"Werden sie es bei mir auch vermasseln?"

Aus Angst vor Panne: US-Häftling will eigene Hinrichtung filmen lassen

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Hinrichtungszelle: Auf einer solchen Liege würde Russell Bucklew am kommenden Mittwoch sterben.

Washington. Ende April wurde die Hinrichtung durch eine Giftspritze in den USA zur grauenvollen Tortur - 43 Minuten rang ein Delinquent mit dem Tod. Trotzdem soll jetzt wieder ein Häftling durch die Spritze sterben. Er fordert, dass seine Exekution gefilmt wird - als möglicher Beweis für die Grausamkeit des Staates.

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1996 erschoss der Amerikaner Russell Bucklew den neuen Lebensgefährten seiner Ex-Freundin, anschließend entführte er die 21-Jährige und vergewaltigte sie. Dafür soll der 45-Jährige am kommenden Mittwoch sterben, eine Minute nach Mitternacht. Noch vor kurzem wäre das kaum eine Schlagzeile wert gewesen: Exekutionen kommen in den USA immer noch häufig genug vor, um wenig Aufmerksamkeit zu erregen. Aber Bucklews Hinrichtung im Gefängnis von Bonne Terre (Bundesstaat Missouri) wäre - wenn sie ein Gericht nicht noch unterbindet - die erste seit dem qualvollen Tod von Clayton Lockett Ende April in Oklahoma. Bucklew selbst hat nach eigenen Angaben nun doppelte Angst vor dem Ende. "Ich bin als nächster dran", sagte der verurteilte Mörder dem britischen "Guardian" und fragt: "Werden sie es bei mir auch vermasseln?"

Hintergrund

Ausgangspunkt der Auseinandersetzungen sind Nachschubprobleme der USA bei den zur Tötung eingesetzten Mitteln. Die europäischen Hersteller der Chemikalien weigern sich, sie für Hinrichtungen zur Verfügung zu stellen. Dazu gehört dem "Guardian" zufolge eine dänische Firma, die jenes Barbiturat produziert, das lange Zeit in Missouris Exekutionskammer verwendet wurde.

Eine Reihe von US-Staaten greift jetzt auf neue Mischungen aus obskuren Quellen zurück, über die sie sich ausschweigen. Die "Drogerie", in der Missouri einkaufe, könnte eine Schulklasse sein, die im Chemieunterricht etwas zusammenbraut, formulierte es unlängst Kermit Bye, der Berufungsrichter in Missouri ist. (dpa)

Wegen eines Venenproblems hatten bei Lockett nicht alle Chemikalien des eingespritztenGiftcocktails die Blutbahn erreicht. Er starb schließlich nach 43 Minuten an einem Herzinfarkt. Augenzeugen sprachen von grausigen Szenen, schilderten, wie sich der Todeskandidat vor lauter Schmerzen gewunden habe - bis dann Gefängnisangestellte rasch den Vorhang an den Fenstern der Hinrichtungskammer zuzogen.

Bucklew hat nach Angaben seiner Anwälte besonderen Grund, eine qualvolle Hinrichtung zu fürchten. Sie machen geltend, dass er seit seiner Geburt an einer Krankheit leidet, die eine Anhäufung missgebildeter Blutgefäße sozusagen in Klumpen in seinem Gehirn verursacht hat und zu heftigen Blutungen führt. Diese Massen könnten die Zirkulation des Hinrichtungsmittels blockieren - mit extrem starken Schmerzen als Folge. Das aber wäre, so die Rechtsvertreter, ein Verstoß gegen den verfassungsrechtlich garantierten Schutz vor "grausamer und ungewöhnlicher Bestrafung".

Sollte sich eine derart schreckliche Panne wie bei Locketts Hinrichtung wiederholen, will Bucklew wenigstens, dass der Staat dafür büßt. Er verlangt, dass seine Hinrichtung per Video aufgezeichnet wird - als mögliches Beweismittel in einer - posthumen - Klage wegen Verletzung seiner Bürgerrechte. So heißt es in einem Antrag, den Bucklews Anwälte am Freitag bei einem Gericht einreichten. "Wenn Missouris Behörden selbstsicher genug sind, um Russell Bucklew hinzurichten, sollten sie auch selbstsicher genug sein, die Exekution zu filmen", erklärte Rechtsvertreterin Cheryl Pilate.

Zugleich fordern Bucklews Anwälte, dass ihr Mandant konkret erfährt, was ihm der Staat einspritzen will, um ihn zu töten - und woher der Stoff kommt. Auch mehrere Medien - der "Guardian", die Nachrichtenagentur AP und Zeitungen in Missouri - haben entsprechende Anträge gestellt. Die Behörden in dem Staat verweigern aber bisher eine Auskunft und lehnen auch das Filmen ab.

Der Todeskandidat habe kein verfassungsmäßiges Recht darauf, zitierte der Sender CNN das Justizministerium in Missouri. Der Staat argumentiert außerdem, dass Videoaufzeichnungen "uns zu den Tagen zurückführen, als Hinrichtungen öffentliche Spektakel waren".

(dpa)

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