Durch schnelle Behandlung

Ärzte heilen mit Aids-Virus geborenes Baby

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Dr. Deborah Persaud vom Johns Hopkins Childrens Center in Baltimore leitete eine Untersuchung, die das Kind als "praktisch geheilt" einstufte.

Washington - Ein mit dem Aids-Virus geborenes Baby möglicherweise dank einer schnelleren und massiveren Behandlung als sonst bei Säuglingen üblich geheilt worden.

Dr. Anthony Fauci vom amerikanischen Institut für Gesundheit sagte am Sonntag der Nachrichtenagentur AP: „Sie können diesen Fall, den wir gesehen haben, als nahe an einer Heilung, wenn nicht sogar als eine Heilung betrachten.“

Falls das inzwischen zweieinhalb Jahre alte US-Kind dauerhaft gesund bleibt, wäre es erst die zweite weltweit berichtete Heilung von Aids. Der neue Ansatz öffne der Aids-Forschung neue Türen bei der Behandlung und Heilung von Aids - gerade in Weltregionen wie Afrika, wo viele Kinder von HIV-infizierten Müttern geboren werden, sagten Fachärzte am Sonntag in Atlanta.

Das Kind sei von einer Mutter geboren worden, deren HIV-Infektion erst bei den Wehen entdeckt worden sei, berichtete eine Kinderärztin der Universität von Mississippi, Dr. Hannah Gay. Ihm seien innerhalb der ersten 30 Tage eine Infusion mit drei Medikamenten gegeben worden - noch bevor bei ihm selbst das Aids-Virus tatsächlich festgestellt worden sei. „Ich dachte einfach, das Baby hat eine erhöhtes Risiko und verdiente unsere besten Anstrengungen“, sagte Gay. Bei dem Kind seien jetzt nur noch Spuren des Aids-Virus nachweisbar. Eine Garantie, dass die Immunschwächekrankheit doch noch ausbricht, gebe es allerdings auch nach einem Jahr nicht, in dem keine Aids-Medikamente mehr gegeben werden mussten, hieß es weiter.

Die frühe Behandlung habe HIV im Blut des Baby offenbar ausgeschaltet, bevor das Virus sogenannten schlafende Zellen im Körper bilden konnten - Zellen, die eine Infektion wieder aufleben lassen, wenn eine Medikamentenbehandlung abgebrochen wird, erklärte eine weitere Ärztin, Dr. Deborah Persaud vom John Hopkins Children's Center. Persaud leitete eine Untersuchung, die das Kind als “praktisch geheilt“ einstufte. Persaud sagte, in einer weiteren Studie sollten weitere mit hohem Aids-Risiko geborene Baby nach diesem Ansatz behandelt werden.

Die seltensten Krankheiten der Welt

Seltene Krankheiten werden von Ärzten oft erst zu spät erkannt. Die meisten Patienten haben eine regelrechte Odyssee hinter sich, bis irgendwann ein Arzt die Krankheit diagnostiziert. Als selten gilt eine Krankheit, die bei weniger als 5 von 10 000 Menschen auftritt. Über die Schwierigkeiten bei deren Diagnose haben sich am Freitag in Hannover mehr als 100 Ärzte, Selbsthilfegruppen, Forscher und Patienten ausgetauscht. Am 28. Februar ist der Europäische Tag der seltenen Krankheiten. Er wird von der der europäischen Organisation für seltene Krankheiten (EURORDIS) organisiert. © dpa
Syringomyelie: Ein schöner Rücken kann entzücken, ein Rücken mit einem Hohlraum in der Wirbelsäule aber ist eine seltene Krankheit - die Syringomyelie. Manchmal ist eine Entwicklungsstörung die Ursache, manchmal auch ein Tumor, eine Verletzung oder eine Entzündung. Der Holraum füllt sich mit Flüssigkeit, die nach und nach das Rückenmark verdrängt. © dpa
Dancing Eyes Syndrom: Die sehr seltene Krankheit wird meist bei Kindern zwischen 1 bis 3 Jahren diagnostiziert. Ihre Augen zucken hin und her, aber auch Arme und Beine bewegen sich ruckartig. Und über Wochen und Monate sind die Kinder oft sehr leicht irritierbar. Wenn die Kinder älter werden, werden die Symptome weniger. Es ist nicht genau klar, wie es dazu kommt. Einige Mediziner nehmen an, dass der Körper Tumorzellen bekämpfen will. Doch er greift gleichzeitig auch gesunde Gehirnzellen an - daher die Zuckungen. © dpa
Progeria adultorum: Der lateinische Begriff besagt, dass ein Mensch viel zu früh und viel zu schnell altert. Die Patienten sind oft erst dreißig, doch plötzlich ergrauen die Haare, die Haut wird faltig. Auch im Geiste werden sie schnell älter. Viele Erkrankte sterben, wenn sie kaum 50 Jahre alt sind. © dpa
Das Kabuki-Syndrom: Die Dame auf unserem Bild ist nur wie eine japanische Kabuki-Schauspielerin geschminkt. Kinder, die unter dem Kabuki-Syndrom leiden, haben aber sehr ähnliche Gesichtszüge. Dazu gehören zum Beispiel große Augen, lange und dicke Wimpern und die Augenbrauen sind sehr bogig. Die Nasenspitze ist bei ihnen zudem oft eingedrückt und die Ohren stehen hervor. Auch die Motorik der Kinder ist eingeschränkt. Geistig sind die Kinder oft mild bis mäßig behindert. © dpa
Das Kleeblattschädel-Syndrom ist eine sehr seltene Fehlbildung des Kopfes. Der Schädel hat, von vorne betrachtet, die Form eines Dreiblättrigen Kleeblatts. Nur 120 Fälle wurden bis 2005 beschrieben. Die meisten Patienten leben nicht lange. Die Fehlbildungen lassen sich jedoch chirurgisch beheben. © dpa
Myiasis: Manche Fliegen, wie die Tumbu- oder Dasselfliege legen ihre Eier gerne in offene Wunden. Deswegen heißt die Myiasis auch Fliegenmaden-Krankheit. Sie tritt vor allem in tropischen oder subtropischen Gegenden auf. Die Larven verteilen sich dann unter der Haut und wandern durch den Körper. Die wichtigste Vorbeugung: Hygiene und wunden gut abdecken. © dpa
Sklerodermie: Bei dieser "entzündlichen rheumatischen Erkrankung" erhärtet sich das Kollagen, ein wichtiger Bestandteil des Bindegewebes. In manchen Fällen nur in der Haut, in manchen Fällen dringt die Sklerodermie aber auch ins Gefäßsystem und die inneren Organe vor. Die Folge können gravierende Funktionsstörungen sein. Das Gesicht wird starr, und die Haut bekommt ein sehr ledriges Aussehen. Auf unserem Foto hat sich eine junge Frau aus Bayern, die an Sklerodermie leidet, ihr Gesicht von Kosmetik-Spezialisten zumindest äußerlich in den Zustand vor der Krankheit zurückversetzen lassen. © dpa
Das Mittelmeerfleckfieber wird durch die braune Hundezecke übetragen, die auch in der Schweiz vorkommt. Nach etwa einer Woche Inkubationszeit bricht das Fieber aus. An der Stelle des Bisses bildet sich in etwa zwei Dritteln der Fälle ein schwarz-rotes Geschwür, die Patienten bekommen Fieber, leiden unter Kopf- und Gliederschmerzen und teilweise auch unter Übelkeit und Erbrechen. Ein rötlicher Ausschlag kann sich bis auf das Gesicht, die Hände und die Füße ausbreiten. Wird der Patient nicht behandelt, zieht sich das Fieber meist innerhalb von zwei Wochen wieder zurück. © dpa
Alien Hand Syndrom: Per Definition ist dies keine seltene Krankheit, auch wenn sie bisher nur sehr selten von Ärzten beschrieben wurde. Einfach erklärt bedeutet diese Krankheit, dass die eine Hand nicht weiß, was die andere tut. Sie tritt zum Beispiel nach Schlaganfällen auf, aber die genauen Ursachen sind nicht bekannt. Eine Hand hat keinen Kontakt mehr zur anderen - und zur entsprechenden Hirnhälfte. Die Patienten denken, die fremde Hand ist nicht ihre eigene. Sie entwickelt ein Eigenleben und kann im schlimmsten Fall sogar versuchen, den Patienten zu erwürgen. Und beidhändig Klavierspielen wird mit dieser Krankheit fast unmöglich. © dpa
Nicht ganz selten, aber übel: Der Candirú-Fisch lebt in tropischen Flüssen wie dem Amazonas oder dem Orinoco - und schimmt auch gerne mal in schwimmende Menschen hinein. Das fast durchsichtige Tierchen passt durch den Harnleiter, aber auch durch den Anus und sucht sich den Weg in die Blase. Dort beißt es sich fest, und vor allem die kleinen Wiederhaken am Kopf sorgen für Schmerzen. Er verursacht Blutungen und kann nur durch eine Operation wieder herausbefördert werden. © dpa
Café-au-Lait-Flecken: Teils über den ganzen Körper sind hell- bis dunkelbraune Flecken verteilt. Von einer wirklichen Krankheit sprechen Mediziner nicht, da die Hautveränderung gutartig ist. © dpa

Fauci sagte, es müsse noch geprüft werden, ob es sich um einen Einzelfall oder eine Behandlungsmethode handeln könnte, die auch anderen Kindern von HIV-infizierten Müttern helfen könne. In den Anstrengungen zur Aids-Prävention dürfe aber auf keinen Fall nicht nachgelassen werden. 2011 wurden weltweit 300.000 Babys mit HIV geboren, überwiegend in armen Ländern, in denen nur 60 Prozent der infizierten schwangeren Frauen eine Behandlung bekommen, mit der die Weitergabe des Virus an ihre Kinder verhindert werden kann.

Bei dem bisher einzigen Fall einer Aids-Heilung handelt es sich um einen Mann aus San Francisco, der eine Knochenmarkstransplantation erhielt. Timothy Raw hat in den fünf Jahren seit der Transplantation keine HIV-Behandlung mehr benötigt. Das Knochenmark stammte von eine Spender mit einer seltenen natürlichen Resistenz gegen das HI-Virus.

AP

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