Gespenstische Aufnahmen

Eindrucksvolles Video: Taucher filmten Wrack der "Costa Concordia"

Berlin/Rom. Gespenstisch liegt es plötzlich da, eingehüllt in blaues Licht: Das Wrack der „Costa Concordia“. Italienische Polizitaucher haben das Innere des gesunkenen Kreuzfahrtsschiffs untersucht und dabei eindrucksvolle Videoaufnahmen gemacht. Sie wurden jetzt von der italienischen Polizei veröffentlicht.

Langsam nähern sich die Taucher dem Wrack, schwimmen auf das Schiffsdeck zu. Zerfledderte Kleidungsstücke liegen dort neben Kissen, sie bewegen sich leicht im blaugrünen Ozean. Ein Taucher nimmt ein Buch in die Hand, das am Geländer liegt. Er blättert kurz darin, lässt es dann liegen und schwimmt weiter. Vorbei an einer leeren Truhe, auf deren Deckel in schnörkeliger Schrift „Costa Concordia“ steht. Durch ein Gewirr aus kaputten Rohren und verbogenen Eisengittern geht es weiter, bis die Taucher schließlich durch die Flure der Decks schweben, flankiert von kleinen Fischen.

Die Aufnahmen, die bereits im September 2013 entstanden sind, wurden jetzt von der italienischen Polizei veröffentlicht. Die britische Tageszeitung Telegraph hat sie auf der Internet-Plattform Youtube zur Verfügung gestellt. Dort wurden die Bilder bereits von tausenden Menschen angesehen. „Schnappschuss der panischen letzten Momente“ nennen die Journalisten die Aufnahmen.

Die „Costa Concordia“ war im Januar 2012 vor der toskanischen Insel Giglio gekentert. 32 der 4200 Menschen an Bord starben bei dem Unglück. Der Kapitän, Francesco Schettino, muss sich als einziger wegen der Havarie vor Gericht in Grosseto verantworten. Ihm wird vorgeworfen, das Schiff während der Evakuierung sich selbst überlassen zu haben. Dennoch wies er jede Schuld von sich.

Nach dem Unglück habe die Existenz des Kreuzfahrtunternehmens Costa Crociere auf dem Spiel gestanden, sagte der Vorstandschef der Reederei, Michael Thamm, der „Bild am Sonntag“. Das Unternehmen in Genua sei damals erstmals in die roten Zahlen gerutscht, habe Hunderte Millionen Euro verloren. „Wirtschaftlich stehen wir heute wieder da, wo wir vor dem Unfall waren“, sagte Thamm. „Aber zwischendurch stand die Existenz dieser Reederei auf dem Spiel.“

Erstmals nannte die Reederei jetzt eine vorläufige Summe für die Kosten für die Bergung und die Entschädigungen. „Alles in allem werden am Ende gut 1,5 Milliarden Euro auf der Rechnung stehen“, sagte der Reedereichef dem Blatt. In dieser Schadenssumme seien die Einnahmeverluste aber noch nicht enthalten, zudem hätte das Kreuzfahrtschiff noch 25 Jahre fahren und erhebliche Gewinne machen können. Das Unternehmen will nach dem Abschluss des Strafprozesses gegen den angeklagten Kapitän Francesco Schettino Schadenersatz geltend machen.

Von Moritz Schäfer (mit dpa)

Hintergrund

Das passiert jetzt mit dem Schiffswrack

Das Wrack des vor der Insel Giglio liegenden Kreuzfahrtriesen wird nach Genua geschleppt und verschrottet. Das aufwendig mit Schwimmkästen flottgemachte Schiff könnte um den 20. Juli herum in den rund 280 Kilometer entfernten Hafen gebracht werden. Das Verschrotten soll Schätzungen zufolge etwa 100 Millionen Euro kosten, 100 Arbeiter werden damit wahrscheinlich ein Jahr lang beschäftigt sein. (dpa)

Rubriklistenbild: © dpa

Schlagworte zu diesem Artikel

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.