Viele beschädigte Häuser nach gewaltiger Explosion in Ritterhude

Ritterhude. Ein lebensgefährlich Verletzter und 40 beschädigte Wohnhäuser: Das ist die erste Bilanz der schweren Explosion in einer Entsorgungsfirma in Ritterhude vor den Toren Bremens, die Rätsel aufgibt. Am Mittwochmittag kämpfte die Feuerwehr gegen letzte Glutnester in den Trümmern der Brandruine.

2006: Erinnerungen an Großbrand und Explosionen am VW-Werk in Bauntal 

Ein Großfeuer im VW-Werk Kassel-Baunatal mit mehreren Explosionen hatte am Samstag, 13. Mai 2006, die Menschen im Raum Kassel in Angst und Schrecken versetzt. Die Flammen und Rauchwolken über dem VW-Werk waren kilometerweit zu sehen.

Ermittler des Landeskriminalamts gingen später als Ursache für das Großfeuer von einem Blitz aus, der gegen in ausgemusterte Magnesiumgehäuse eingeschlagen war, die auf dem Schrottplatz des VW-Geländes neben der Gießerei standen. In Verbindung mit Regenwasser kam es zu heftigen Knallgasreaktionen. „Auf diese chemische Reaktion sind die zahlreichen, heftigen Explosionen auf dem VW-Gelände zurückzuführen“, stand damals in der HNA. Das brennende Magnesium wurde mit Schaum und Sand bekämpft.

Die Baunataler hatten Glück: „Obwohl sich zur Zeit des Unglücks rund 200 Menschen im VW-Werk aufhielten, kam niemand zu Schaden,“ schrieben HNA-Redakteure in der Montagsausgabe vom 15. Mai 2006. (jbg)

Hier lesen Sie den gesamten HNA-Bericht von 2006 aus dem HNA-Archiv:

Teil 1

Teil 2

Alle Infos zum HNA-Archiv, das alle Stadt-Ausgaben der "Hessischen Allgemeine" ab 1945 online zur Verfügung stellt, gibt es hier.

Nach der viele Kilometer weit hallenden Detonation und dem anschließenden Großfeuer war ein Mitarbeiter mit schweren Verbrennungen geborgen worden. Die Ursachensuche soll laut Polizei beginnen, sobald der Brand in der auf Abfallentsorgung spezialisierten Fabrik endgültig gelöscht ist.

Die Druckwelle der Explosion hatte am Dienstagabend zwischen 30 und 40 Häuser eines angrenzenden Wohngebietes so stark beschädigt, dass sie vorläufig evakuiert wurden. Sechs Wohnhäuser sind laut Feuerwehr unbewohnbar. Zwei Anwohner erlitten Knochenbrüche, ein Feuerwehrmann wurde leicht verletzt. Mehrere Anwohner aus einsturzgefährdeten Gebäuden nahe der Fabrik fanden Unterkunft bei Freunden oder Verwandten.

Für die Betroffenen gibt es laut Bürgermeisterin Susanne Geils (SPD) eine "Welle der Hilfsbereitschaft": "Es gab unglaublich viele Menschen, die Unterkünfte angeboten haben - wir haben lange Adressenlisten." Geils schloss nicht aus, dass es in einigen Fällen mehrere Monate dauern kann, bis die Anwohner in ihre beschädigten Gebäude zurückkehren können. "Wir sondieren gerade, wie groß das Ausmaß der Schäden ist."

Ein Großaufgebot mit 200 Feuerwehrleuten und 150 weiteren Helfern war am südlichen Rand Ritterhudes im Einsatz. Die Hitzeentwicklung war anfangs so stark, dass die Feuerwehren nur mit viel Abstand über Drehleitern löschten. Erst später konnte die Vermisstensuche starten.

Zur möglichen Unglücksursache war zunächst nichts bekannt. Das Unternehmen kümmert sich laut eigener Beschreibung unter anderem um die "Verwertung und Entsorgung besonders überwachungsbedürftiger Abfälle", darunter "flüssige Sonderabfälle". Nach Angaben der Feuerwehr ergaben Schadstoffmessungen der Luft, dass der Brand keine Gesundheitsgefahr für die Anwohner brachte. Die Konzentrationen seien nicht besorgniserregend hoch.

Der lebensgefährlich verletzte 60 Jahre alte Mitarbeiter erlitt Verbrennungen dritten Grades. Der Mann wollte demnach einen Kontrollgang machen, weil ihm sein Bereitschaftspieper einen technischen Fehler gemeldet hatte.

Der nach der Explosion zwischen Bremen-Burg und Osterholz-Scharmbeck unterbrochene regionale Bahnverkehr rollte am Mittwoch wieder, Reisende mussten aber noch mit Verspätungen rechnen. (dpa)

Fotos vom Brand in Ritterhude

Schwere Explosion in Chemiefabrik bei Bremen

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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