zwischen 2011 und 2013 um 3,4 Prozent auf 1.439 Millionen Euro.

Auch bei den Haut- und Gesichtspflegemitteln stieg demnach der Umsatz: Von 2.789 Millionen auf 2.810 Millionen Euro. Auch der Kosmetikverband VKE, der 60 Unternehmen der mittel- und höherpreisigen Kosmetik repräsentiert, meldete 2013 einen höheren Umsatz: Er stieg 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 2,5 Prozent auf 1,963 Milliarden Euro.

Von Constanze Wüstefeld

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