Viele Unfälle zum Saisonstart: Gefährlicher Frühling für Motorradfahrer

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Kassel. In jedem Jahr ist es ein Phänomen: In den ersten warmen Tagen verzeichnet die Polizei besonders viele Unfälle mit Motorradfahrern.

Die Bilanz des diesjährigen Saisonstarts in der Region: Es gab bereits tödliche und mehrere schwere Motorradunfälle.

Warum passieren gerade im Frühjahr viele Unfälle mit Motorrädern? 

„Motorrad- und Autofahrer müssen sich erst wieder aneinander gewöhnen“, sagt Cornelius Blanke, Pressesprecher des ADAC Hessen-Thüringen. „Schließlich waren fast ein halbes Jahr lang keine Motorräder mehr auf den Straßen unterwegs.“

Die Polizei Nordhessen gibt als eine häufige Ursache für die Unfälle an, dass Motorradfahrer nach dem Winter noch ungeübt sind und deshalb Fahrfehler machen. Sehr häufig seien aber auch Autofahrer Schuld, weil sie jetzt noch nicht unbedingt mit Motorrädern rechnen, so Sprecher Torsten Werner. So komme es oft zu schweren Unfällen, weil sie etwa beim Linksabbiegen Motorräder zu spät oder gar nicht sehen.

Worauf sollten Motorradfahrer zum Saisonstart achten? 

Der ADAC empfiehlt, nicht direkt zu Beginn lange Strecken zurückzulegen. „Die erste Fahrt sollte nur eine Stunde dauern. Und am besten wählen die Motorradfahrer eine Strecke, die sie gut kennen“, sagt Blanke. So könnten sie sich wieder an ihre Maschine gewöhnen. Wichtig sei außerdem, das Motorrad vorher gründlich zu überprüfen. Die Polizei warnt zudem davor, dass es jetzt noch viele Schlaglöcher durch den Frost gibt.

Der Vorsitzende des Bundesverbands der niedergelassenen Verkehrspsychologen, Dr. Karl-Friedrich Voss aus Hann. Münden, empfiehlt Motorradfahrern, „nicht gleich Vollgas zu geben“. Manchen sei das aber nur schwer zu vermitteln: „Beim Motorradfahren geht es ja oft um Selbstverwirklichung. Nach der Pause im Winter, wollen viele wieder direkt voll durchstarten.“

Worauf sollten Autofahrer in diesen Wochen besonders achten? 

Blanke vom ADAC sieht auch Autofahrer in der Pflicht, besonders vorsichtig zu sein. „Gerade jetzt, sollte man vorausschauend fahren und im Spiegel beobachten, ob Motorräder in der Nähe sind.“ Die Polizei weist zudem darauf hin, dass der Schulterblick wichtig ist, um die Zweiradfahrer im toten Winkel zu sehen.

Wo passieren die meisten Motorrad-Unfälle? 

In den Städten wird ein Großteil der Unfälle registriert, so der ADAC. „Die Hälfte der tödlichen Unfälle passiert aber auf den Landstraßen“, sagt Blanke. Denn hier seien die Motorradfahrer mit deutlich höherer Geschwindigkeit auf kurvigen Strecken unterwegs.

Wie versucht die Polizei, die Motorradfahrer zu erreichen? 

Besonders kreativ ist in jedem Jahr die Polizei Sachsen. Auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichen die Beamten ihre Warnung an die Motorradfahrer als kurzes Video, das typische Unfallsituationen zeigt. Und die Botschaft kommt an: Das aktuelle Video hat seit dem Wochenende mehr als 300 000 Nutzer angeklickt. Sie finden es hier.

Hintergrund: Sicherer fahren mit dem Motorrad

Um Gefahrensituationen zu üben und das Motorrad besser kennenzulernen, bieten verschiedene Organisationen Fahrsicherheitstrainings an. In der Region gibt es einen Trainingsplatz des ADAC in Malsfeld (Schwalm-Eder-Kreis). „Dadurch, dass man bestimmte Situationen hier mehrfach übt, verinnerlicht man die richtige Reaktion“, sagt Sprecher Cornelius Blanke.

Ein Motorrad-Basis-Training kostet 99 Euro für ADAC-Mitglieder (115 Euro für Nicht-Mitglieder). Auch für Einsteiger gibt es spezielle Übungs-Angebote. Infos gibt es hier.

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