T-Shirts in Nazi-Optik

Versandhändler Amazon hat umstrittene Produkte im Angebot

Nicht verboten: T-Shirt mit Reichsadler. In seiner Aufmachung ähnelt das Wappentier stark dem Parteiadler, den die NSDAP 1935 bis 1945 in Kombination mit Hakenkreuz verwendete. Screenshot: Amazon

München. Wer beim Versandhändler Amazon in der Rubrik „Bekleidung“ stöbert, findet dort T-Shirts mit Motiven aus der Zeit des Nationalsozialismus.

Darunter sind ein Porträt des Wehrmachts-Offiziers Erwin Rommel, das Logo des Deutschen Afrikakorps’ und ein Reichsadler, der dem Parteiadler der NSDAP ähnelt.

Ein ähnlicher Reichsadler ist auch auf einem Blechschild abgebildet, in Kombination mit dem altdeutschen Schriftzug „Deutsches Schutzgebiet“. Darunter prangt ein Wappen in schwarz-weiß-rot – die Farben der Reichsflagge. Diese Farbkombination hat ihren Ursprung in Deutschem Kaiserreich und Weimarer Republik – wurde aber auch von Nationalsozialisten genutzt.

Verboten sind diese Motive nicht, wie Torsten Werner vom Polizeipräsidium Nordhessen auf Anfrage unserer Zeitung erklärt: „Die Symbole stellen keinen Verstoß gegen Paragraph 86 des Strafgesetzbuchs dar – Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“, sagt Werner. Zu den in Deutschland verbotenen Symbolen zählen etwa das Hakenkreuz und die SS-Runen.

Bei einigen Nutzern erregen die Motive, die bei dem Versandhändler mit deutschem Sitz in München erhältlich sind, Anstoß: „Welcher Abschnitt der deutschen Geschichte hiermit glorifiziert werden soll, steht außer Frage“, empört sich etwa Nutzer Jürgen W. auf der Seite.

Simone Rafael von der Berliner Amadeu-Antonio-Stiftung, die sich gegen Rassismus in Deutschland engagiert, erklärt: „Das sind Motive, die rechtsextremes Gedankengut transportieren.“ Wer solche T-Shirts trage, transportiere damit eine Botschaft der Bedrohung für Jugendliche mit Migrationshintergrund. Rafael sagte, sie finde es „problematisch, dass so etwas auf einer Plattform wie Amazon verbreitet wird, die sich an ein breites Publikum richtet“.

Amazon-Sprecher Martin Steinlehner sagt dazu auf Anfrage unserer Zeitung: Die Anbieter der jeweiligen Artikel müssten sicherstellen, dass ihre Artikel im Internet verkauft werden dürfen. Verbotene Artikel liste das Unternehmen in den Teilnahmebedingungen.

Wenn ein verbotener Artikel gemeldet werde, überprüfe man das umgehend. Rückmeldungen von Kunden nehme Amazon ernst. Zu der Frage, ob Amazon die Kritik der Amadeu-Antonio-Stiftung nachvollziehen könne, wollte sich Steinlehner nicht äußern. Aber: Amazon distanziere sich von rechtem Gedankengut. Man habe die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) um eine Einschätzung der Produkte gebeten.

bpb-Pressesprecher Daniel Kraft bestätigt, dass inzwischen, am 26. November, eine solche Anfrage von Amazon eingegangen ist. Eine Stellungnahme an Amazon werde man in den nächsten Tagen abgeben.

Von Marc Hörcher

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