Mit 800 Stundenkilometern

US-Amerikaner will mit Raketenflug beweisen, dass die Erde eine Scheibe ist

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Stolz auf seine Eigenkonstruktion: Der US-Amerikaner Mike Hughes steht in Apple Valley (Kalifornien) neben seiner selbst gebauten Rakete, mit der er sich in die Luft schießen will.

Los Angeles. Der US-Amerikaner Mike Hughes will mit einer selbst gebauten Rakete beweisen, dass die Erde eine Scheibe ist.

Sein Blick hat etwas Entschlossenes. Sein Lächeln ist Ausdruck seines Stolzes. Mike Hughes steht vor seiner Rakete. Die hat er ganz alleine aus Metallteilen vom Schrottplatz zusammengebaut. Sie wird durch Wasserdampf angetrieben. Dazu hat er eine Startrampe konstruiert. Sie ist an einen alten Campingbus montiert.

Die Kamera des Fernsehteams vom amerikanischen Sender NBC läuft, Mike Hughes zieht wieder seine Sonnenbrille auf und dann fällt der Satz. Der Satz, der erklärt, warum er die Rakete baute und sich damit mit 800 Stundenkilometern Richtung Weltall katapultieren will: „Die Erde ist eine Scheibe“.

Davon ist der 61-jährige US-Amerikaner fest überzeugt. Dass in heutiger Zeit kein ernst zu nehmender Wissenschaftler diese Theorie noch vertritt, stört ihn nicht. Vielmehr ist es für ihn Ansporn den Beweis zu liefern. Dafür muss er in die Luft.

Aus Altteilen zusammengebaut: Die Rakete soll mit Dampf getrieben werden.

Er stellt sich damit in den Dienst der sogenannten „Flat Earther“. So bezeichnet man in den USA die Anhänger der Theorie, dass die Erde eine Scheibe ist. Und die Gruppe derer, die dies glauben, gewinnt seit einiger Zeit immer mehr an Zulauf. In Zeiten, wo ein US-Präsident den Klimawandel als „Fake News“ bezeichnet, verwundert dies nicht einmal mehr.

Hughes will hunderte Meter über dem Erdboden Fotos machen und die US-Raumfahrtbehörde NASA, ihre Astronauten und all die Kritiker seiner Mission Lügen strafen. „Ich werde ein für alle Mal die Theorie einer runden Erde widerlegen“, versprich Hughes, der sich selbst Mad Mike nennt.

Mehrere Jahre Planung 

Das Wissen über die Raketentechnik habe er sich selbst angeeignet, berichtet der Taxifahrer. Schon seit mehreren Jahren ist er in seiner Garage in Apple Valley nahe Los Angeles mit seinem Raketenprojekt beschäftigt. Zu Beginn hatte er vor allem ein Problem: Die Finanzierung. Von umgerechnet knapp 13 Euro plus Trinkgeld die Stunde war seine ehrgeizige Mission nicht zu finanzieren. Er errechnete einen Finanzbedarf von etwa 17 000 Euro. Dann startete er Anfang 2016 einen Spendenaufruf im Internet mit der Schlagzeile „Von der Garage ins Weltall“. Doch gerade einmal 253 Euro kamen zusammen.

Doch ans Aufgeben dachte Mike nie. Er recherchierte im Internet, wer als potenzieller Unterstützer seines Projektes infrage käme. Dabei stieß er auf die „Flat Earther“. Da er selbst ebenfalls glaubt, dass die Erde eine Scheibe ist, lag es nahe, Anhänger zu kontaktieren. Mit Erfolg: Knapp 7000 Euro kamen nun zusammen. Dem Raketenbau stand nichts mehr im Wege.

Samstag ist es dann so weit. Dann will der 61-Jährige von Mojavewüste aus Richtung Weltall starten. Die Behörden vor Ort und die Flugsicherheit der USA haben den Raketenstart bereits genehmigt.

Dass der US-Amerikaner es wirklich ernst meint, hat er schon einmal bewiesen. Am 30. Januar 2014 schoss er sich mit einer selbst gebauten Rakete 418 Meter in die Höhe. Er kollabierte nach seiner Bruchlandung, entkam nur knapp dem Tod und war zwei Wochen auf Gehhilfen angewiesen.

Und auch jetzt ist er sich nicht sicher, ob er den Flug überlebt: „Ich wäre ein Idiot, wenn ich nicht fürchterlich Angst hätte.“

(mit dpa)

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