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Video von Krankenkasse löst Shitstorm aus: „Sexistisch und nicht witzig“

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Von: Sandra Kathe

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Mit einem Videoclip will die Techniker Krankenkasse zur regelmäßigen Vorsorge gegen Hodenkrebs aufrufen – das bringt zwar Aufmerksamkeit, aber vor allem Kritik.

Berlin – Mit dem Versuch öffentlichkeitswirksam auf Instagram für eine regelmäßige Hodenkrebs-Vorsorge zu werben, hat die Techniker Krankenkasse eine Sexismusdebatte ins Rollen gebracht – und damit nicht nur die Aufmerksamkeit Tausender Nutzer der Social-Media-Plattform auf sich gezogen. Im Netz erhält die Kampagne vor allem negative Kommentare.

Hintergrund der Kritik an dem Clip, der als Werbung auf Instagram ausgespielt wird, ist neben dem Titel „Der life-saving Handjob“ auch die Machart des Werbefilms, der ganz der Klischee-Dramaturgie des Genres Pornofilm entspricht. Eine junge Frau – gespielt von der Pornodarstellerin Anny Aurora – steht unter der Dusche, als es plötzlich an der Tür klingelt. Der neue Nachbar steht draußen, wird von der jungen Dame im Handtuch auf „ein paar Drinks“ eingeladen, zwei Bilder später werden bereits Körperflüssigkeiten ausgetauscht.

Für einen Werbeclip zur Krebsvorsorge hat die Techniker Krankenkasse einen unkonventionellen Weg gewählt und einen Shitstorm geerntet.
Für einen Werbeclip zur Krebsvorsorge hat die Techniker Krankenkasse einen unkonventionellen Weg gewählt und einen Shitstorm geerntet. © Screenshot/Youtube

Hodenkrebsvorsorge: Kritik an Werbeclip der Techniker Krankenkasse mit Porno-Darstellerin

Als die klassische Pornohandlung unterbricht und Anny Aurora, die Hand an einer Nachbildung, erklärt, wie man die Hoden abtastet und so in Sachen Krebsfrüherkennung auf Nummer sicher geht, wird zumindest klar, was die Krankenkasse bei ihrem Werbespot erreichen wollte. In einer Version des Videos, die etwa der Nachrichtensender ntv hochgeladen hat, werden die Erklärungen zur Früherkennung am verpixelten Geschlechtsteil des „Nachbarn“ erklärt. Ob sich die Krankenkasse mit der Idee – egal in welcher Fassung – einen Gefallen getan hat, darüber gehen die Meinungen von Nutzerinnen und Nutzern sozialer Medien auseinander.

So löste die Kampagne im Internet binnen Stunden eine Debatte und vor allem negative Kommentare bis hin zum Shitstorm aus. „Sexistisch und nicht witzig“, nennt sie etwa Autorin Tara-Louise Wittwer auf Instagram. „Das Video offenbart, wie wenig wir Männern zutrauen“, schreibt ein anderer User auf Twitter.

Techniker Krankenkasse rechtfertigt umstrittene Werbung – und löst nächsten Shitstorm aus

Auf die Kritik hin meldete sich dann die Krankenkasse beschwichtigend mit einem Instagram-Post zu Wort, der die Sache – aus der Sicht einiger Instagram-Fans – nicht besser macht. Die Krankenkasse betont, dass ihr „Diversität, Gleichstellung und respektvolles Miteinander“ sehr wichtig seien, die Früherkennung von Hodenkrebs mehr Aufmerksamkeit verdiene. Die TK hätte „bewusst einen ungewöhnlichen Ansatz gewählt und die Aufklärung darüber in einem pornografischen Umfeld platziert“. Unter dem Post kündigen etliche Nutzerinnen und Nutzer an, die Krankenkasse zu wechseln.

Zwischen all der Kritik werden jedoch auch Verteidigungsrufe laut: So sprang der Krankenkasse auf Twitter etwa der FDP-Politiker Konstantin Kuhle zur Seite und forderte: „Statt in borniert-spießiger Weise über die erfolgreiche Hodenkrebs-Aufklärung der Techniker Krankenkasse zu schimpfen, sollten wir denen gleich die ganze Verantwortung für die Werbung zur Corona*-Impfung übertragen! Good Job“. Wie ge- oder misslungen die Kampagne ist, darüber wird das Internet wohl noch eine Weile streiten.

Schon in der Vergangenheit haben Social-Media-Shitstorms dafür gesorgt, dass Unternehmen sich nach Sexismus-Vorwürfen* früher oder später bei ihrer Kundschaft entschuldigen mussten. (ska) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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