1. Startseite
  2. Welt

Beweise gegen Christian B.: „Wir sind sicher, dass er der Mörder von Madeleine McCann ist“

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Nach 15 Jahren benennt die portugiesische Staatsanwaltschaft erstmals einen Verdächtigen im Vermisstenfall von Madeleine McCann. Die damals dreijährige Britin war 2007 spurlos verschwunden.

Update vom Freitag, 6. Mai, 6.44 Uhr: Nachdem die portugiesische Staatsanwaltschaft Christian B. als Verdächtigen benannt hat, meldete sich nun auch die Staatsanwaltschaft Braunschweig zu Wort. 15 Jahre nach dem Verschwinden der kleinen Maddie, spricht sie nun von neuen Beweisen, berichtet die Nachrichtenagentur AFP.

„Wir sind sicher, dass er der Mörder von Madeleine McCann ist“, sagte der Braunschweiger Staatsanwalt Hans Christian Wolters am Dienstagabend in einem Interview. Bei den aufgetauchten Beweisen handelt es sich nicht um DNA-Spuren oder ähnliches. Nähere Angaben wurden nicht gemacht.

Vermisstenfall Maddie McCann: Neue Beweise gegen Christian B. in Deutschland aufgetaucht.
Vermisstenfall Maddie McCann: Neue Beweise gegen Christian B. in Deutschland aufgetaucht. (Archivbild) © Soeren Stache/dpa

Vermisstenfall Maddie McCann: Staatsanwaltschaft beschuldigt offiziell Christian B.

Erstmeldung vom Mittwoch, 22. April: Lissabon – Im Fall der 2007 verschwundenen Maddie McCann hat die portugiesische Staatsanwaltschaft den deutschen Verdächtigen Christian B. offiziell beschuldigt. Das teilte die Staatsanwaltschaft in Portimão am Donnerstag (21.04.2022) ohne Angaben zur Identität des Beschuldigten mit. Nach Angaben des Braunschweiger Staatsanwalts Hans Christian Wolters handelt es sich um den in Oldenburg inhaftierten Sexualstraftäter Christian B. Der Staatsanwalt sowie B.s Anwalt stuften das Vorgehen der portugiesischen Staatsanwaltschaft als formellen Schritt zur Abwendung einer Verjährung ein.

Das britische Mädchen Maddie McCann war am 3. Mai 2007 kurz vor ihrem vierten Geburtstag aus der Wohnung ihrer Familie in einer Ferienanlage an der südportugiesischen Algarve-Küste verschwunden, während ihre Eltern in einem Restaurant zu Abend aßen. Trotz großangelegter internationaler Fahndungen wurde der Fall nie aufgeklärt, von dem Mädchen fehlt bis heute jede Spur.

Beschuldigter im Fall Maddie McCann: Mordermittlungen gegen Christian B.

Im Juni 2020 trat dann eine überraschende Wendung ein: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig gab bekannt, dass sie Mordermittlungen gegen den Deutschen Christian B. führt. Er ist wegen Sexualdelikten vorbestraft und lebte von 1995 bis 2007 regelmäßig an der Algarve.

Derzeit sitzt B. in der Strafanstalt Oldenburg eine siebenjährige Haftstrafe wegen der Vergewaltigung einer 72-jährigen Frau im portugiesischen Ferienort Praia da Luz ab. Aus diesem Ort war 2007 die kleine Maddie verschwunden.

B.s Anwalt Friedrich Sebastian Fülscher erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP mit Blick auf die offizielle Beschuldigung seines Mandanten in Portugal: „Dieser Schritt der portugiesischen Behörden sollte nicht überbewertet werden.“ In Portugal verjähre Mord nach 15 Jahren. Sollte Maddie McCann bereits 2007 umgebracht worden sein, wäre dies „in wenigen Wochen der Fall“.

Die portugiesische Justiz benennt erstmals offiziell einen Verdächtigen im Fall „Maddie“: Der deutsche Christian B.
Die portugiesische Justiz benennt erstmals offiziell einen Verdächtigen im Fall „Maddie“: Der deutsche Christian B. © Facundo Arrizabalaga/dpa/Montage

„Ich gehe davon aus, dass die Verjährung durch diesen Schritt unterbrochen wurde“, fügte Fülscher hinzu. Die offizielle Beschuldigung seines Mandanten gleiche aber „keinesfalls“ einer Anklage. Außerdem räume der Status als Beschuldigter seinem Mandanten „zahlreiche Rechte ein“. „Wie in Deutschland auch kann ein Beschuldigter anders agieren als ein Zeuge“, hob der Verteidiger hervor. Trotzdem ist die formelle Einstufung als Verdächtiger eine Voraussetzung für eine mögliche Anklage.

Ermittlungen gegen Christian B.: Fall Maddie für deutsche Staatsanwaltschaft nicht Priorität

Braunschweigs Erster Staatsanwalt Wolters sprach gegenüber AFP mit Blick auf die offizielle Beschuldigung von B. durch die portugiesischen Behörden von „viel Lärm um zu wenig“. Dass in Portugal in der Sache nun ernsthaft ermittelt werde, halte er für „unwahrscheinlich“. „Es geht allein erstmal darum formal dieses Verfahren am Leben zu halten in Portugal“, fügte Wolters mit Blick auf die Verjährungsfrist hinzu.

Bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig geht es bei den Ermittlungen gegen B. derzeit nicht vordringlich um dessen mutmaßliche Verwicklung in den Fall Maddie. „Unsere Prioritäten haben andere Verfahren“ mit B. als Beschuldigtem, sagte Wolters und nannte die Vergewaltigung einer Irin sowie Fälle von Kindesmissbrauch. „Diese Fälle sind sehr viel übersichtlicher und liegen zum Teil nicht so lange zurück“, sagte Wolters.

„Wenn das vom Tisch ist, dann werden wir uns ausschließlich um Maddie kümmern“, fügte der Staatsanwalt hinzu. Dies könne sich aber „noch eine ganze Weile hinziehen“ und ein Ende der Ermittlungen im Fall „Maddie“ sei derzeit nicht absehbar.

Auch nach 15 Jahren ist der Fall Maddie McCann noch ungeklärt. Ein Investigativ-Team von Sat.1 hatte Anfang des Jahres neue Hinweise entdeckt, die zu dem verdächtigen Christian B. führten. Nun wird der Deutsche auch in Portugal erstmals in dem Fall beschuldigt.

B. war 2017 wegen sexuellen Kindesmissbrauchs auf Grundlage eines europäischen Haftbefehls von Portugal an Deutschland ausgeliefert worden. Nach einer verbüßten Haftstrafe verließ er Deutschland 2018, wurde aber ein Jahr später von Italien erneut ausgeliefert. Grundlage war ein zweiter europäischer Haftbefehl, der wegen eines Drogendelikts ausgestellt worden war. Im Fall „Maddie“ ermitteln außer den deutschen und den portugiesischen auch die britischen Behörden. (AFP)

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.
Die Redaktion