Verwüstung

Tornados wütet in den USA: Ganze Städte „einfach verschwunden“

In den US-Bundesstaaten, die von heftigen Tornados verwüstet wurden, sucht man verzweifelt nach Überlebenden. Mindestens 94 Menschen sollen ums Leben gekommen sein.

Update vom Montag, 13.12.2021, 10.15 Uhr: In den USA schwindet nach dem Durchzug einer ganzen Serie von Tornados durch mehrere Bundesstaaten die Hoffnung, noch weitere Überlebende zu finden. Am Sonntag gaben die Behörden der betroffenen Regionen im Zentrum und Südosten des Landes die Zahl der Todesopfer mit 94 an, doch Andy Beshear, Gouverneur des schwer getroffenen Bundesstaates Kentucky, sagte, dass die Spürhunde wohl weitere Leichen finden würden. Er sprach gegenüber CNN davon, dass in seinem Bundesstaat der Tod von mindestens 80 Menschen zu beklagen sei, die Zahl der Toten aber am Ende „mehr als 100 betragen wird“.

„Dies ist das tödlichste Tornado-Ereignis, das wir je hatten. Ich denke, es wird das längste und tödlichste Tornado-Ereignis in der Geschichte der USA sein“, sagte Beshear. „Es gibt Städte, die verschwunden sind, einfach verschwunden. Die Hälfte der Heimatstadt meines Vaters steht nicht mehr. Es ist schwer zu beschreiben.“

Besonders stark getroffen: der US-Bundesstaat Kentucky.

Tornados in Kentucky: Steigende Zahl an Todesopfern – Joe Biden spricht von einer „Tragödie“

Erstmeldung vom Sonntag, 12.12.2021, 20.15 Uhr: Mayfield/Kentucky – In den USA wurden am vergangenen Freitag (10.12.2021) ganze Städte von etwa 30 Tornados zerstört. Dutzende Menschen werden vermisst. US-Präsident Joe Biden rief in Kentucky, dem am stärksten betroffenen Bundesstaat, den Katastrophenzustand aus, so der britische Nachrichtensender BBC. Mindestens 80 Menschen seien in diesem Bundesstaat ums Leben gekommen, darunter Dutzende in einer Kerzenfabrik und es werde erwartet, dass die Zahl der Todesopfer auf über 100 steigt, so die BBC.

Vierzig Menschen wurden aus der eingestürzten Kerzenfabrik in Mayfield gerettet, aber 60 weitere werden noch vermisst. Der Gouverneur von Kentucky, Andy Beshear, der den Schauplatz besuchte, sagte, es sei unwahrscheinlich, dass es noch mehr Überlebende gebe. Er sagte, seit Samstag (11.12.2021) sei niemand mehr lebend gefunden worden. „Dort liegen mindestens vier Meter Metall mit Autos darauf, Fässer mit ätzenden Chemikalien, die dort stehen. Es wäre ein Wunder, wenn man noch jemanden lebendig darin fände“, sagte er.

Die Innenstadt von Mayfield, Kentucky, liegt in Trümmern.

Tornados in Kentucky: Zahl der Todesopfer steige „stündlich“

Eine Angestellte der Kerzenfabrik postete auf Facebook ein Video, auf dem zu sehen ist, wie sie verzweifelt unter den Trümmern um Hilfe ruft: „Wir sind eingeklemmt, bitte, holt uns Hilfe“, sagte Kyanna Parsons-Perez in der auf dem amerikanischen Nachrichtensender ausgestrahlten Sendung CNN – sie wurde später gerettet.

Ivy Williams, dessen Frau in der Fabrik eine Nachtschicht hatte, telefonierte gerade mit ihr, als der Anruf abbrach, das erzählte er der Washington Post. Er sagte, er hat seitdem nichts mehr von ihr gehört. „Ich brauche Leute, die mir helfen, meine Frau zu finden und die ehrlich zu mir sind und mir so schnell wie möglich Bescheid geben“, sagte er der Zeitung unter Tränen, während er vor einem Beratungszentrum wartete. Die Vizegouverneurin von Kentucky, Jacqueline Coleman, erklärte gegenüber BBC, Die Zahl der Todesopfer steige „stündlich“ weiter an. „Unsere Notfallteams begutachten noch immer die Schäden, klopfen an Türen und versuchen, Kontakt zu den Menschen aufzunehmen, um zu sehen, wer noch lebt.“

Tornados in Kentucky: „Verheerendste Sturmschäden, die ich je gesehen habe“

Der örtliche Kongressabgeordnete James Comer, der mit den Rettungskräften in der zerstörten Stadt Mayfield zusammenarbeitet, sagte, der Tornado sei dort der größte gewesen, den man je gesehen hat, so BBC: „Das sind die verheerendsten Sturmschäden, die ich in meinem ganzen Leben gesehen habe. Wir hatten schon Tornados, die genauso lang waren wie dieser, aber noch nie einen mit der Breite dieses Tornados“, sagte Comer.

In Edwardsville, Illinois, brachten Tornados ein Lagerhaus von Amazon zum Einsturz und töteten sechs Menschen. Die Polizei teilte mit, dass noch nicht bekannt sei, wie viele Mitarbeiter vermisst werden. Jedoch konnten nach BBC-Angaben 45 Personen das Gebäude sicher verlassen. Amazon-Gründer Jeff Bezos sagte, er ist „untröstlich“ und sicherte der Gemeinde seine Unterstützung zu. In Tennessee kamen vier Menschen ums Leben, wie die örtlichen Behörden mitteilten. In Arkansas kamen zwei Menschen ums Leben, einer von ihnen in einem Pflegeheim, das teilweise zusammengebrochen war. Ein Todesfall wurde in Missouri bestätigt.

Tornados in Kentucky: Joe Biden spricht von „Tragödie“

Joe Biden hat eine „Federal Emergency Disaster Declaration“ unterzeichnet und damit Mittel für Kentucky freigegeben. Er bezeichnete den durch die Tornados verursachten Verlust von Menschenleben als „Tragödie“. Die Intensität der jüngsten Stürme hat zu Spekulationen darüber geführt, inwieweit sie durch den Klimawandel beeinflusst wurden, obwohl Biden sagte, dass die genauen Auswirkungen noch nicht klar seien. „Wir alle wissen, dass alles intensiver wird, wenn sich das Klima erwärmt“, sagte er.

Die längste Strecke, die ein Tornado in den USA zurückgelegte, war ein 219 Meilen (352 Kilometer) langer Sturm in Missouri im März 1925, der 695 Menschenleben forderte. Erst im September gab es verheerende Sturzfluten in New York aufgrund eines Hurrikans. Mehr als 40 Menschen starben. (abs/skr)

Rubriklistenbild: © Ryan C. Hermens/dpa

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