Wolfsschutzzaun am Kindergarten?

Wolf unterwegs - hier im Wildpark Schorfheide in Brandenburg. Foto: dpa

Vechta. Auch im Landkreis Vechta hat sich laut Niedersachsens Landesumweltministerium jetzt ein ortstreuer Wolf angesiedelt. Schafzüchter, die gerissene Tiere in ihrem Blut liegend entdeckt haben, sind seit Wochen beunruhigt.

Nun schlägt auch Willibald Meyer, Bürgermeister der Gemeinde Goldenstedt, Alarm. Der Wolf wurde offenbar in der Nähe des Goldenstedter Waldkindergartens gesichtet, spät abends von einer Anwohnerin.

Rathauschef Meyer fragte am Donnerstag im Umweltministerium nach, ob es sinnvoll sei, das Gelände des Waldkindergartens kurzfristig einzuzäunen. In Goldenstedt - zwischen Vechts und Twistringen gelegen - halte sich der Wolf bereits in der Nähe von Wohnhäusern auf, Schafe habe er auch schon gerissen.

In Waldkindergärten sind Kinder die meiste Zeit draußen in der Natur: Feste Schuhe, wetterfeste Kleidung, höchstens einen Unterstand oder Bauwagen - das reicht in der Regel.

Bürgermeister Meyer wollte laut NDR den Betrieb zunächst vorsorglich lieber dichtmachen. Jetzt soll es in Absprache mit dem katholischen Träger und den Eltern doch weitergehen. Ob mit Zaun oder ohne, blieb gestern offen. Die Kinder dürften aber nur noch in größeren Gruppen in den Wald, so der Bürgermeister im NDR. Angriffe des Wolfes bräuchten Menschen aber nicht befürchten, sagt Meyer und beruft sich aufs Umweltministerium in Hannover.

Erst am Mittwoch hatte die Landesregierung den Landkreis Vechta offiziell zum Wolfsgebiet erklärt: Seit Ende 2014 seien dort gehäuft Nutztiere gerissen worden, einen sicheren Nachweis des grauen Raubtiers habe man nahe der Kreisgrenze bei Walsen im Landkreis Diepholz gefunden. Mit sofortiger Wirkung werde deshalb der Landkreis Vechta in die Förderkulisse Herdenschutz aufgenommen, sagte Umwelt-Staatssekretärin Almut Kottwitz in Hannover. Das heißt unter anderem: Nutztierhalter können nun mit finanzieller Unterstützung des Landes Elektrozäune kaufen und Herdenschutzhunde anschaffen.

Fälle sind in Bearbeitung

Aus dem Landkreis Vechta wurden seit Anfang Dezember offiziell neun tote und zehn verletzte Schafe mit Bissverletzungen registriert. Ob’s tatsächlich der Wolf war, blieb bis gestern offen. Alle Fälle sind nach Angaben des Landes noch in der Bearbeitung per DNA-Überprüfung. Kommende Woche will Staatssekretärin Kottwitz beunruhigte Schafzüchter im Kreis Vechta besuchen - vielleicht schafft sie’s ja auch auf einen Sprung zum Waldkindergarten Goldenstedt. (mit dpa)

Hintergrund 

Liste offiziell bestätigter Wolfsrisse in Niedersachsen seit 2008

In Sachsen ist der aus Osten zurückgkehrte Wolf schon länger heimisch. Die Schadensstatistik 2014 dort:

Von insgesamt 65 gemeldeten Nutztierschäden im Freistaat Sachsen im Jahr 2014, konnte in 48 Fällen der Wolf als Verursacher festgestellt bzw. nicht ausgeschlossen werden. Bei diesen 48 Fällen wurden 92 Nutztiere getötet bzw. sind vermisst und 1 Tier verletzt. In 19 der Fälle waren die Tiere nicht oder unzureichend geschützt.

 

Zur realistischen Einschätzung des Gefährdungspotenzials, das von Wölfen gegenüber Menschen ausgeht, wurde im Jahr 2002 im Auftrag des Norwegischen Institutes für Naturforschung (NINA) eine Studie erstellt, in die umfassende Literatur und das Wissen über Wolfsangriffe aus Europa, Asien und Nordamerika aus den letzten Jahrhunderten eingeflossen sind (The fear of wolves: A review of wolf attacks on humans).

Das Resümee der NINA-Studie lautet: 

- Von gesunden Wölfen geht in der Regel keine Gefahr aus, sie reagieren auf Menschen mit äußerster Vorsicht und nicht aggressiv. Menschen gehören nicht zur normalen Beute von Wölfen.

- Das Risiko in Europa oder Nordamerika von einem Wolf angegriffen zu werden ist sehr gering.

- Angriffe von Wölfen auf Menschen sind grundsätzlich ungewöhnlich und treten nicht spontan auf.

- In den extrem seltenen Fällen, in denen Wölfe Menschen getötet haben, waren die meisten Angriffe auf Tollwut oder Habituierung (Gewöhnung) zurückzuführen.

Die Studie und weieter Informationen sind zu finden auf der Homepage des Kontaktbüros „Wolfsregion Lausitz“: www.wolfsregion-lausitz.de

Von Wolfgang Riek

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