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„Kinderverbot“: Vermieter untersagt Kindern das Spielen – und erntet heftige Kritik

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Von: Luis Teschner

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In der Londoner Luxussiedlung One Tower Bridge dürfen Kinder nicht auf den Gängen spielen – oder im Garten, oder sonst irgendwo. Anwohner sind verzweifelt.

London – Die Wohnsiedlung One Tower Bridge in London ist ein Vorzeigestück für luxuriöse Wohnungen in Innenstadtlage: Die Wohnungen dort werden für bis zu 15 Millionen Pfund verkauft. Nach Londoner Gesetzgebung muss jedes größere Wohnprojekt allerdings auch ein paar Sozialwohnungen bereitstellen, um der Gentrifizierung der Innenstadt entgegenzuwirken.

Zwei Kinder spielen hinter einer Fensterscheibe
„Kindverbot“ in London: Kinder dürfen laut Vermieter nicht auf den Gängen spielen (Symbolbild) © Westend61/Imago

Weil überhaupt kein Zugang zu Spielbereichen für Kinder geboten wird, und die Gärten nur den höherpreisigen Apartments zugänglich sind, schickten Anwohner laut eines Berichts vom britischen Guardian ihre Kinder zum Spielen auf die Gänge – und wurden prompt abgemahnt. Wo sollen die Kinder denn nun zum Spielen hin?

„Kinderverbot“ in London: Luxusvermieter lässt Kindern keinen Platz zum Spielen

Eigentlich gibt es in Großbritannien Vorschriften, die jedem Kind den Zugang zu Spielplätzen sichern sollen, doch weil die kommunalen Gärten den Sozialwohnungen seit 2015 aus Kostengründen nicht mehr zugänglich sind, bleiben nur die Gänge. Der Vermieter, der City of London Council, will von den Vorschriften zu Spielplätzen laut Guardian allerdings nichts gewusst haben. In die Kritik geriet auch dieser Busfahrer, der einige Kindergartenkinder an der Haltestelle stehen ließ.

Die britische Play and Leisure Policy

Über die Play and Leisure Policy ist in Großbritannien festgelegt, dass alle Kinder Zugang zu Spielmöglichkeiten haben sollen. Sie folgt einer Empfehlung der UN, die das kindliche Spielen als integralen Bestandteil der kindlichen Entwicklung bezeichnet. Laut dieser Richtlinie sollen auch Kinder in „marginalisierten, gefährdeten oder benachteiligten Situationen mit sicheren, zugänglichen, und inklusiven Orten zum Spielen“ versorgt werden.

Der Guardian sprach mit einigen Anwohnern, von denen eine berichtet habe: „Die Gänge sind breit und wir passen auf, dass die Kinder leise sind. Sie sind sonst nirgends willkommen; in der Lobby im Erdgeschoss wurden sie bereits weggeschickt. In einem Wohnkomplex dieser Größe muss es doch einen sicheren Ort für Kinder zum Spielen geben – die privaten Gärten dürfen wir ja nicht nutzen, was auch im Lockdown nicht schön war.“

Auch in der unmittelbaren Umgebung gibt es keine Spielplätze, weil sich die Straßen ebenfalls in Privatbesitz befinden und überall Ball- und Radverbot herrscht. Als Reaktion auf die Situation in den Gängen erhielten die Bewohner von ihrem Vermieter eine Nachricht, dass die spielenden Kinder gegen den Mietvertrag verstoßen würden – jemand hatte die Kinder gefilmt und dem Council zukommen lassen. Eine andere Anwohnerin berichtet laut Guardian: „Es ist mir sehr unangenehm, dass mein Kind beim Spielen gefilmt wurde und den Brief fand ich bedrohlich.“ In die Kritik geriet kürzlich auch ein anderer Vermieter, der seinen Mietern ungefragt das Warmwasser abstellte.

Spielverbot für Kinder aus Sozialwohnungen: Kritiker werfen Vermieter Klassismus vor

Joris Lechêne, ein Content Creator, der auf TikTok über Architektur berichtet, nennt die Situation ein „Kinderverbot für alle, die nicht ultra reich sind“, weil die Problematik nur die Kinder aus den Sozialwohnungen betrifft. Eine Anwohnerin, die anonym bleiben will, erklärt im Guardian: „Ich arbeite im Gesundheitsbereich, ich zahle Miete. Ich wusste nicht, dass ich hier immer wie eine Bürgerin zweiter Klasse behandelt werden würde.“

Auf Nachfrage vom Guardian erlaubte der City of London Council den Kindern das leise Spielen auf dem Gang wieder, doch die Anwohner bleiben frustriert, weil die Gänge sowieso nur eine Notlösung waren. In der Facebook-Kommentarspalte auf der Seite des Guardians sind Nutzer sich einig: „Ein Ort für die Kinder ist wirklich nicht zu viel verlangt“, schreibt ein Nutzer. Eine andere fügt hinzu: „Die Gärten waren selbst im Lockdown nicht zugänglich? Das ist ekelerregend.“ (lute)

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