Anbau von Kokain wächst

Weltdrogenbericht zeichnet düsteres Bild

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Die Installation "Hollywood's Best Party" in Los Angeles. Sie zeigt eine Skulptur, die auf dem Boden knieend Kokain schnupft. Foto: Mike Nelson/Archiv

Die Drogen-Fahnder haben einen schweren Job. Trotz aller Bemühungen ist der Milliarden-Markt für Rauschgift stabil oder gar steigend. 250 Millionen Menschen greifen laut UN zu illegalen Drogen.

Wien (dpa) - Der illegale Handel mit Opium und Kokain nimmt nach Angaben der Vereinten Nationen deutlich zu. So hat nach längerem Rückgang die Anbaufläche für die Koka-Pflanze in Südamerika in den vergangenen Jahren um 30 Prozent zugelegt.

Dies geht aus dem Weltdrogenbericht der Vereinten Nationen (UN) hervor, der am Donnerstag veröffentlicht wurde. Dies sei vor allem auf die Entwicklung in Kolumbien zurückzuführen.

Zugleich sei wegen einer besseren Ernte die Opium-Produktion binnen Jahresfrist um 30 Prozent auf 6380 Tonnen geklettert. Gerade in Nordamerika steige offenbar die Zahl der Heroinsüchtigen. Auch in Europa bleibt der Drogenhandel ein Milliardengeschäft. Experten gehen davon aus, dass allein in Europa Drogen im Schwarzmarktwert von 20 bis 30 Milliarden Euro verkauft werden. Das Darknet, ein abgeschirmter Bereich des Internets, spiele dabei eine immer bedeutendere Rolle, heißt es in dem Bericht.

250 Millionen Menschen greifen demnach weltweit zu illegalen Rauschgiften. 29,5 Millionen hätten schwere Krankheiten wie Hepatitis C und Tuberkulose oder seien HIV-infiziert. Nur jeder sechste Kranke werde angemessen behandelt. Mindestens 190 000 Menschen sterben den Angaben zufolge jedes Jahr vorzeitig wegen ihrer Drogensucht.

Das Zentrum des Opium-Anbaus weltweit bleibt Afghanistan. Unter der Kontrolle der radikalislamischen Taliban wurde dort das Rauschgift zuletzt auf 200 000 Hektar angebaut. Nur mehrere Hundert Hektar wurden von den Behörden zerstört. So wenig wie nie in den vergangenen zehn Jahren. "Die Fähigkeit der Sicherheitskräfte, die Drogen zu entdecken, ist gesunken", sagte UN-Expertin Angela Me in Wien. Nach ihren Worten verdienen die Taliban zwischen 150 und 200 Millionen Dollar jährlich am Drogenhandel. Das sei etwa die Hälfte der Einkünfte der Terroristen.

Cannabis bleibt die weltweit am häufigsten konsumierte Droge. 183 Millionen Menschen greifen laut UN zu Haschisch oder Marihuana. Vor allem in Nord- und Südamerika nehme die Zahl der Cannabis-Nutzer zu, in Europa verharre sie auf hohem Niveau. In Deutschland wurden dem Bericht zufolge 2015 rund 145 000 Pflanzen in 900 kleinen oder größeren Gewächshäusern oder auf Feldern von den Behörden zerstört. In Albanien, dem Hauptproduktionsland von Cannabis in Europa, wurden 550 000 Pflanzen an 2000 Standorten vernichtet.

Laut EU-Drogenmarktbericht 2017 wurde zuletzt in Europa Cannabis im Schwarzmarktwert von neun Milliarden Euro, Heroin im Umfang von sieben Milliarden Euro und Kokain für 5,7 Milliarden Euro abgesetzt.

Die Route über den Balkan ist laut UN weltweit der wichtigste Pfad für den Schmuggel von Opiaten wie Heroin und Morphin. Dort wurde 2015 mit einem Plus von 40 Prozent deutlich mehr von diesem Rauschgift sichergestellt als im Jahr zuvor. Der Flüchtlingsstrom veranlasse die Schmuggler nun, eher auf andere Wege wie die Kaukasus-Route auszuweichen, die die Türkei umgehe, heißt es in dem Report weiter.

Dank verbesserter internationaler Zusammenarbeit gelinge es den Fahndern nun besser, die Ware abzufangen. So sei 2015 schätzungsweise rund die Hälfte des vorhandenen Kokains beschlagnahmt worden. Das sei ein Rekord gewesen. Während zwischen 1980 und 1997 nur etwa zehn Prozent der Opiate sichergestellt worden seien, sei dieser Anteil in der Zeit zwischen 2009 und 2015 auf rund 30 Prozent gestiegen.

UN zum Drogenschmuggel

EU-Drogenmarktbericht 2017

Deutsche Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht

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