Die Verschuldung von Jugendlichen

+

Bei der Verschuldung von Jugendlichen handelt es sich um ein gesellschaftliches Problem, das nicht erst seit gestern im Raume steht und schon lange für Furore sorgt.

Allerdings hört man neben den üblichen und pauschalen Phrasen, die vor allem auf die Jugendlichen selbst eindreschen, relativ wenige analytische Herangehensweisen, die etwa danach fragen, woher diese Verschuldung selbst überhaupt kommt und weshalb der Konsum von Jugendlichen so extrem ist. Diese Aufgabe soll dieser Text übernehmen und gleichzeitig einige Strategien anbieten, wie man etwa in der Erziehung agieren kann, wenn die eigenen Kinder sich verschulden.

Woher kommt die Verschuldung unserer Kinder?

Fragen wir also zunächst das Offensichtliche: Woher kommt die Verschuldung unserer Kinder? Wie kommt es, dass diese mehr kaufen, als sie an Geld zur Verfügung stehen haben, obwohl sie ja noch gar keine regulären Haushaltsausgaben tätigen müssen? Diese Fragen sind nicht einfach zu beantworten, wie zum Beispiel eine Darstellung der Bundeszentrale für politische Bildung nahelegt, denn die Ursachen des Problems sind komplex.

Das riesige Angebot

Nichtsdestotrotz wollen wir versuchen, uns dem Problem sachlich anzunähern. Ein zentraler Gegenstand dürfte sein, dass die Konsumverlockungen in unseren westlichen Gesellschaften der Gegenwart wesentlich vielfältiger und verlockender sind, als dies vor einigen Jahrzehnten noch der Fall gewesen war. Dies soll nicht als plumpe Konsumkritik verstanden werden, denn wir alle profitieren davon, dass wir heutzutage online oder offline nahezu alles kaufen können, was wir möchten. Diese Tatsache ermöglicht uns eine ganz andere Freiheit des Konsums, als man sie sich hätte früher erträumen können.

Dass allerdings diese Freiheit auch Risiken mit sich bringt, scheinen nur die wenigsten zu reflektieren. Gerade Jugendliche, die in ihrem Weltbild noch nicht so gefestigt sind wie Erwachsene, erliegen oft den Trends, die ja unter anderem von den verschiedensten Marketingabteilungen und -agenturen ersonnen werden. Dass etwa Riesenkonzerne wie Coca Cola Milliardenbeträge in Marketing investieren, obwohl Marketing ja zumindest im direkten Sinne keine Gewinne produziert, sollte zu denken geben, denn offensichtlich verspricht man sich von den Maßnahmen eine gewisse Effektivität. Marketing dient in erster Linie der Beeinflussung von Zielgruppen, die Firmenangebote wahrzunehmen. Insofern kann man also die gestiegene Vielfalt an Angeboten im Zusammenhang mit dem mangelnden Reflektieren der Konsumenten über die in der Werbung gemachten Aussagen als eine der Ursachen für die Verschuldung vieler Jugendlicher verantwortlich machen.

Gestiegener Wohlstand

Als weitere Ursache neben der bereits genannten Beobachtung ist wohl eindeutig festzustellen, dass der gestiegene Wohlstand in der Bundesrepublik Deutschland in den letzten fünfzig Jahren durchaus seine Schattenseiten hat. Denn selbstverständlich wollen die Eltern sicherstellen, dass ihre Kinder alles haben, was sie brauchen. Gleichzeitig ist es begrüßenswert, dass die meisten (nicht alle!) Kinder in Deutschland in relativem Wohlstand aufwachsen können.

Und doch bringt der wachsende Wohlstand mit sich, dass die Kinder den Bezug dazu verlieren, dass dieser relative Reichtum nicht selbstverständlich ist. Sie verstehen oftmals mangels Eigenerfahrung nicht, dass harte Arbeit diesen Wohlstand erst ermöglich hat.

Eine Erziehungsfrage?

Aber auch ohne selbst gearbeitet zu haben, können Kinder und Jugendliche den Wert von Gegenständen durchaus durch eine gute und nachhaltige Erziehung in Finanzfragen lernen. Indem sie schon früh in kleinen Teilbereichen Verantwortung übernehmen, die nur sie und ihre Freizeitbeschäftigungen betreffen, lernen sie einen verantwortungsbewussteren Umgang mit Geld.

Gleichzeitig ist es aber auf Elternseite notwendig und richtig, dass diese die entsprechende Zeit investieren, um ihre Kinder verantwortungsvoll zu erziehen. So können sie ihnen beispielsweise beibringen, verschiedene Angebote zu vergleichen und das günstigste zu wählen, statt in teure Fallen zu laufen: Gerade in Bezug auf günstige Mobilfunkverträge ist dies recht wichtig, da sich immer wieder Jugendliche über diesen Bereich stark verschulden. Oft kaufen sie Apps und Musik in rauen Mengen und lassen diese – zu ihrem späteren Entsetzen – über ihre Handyrechnung abbuchen. Derartige Verhaltensweisen sollte man ihnen bei Zeiten abgewöhnen und sie stattdessen über ihre Einnahmen und Ausgaben Buch führen lassen, sodass die Gefahr einer schleichenden Überschuldung gar nicht erst auftritt.

Soziale Gründe

Selbstverständlich gibt es aber auch Gründe für die Verschuldung von Jugendlichen, die etwas außerhalb der Einflusssphäre der Eltern liegen. Zu diesen Gründen gehören soziale Ursachen, so zum Beispiel Freunde. Für den Menschen ist es im Allgemeinen sehr wichtig, dass sie Anerkennung bekommen – für Heranwachsende aber ganz besonders. Leider passiert das auch über Smartphones, Kleidung, Computer und andere Wertgegenstände. Auf diese Weise setzen sich Jugendliche gegenseitig unter Druck, zum Beispiel den neuesten Trends in Sachen Sneakers zu folgen, statt einfach nur die Schuhe zu tragen, die ihnen persönlich gefallen.

Reflexion ist Trumpf

Gerade deshalb, weil so viele Ursachen Einfluss auf eine mögliche Verschuldung haben, brauchen Jugendliche, die ja beispielsweise oft durch soziale Medien beeinflusst werden, eine starke Selbstreflexion, in deren Mittelpunkt einige zentrale Fragen stehen sollten. So etwa: Was für kaufbare Gegenstände brauche ich wirklich? Worüber definiere ich mich selbst? Derlei Fragen regen zum Nachdenken an, ob tatsächlich Konsumgüter hier die beste Lösung sind.

Fazit

Alles in allem ist das Thema Verschuldung bei Jugendlichen überaus komplex und nicht mit einer einzigen Herangehensweise zu lösen. Da aber gesellschaftliche Lösungsansätze bislang kaum in Sicht sind, sollten Eltern zumindest im Rahmen ihrer eigenen Familie mit Hilfe von Erziehungsmaßnahmen alles dafür tun, dass sie ihre Sprösslinge vor einer Verschuldung in jungen Jahren bewahren.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.