Keine Werbung und mehr Datenschutz

Dieses Social Network soll ein Hit sein: Ist Vero das bessere Instagram?

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Mehr Social war in sozialen Netzwerken nie: So wirbt die App Vero für sich.

Die Welt der sozialen Netzwerke ist unübersichtlich. Nun gibt es eine neue App, die besser sein will als Facebook und Co. Vero verspricht, noch sozialer zu sein. Taugt das was?

Was ist Vero?

Ein neues soziales Netzwerk, das mehr sein will als das neue Facebook oder Instagram. "Wir haben eine neue Art erfunden, sozial zu sein", heißt es in einem Werbevideo der neuen App, das gerade die Runde macht. Tatsächlich vereint Vero viele Funktionen, die man bislang von anderen sozialen Netzwerken kennt. Man kann Bilder und Links teilen, aber auch Bücher, Musik, Filme, Serien und Orte - also alles, egal, wie banal es ist.

In Zeiten, in denen ohnehin schon alles online stattfindet und sich viele von allem eher weniger als mehr wünschen, klingt das wie eine Drohung. Aber es trifft offensichtlich einen Nerv. In den vergangenen Tagen wurde die App in den Stores von Apple und Google so oft heruntergeladen, dass die Server zeitweise überlastet waren. Nur mit viel Glück konnte man sich bei Vero registrieren. Woher der Ansturm kommt, weiß niemand so genau, denn die Anwendung gibt es bereits seit fast drei Jahren.

Wie sieht es bei Vero mit dem Datenschutz aus?

Auf den ersten Blick besser als bei den Konkurrenten. Und das ist der eigentliche Unterschied zu Datenkraken wie Facebook, die immer wieder in der Kritik stehen. Vero versichert, keine Daten zu sammeln, es gibt keine Werbung und auch keine Algorithmen, die vorgeben, wer was zu sehen bekommt. "Wir kuratieren nicht, wir manipulieren nicht, wir fügen keine Werbung ein", lautet das Versprechen.

Tatsächlich ist es kinderleicht auszuwählen, wer was zu sehen bekommen soll - echte Freunde, alle Follower oder alle bei Vero? Der Freundschaftsbegriff, der durch Facebook entwertet wurde, wo quasi jeder mit jedem befreundet ist, erhält hier wieder eine neue Bedeutung.

Zur Registrierung muss man seine Telefonnummer angeben. Erst dann erhält man einen Verifizierungscode. Telefonnummern sind schwieriger zu fälschen als Mail-Adressen, sagt das Unternehmen. Trotzdem beschweren sich viele Nutzer über das ungewöhnliche Verfahren.   

Was kostet Vero?

Bislang nichts, das wird aber wohl nicht lang so bleiben. Für die erste Million Nutzer soll das soziale Netzwerk Vero kostenlos bleiben, und zwar für immer. Wer sich danach anmeldet, muss jährlich zahlen - wie viel, das ist bislang noch nicht bekannt. Vero finanziert sich also über die Beiträge seiner Nutzer sowie über die Käufe, die man direkt aus der App tätigen kann. Von den Händlern erhält das Unternehmen eine Transaktionsgebühr.

Langfristig wird es also so sein: Bei kostenlosen Anbietern wie Facebook bezahlt man mit seinen Daten, bei Vero mit Geld.

Wer steckt hinter Vero?

Der libanesische Milliardär Ayman Hariri. Der Sohn des ehemaligen Ministerpräsidenten des Mittelmeerstaates, Rafiq al-Hariri, der 2005 bei einem Attentat getötet wurde, baute nach seinem Studium an der Georgetown-Universität in Washington eine Internet-Sicherheitsfirma auf. Ende 2015 schätzte das Magazin "Forbes" sein Vermögen auf eine Milliarde Dollar. Als Name für sein soziales Netzwerk wählte er den italienischen Begriff für "wahr" oder "echt" aus. In Zeiten, in denen viele versichern, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben, sollte man allerdings genauer hinschauen, wenn eine App behauptet, "true social" zu sein.

Ist Vero wirklich besser als Facebook und Co.?

Das kann man noch nicht mit Sicherheit sagen, da Vero bislang noch nicht einmal eine Million Nutzer hat, während sich bei Instagram 800 Millionen Menschen angemeldet haben. Die dunkle Oberfläche sieht schick aus und wirkt intuitiv. Anders als bei Facebook, wo vieles sehr verschachtelt ist, findet man sich hier auch als Neuling sofort bestens zurecht. 

Nur die Menschen fehlen. Von unseren Kontakten nutzt bislang niemand Vero. Bei unserer kurzen Testphase blieb der Nachrichtenstrom leer. Es ist bei Google Plus, dem einstigen Facebook-Konkurrenten des Suchmaschinenriesen: Alles sieht gut aus, aber ein Netzwerk ohne Nutzer ist wie eine Gesellschaft ohne Menschen.

Vero gibt es für Android und iOS.

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