Vergiftung nach Hüft-OP

Niemand konnte helfen: Arzt löst rätselhaften Fall wie bei Dr. House

Der Arzt aus Marburg: Prof. Dr. Jürgen Schäfer (57). Fotos:  nh / dpa

Kassel/Marburg. In der Abteilung von Prof. Dr. Jürgen Schäfer landen die besonders kniffligen Fälle: Er ist Leiter des Zentrums für unerkannte Krankheiten an der Uniklinik in Marburg. Eine bundesweit einmalige Einrichtung. Nun hat der 57-Jährige einen medizinischen Fall gelöst, weil er sich an eine Folge der TV-Serie „Dr. House“ erinnert hat.

„Wir übernehmen Patienten von anderen Kliniken oder Fachärzten, wenn diese nicht weiterkommen“, sagt Schäfer. So auch in einem Fall im Mai 2012: Ein Mann, kaum fähig zu sprechen, mit Atemnot und Sehstörungen, wurde in Schäfers Abteilung gebracht. Seit über einem Jahr war der Patient schwer krank, mehr als zehn Fachärzte konnten sein Leiden nicht lindern. Er bekam neue Hörgeräte, sogar eine neue Linse eingesetzt – nichts half.

„Seine Ehefrau erzählte mir, dass ihrem Mann zuvor eine künstliche Hüfte eingesetzt worden sei“, sagt Schäfer. Einen Zusammenhang zwischen der Prothese und den schweren Leiden des Mannes hatte aber kein Arzt hergestellt.

Jürgen Schäfer brauchte dafür nur fünf Minuten. „Kurz zuvor hatte ich an der Uni ein Seminar über eine Folge von Dr. House gehalten, die sich mit so einem Fall beschäftigte“, sagt Schäfer, der sogar Staffel und Episodennummer der Folge auswendig weiß. „In der Serie hatte eine Frau eine Kobaltvergiftung durch die Hüftprothese erlitten. So war es auch bei unserem Patienten.“ Eine TV-Serie im Medizinstudium? Für Schäfer nicht ungewöhnlich. „Ich nutze den Charme der Serie als Türöffner, um Studenten für das Gebiet der unerkannten Erkrankungen zu begeistern.“

Die berühmte TV-Version: Hugh Laurie (54) als Dr. House.

Laut Schäfer, der 2010 mit dem höchsten Preis für exzellente Hochschullehre und 2013 als bester Arzt Deutschlands ausgezeichnet wurde, handelt es sich bei der Fernsehsendung um „gut recherchierten Klamauk“. Die Arbeitsweise in seinem Team sei aber gar nicht so anders. „Wenn Patienten mit komplexen Erkrankungen von Arzt zu Arzt eilen, haben sie am Ende zehn Fachärzte gesehen, die aber nicht miteinander kommunizieren. Bei uns kommen zehn Fachärzte zum Patienten und besprechen sich. So erkennen wir Krankheiten viel schneller.“

Deshalb ist die Nachfrage groß: Patienten aus ganz Deutschland, den USA, Kanada oder Südafrika werden in Marburg behandelt. Ein bisschen wie bei Dr. House.

Von Sebastian Lammel

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