Mann war schwer bewaffnet

Berlin: Polizeieinsatz wird untersucht

Berlin - Pfefferspray, Schusswaffen und Hundeattacke: Ein Amateurvideo zeigt, wie die Polizei einen bewaffneten Mann überwältigt. Jetzt ermittelt die Jusitz gegen die Beamten.

Das Amateurvideo zum Polizei-Einsatz auf "Bild"

Nach Polizei-Schüssen auf einen mit einem Beil und Messern bewaffneten Angreifer in Berlin ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen zwei Beamte wegen versuchten Totschlags. „Wir untersuchen, ob die Schüsse und die weiteren Polizeimaßnahmen gerechtfertigt waren“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, am Montag. Ein Polizist und seine Kollegin hatten im Berliner Stadtteil Wedding etliche Male auf den bewaffneten 50-Jährigen gefeuert, nachdem er auf die Beamten losgegangen war. „Gegen den Mann wird wegen Bedrohung ermittelt.“

Der von einem Passanten mit dem Handy gefilmte Einsatz rief Kritik hervor. Die Beamten waren mit Schlagstöcken, Pfefferspray, einem Genicktritt und einem Hund auf den Mann losgegangen, als er bereits angeschossen am Boden lag, jedoch noch ein Messer in der Hand hielt. „Der Mann wurde von mehreren Schüssen in die Beine und den Bauch lebensgefährlich verletzt“, sagte Steltner. Nach einer Notoperation sei er außer Lebensgefahr. Der Mann konnte aber bis zum Montagabend nicht vernommen werden, da er nicht ansprechbar sei.

Der Bewaffnete hatte am Samstag Beamte attackiert, die von Anwohnern alarmiert worden waren. Erst nach etlichen Schüssen wurde er überwältigt. Mehrere Zeitungen berichteten von etwa acht Schüssen. Auf Ansprachen, den Einsatz von Pfefferspray sowie Warnschüsse hatte der 50-Jährige zuvor nicht reagiert. Er ist der Polizei wegen kleinerer Vergehen bekannt.

Wie immer bei Schüssen von Beamten untersucht nun neben der Staatsanwaltschaft auch eine Mordkommission den Fall. Am Montag wurde der Tatort mit einer Drohne aus der Luft vermessen. Warum der 50-Jährige bewaffnet herumlief, ist noch unklar. Hinweise auf eine geistige Störung lägen nicht vor, sagte Steltner. Offen sei auch noch, ob der Mann unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stand.

Innensenator Frank Henkel (CDU) wollte sich mit Blick auf laufende Ermittlungen nicht zu dem Fall äußern. Andere Politiker stellten indes die Verhältnismäßigkeit der Polizeimaßnahmen infrage. „Es muss nun aber geklärt werden, ob acht Schüsse und der Tritt in den Nacken nötig waren, um den Mann zu stoppen“, sagt der Grünen-Abgeordnete Benedikt Lux. Grundsätzlich hätten die Polizisten aber alles tun müssen, um den Mann kampfunfähig zu machen.

Piraten-Fraktionschef Christopher Lauer kündigte an, die Abläufe in der nächsten Sitzung des Innenausschusses zu thematisieren. Häufig vermittele die Polizei den Eindruck, Gewalttäter auch ohne scharfe Munition stoppen zu können. „Warum wurde nicht versucht, den Mann mit alternativen polizeilichen Mitteln zu überwältigen?“, so Lauer.

Der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Michael Purper, attestierte den Beamten, grundsätzlich richtig gehandelt zu haben. „Die Polizei muss auch den Täter vor sich selbst schützen. Was wäre passiert, wenn er das Messer gegen sich selbst gerichtet hätte?“ Zugleich riet er davon ab, anhand des im Internet veröffentlichten Handyfilms vorschnell zu urteilen. „Die Kollegen mussten in der Kürze der Zeit entscheiden, was sie machen sollten.“ Es sei nicht normal, dass sich jemand so vehement gegen seine Festnahme wehre.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) kritisierte, dass die Beamten keine Alternative zwischen Schlagstock und Pistole hätten. „Die Einsatzsituation hätte mit einem Elektroschockgerät wesentlich schneller und effizienter erledigt werden können,“ sagte der Berliner Vorsitzende, Bodo Pfalzgraf. Die Gewerkschaft setzte sich für die Einführung von Tasern ein. Damit können Drähte abgeschossen werden, die elektrische Schläge weiterleiten. Die Geräte sind umstritten.

Immer wieder greifen Polizisten in Gefahrensituationen zur Waffe. 2011 schossen Beamte bundesweit insgesamt 85 Mal. Laut Deutscher Hochschule der Polizei im westfälischen Münster waren davon 49 Warnschüsse, 36 Mal feuerten die Polizisten gezielt. Dabei wurden sechs Menschen getötet und 15 verletzt.  

Polizeifotos von US-Stars

Donnie Wahlberg
Donnie Wahlberg von New Kids on the Block bei seiner Festnahme im April 1992. © ap
Al Pacino
Schauspieler Al Pacino kam schon 1961 wegen einer versteckten Waffe mit der Polizei in Konflikt. Dabei entstand dieses Bild. © ap
Polizeifotos von US-Stars
Die Prostituierte Divine Brown hat sich 1995 bei unzüchtigem Verhalten erwischen lassen. Mit dabei und ebenfalls verhaftet: Schauspieler Hugh Grant. © ap
Hugh Grant
Wegen eines Blow Jobs mit Divine Brown auf Hollywoods Sunset Boulevard musste auch Hugh Grant in die Polizeikamera blicken. Ein Skandal. Gilt der britische Schauspieler doch als Schwiegermutter-Traum. © ap
Polizeifotos von US-Stars
Hatten auch schon mit der Polizei zu tun (von Links): Nick Nolte, Mel Gibson, Hugh Grant, O. J. Simpson, Paris Hilton und Nicole Richie und Lindsay Lohan. © ap
Jane Fonda
1970 hatte auch Jane Fonda ein Date auf dem Polizeirevier. Sie wurde wegen einer Körperverletzung aktenkundig. © ap
Jennifer Capriati und Tom Wineland
Tennisstar Jennifer Capriati gewann 1992 olympisches Gold. 1994 wurde sie mit Marihuana erwischt. Ihre Karriere konnte sie nach der Haft aber fortsetzen. Auch ihr Begleiter Tom Wineland, der wegen Drogenprobelmen auf Bewährung war, wurde festgenommen. © ap
Jim Courier
Und noch ein Tennisstar: Jim Courier lacht auf dem Polizeifoto trotz einer Festnahme wegen Trunkenheit am Steuer 1999. © ap
Kid Rock
Sänger Kid Rock albert herum. Er wurde 1995 festgenommen und zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er einen DJ in einem Club verprügelt hat. © ap
Lawrence Taylor
NHL-Star Lawrence Taylor versuchte Crack im Wert von 100 Dollar zu kaufen und wurde erwischt. © ap
Michael "Dynamite" Dokes
Der Boxer Michael "Dynamite" Dokes hat sich schwerer Vergehen verdächtig gemacht: sexuelle Nötigung und versuchter Mord standen 1998 auf der Liste beim Polizeipräsidium in Las Vegas. © ap
Michael Lookinland
Michael Lookinland spielt den Bobby in der Serie The Brady Bunch". Im echten Leben hat er sich betrunken beim Autofahren erwischen lassen. © ap
Nicole Richie
Nicole Richie war nicht nur einmal im Gefängnis. 2007 ist sie unter Drogeneinfluss Auto gefahren. © ap
Paul Reubens
Schauspieler Paul Reubens ist bekannt als Pee-Wee Herman und fiel in einem Theater unangenehm auf. © ap
Randy Moss
Der Football-Spieler Randy Moss wurde beschuldigt, einen Polizeibeamten absichtlich angefahren zu haben als der ihn anhalten wollte. © ap
Ricky Willaims
Und wieder ein Football-Spieler, der sich nicht an die Verkehrsregeln gehalten hat: Ricky Willaims spielt bei den New Orleans Saints. © ap
Sophia Loren
Schauspielerin Sophia Loren mit ihrer Sekretärin Inez Bruscia. Sie verlassen auf dem Bild das Polizeipräsidium. Loren wurde zu Hause ausgeraubt und ihre Sekretärin dabei verletzt.  © ap
Tony Phillips
Baseball-Spieler Tony Phillips hat versucht Drogen von einem Undercover-Polizisten zu kaufen. Dumm gelaufen. © ap
Wynonna Judd
Wynonna Judd ist angeklagt, weil sie betrunken Auto gefahren ist. © ap

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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