Verbraucher haben immer weniger Skrupel beim Kauf von Kleidung mit Fell

Der Pelzhandel boomt: So erkennt man echtes Fell

Haariger Trend: Pelz an Krägen, Kapuzen oder Handschuhen ist in diesem Winter in. Sogar in vermeintlichen Imitaten steckt oft echtes Fell. Der Tierschutzbund kritisiert die Kennzeichnungspflicht als ungenügend. Foto: epd

Frankfurt. An Jackenkapuzen, Mützen und Handschuhen prangt in diesem Winter Pelz in allen Variationen – nicht selten ist er echt.

Dabei war Pelztragen lange Zeit ein Tabu, der Inbegriff von Tierquälerei. In Befragungen sehen deutsche Verbraucher das auch immer noch so. Beim Shoppen schlage das Gewissen der heutigen Generation beim Pelz aber weniger zu als vor der Jahrtausendwende, sagt Trendforscher Peter Wippermann.

Auf den Weihnachtsmärkten sind Mützen und Handschuhe mit Fellbesatz schon für acht bis 20 Euro zu haben. „Viele gehen wegen dieser Preise davon aus, dass das kein echter Pelz ist“, sagt Lea Schmitz vom Tierschutzbund. „Das stimmt aber nicht immer.“ Tatsächlich zeige das Innere der Mützen an Marktständen und in Kaufhäusern Unterschiedliches: „100 Prozent Polyester“ oder aber „enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs“. Das fordert die EU-Textilkennzeichnungsverordnung für Kleidung in Europa, die zu mindestens 80 Prozent aus Textil besteht. Hier steckt also Tier drin.

„Wie das Tier gehalten und wie es getötet wurde, muss nicht genannt werden“, sagt Schmitz. Auch gebe es keine Bußgeldvorschrift, wenn der Hinweis auf Tierisches weggelassen wird. „Wir haben auch schon mehrfach in Kunstfell Echtfell entdeckt.“ Meist komme es vom chinesischen Marderhund – wie bei vielen der günstigen Fellaccessoires. „Das kann billiger sein als Kunstpelz.“

Das Wort Marderhund oder auf englisch racoon dog tauche aber so gut wie nie auf dem europäischen Markt auf. „Da wird hierzulande zu schnell ans Haustier gedacht“, sagt Schmitz. Und für das gebe es dann doch zu viel Mitleid. Ansonsten habe sich die Haltung zum Pelz verändert, sagt der Hamburger Trendforscher Wippermann. In den 90er Jahren seien die Tierschutz-Kampagnen mit blutigen Bildern abgezogener Felle viel präsenter gewesen. „Die Pelzmode ist dann über gefälschte Pelze zurückgekommen.“ Haarige Kragen und Kapuzen wurden hip, „echter Pelz ist dann eine sozial akzeptierte Variante dieser Mode geworden – die mit dem Luxusimage.“

Die Pelzindustrie boomt: 87 Millionen Felle werden nach Zahlen des internationalen Pelzverbandes IFF jährlich produziert. „Pelz ist auf den Straßen und auf den Laufstegen weltweit zu sehen“, sagt Susanne Kolb-Wachtel vom Deutschen Pelz Institut. Bewusst, glaubt sie. „Es lassen sich hier immer mehr Leute ihre Kunstfellkragen umarbeiten.“ In echten Pelz.

Eigentlich lehnen 86 Prozent der Deutschen das Halten und Töten von Tieren für die Mode jedoch ab, zeigt eine repräsentative Umfrage für die Tierschutzorganisation Vier Pfoten aus dem Jahr 2014. „Echtpelz ist für Käufer aber bei Accessoires wie Schlüsselanhängern schwer zu erkennen“, sagt deren Wildtierexperte Thomas Pietsch.

So erkennt man echtes Fell

Diese Tipps geben Tierschützer, um echten Pelz zu erkennen:

• Die Haare auseinanderziehen und auf das untere Gewebe achten. Bei echtem Pelz wäre es Leder.

• Tiere haben zudem unter den langen Oberhaaren feine, flauschige Unterwolle.

• Pusten: Echtpelz bewegt sich schon bei leichten Brisen.

• Auch der Geruch verrät etwas über die Echtheit: Werden echte Haare verbrannt, zerfallen sie und riechen wie menschliches Haar, Synthetik schmilzt und riecht nach Plastik.

(epd)

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