Vogelgrippe-Virus erstmals bei Wildvogel nachgewiesen

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Wildvögel fliegen über Ummanz bei Rügen. In einem Drei-Kilometer-Umkreis um den Fundort der Krickente auf der Insel stehen die Geflügel-Haltungen jetzt unter besonderer Beobachtung. Foto: Stefan Sauer

Schwerin (dpa) - Erstmals in Europa ist das gefürchtete Vogelgrippe-Virus H5N8 bei einem Wildvogel nachgewiesen worden. Entdeckt wurde es in einer Krickente, die im Rahmen der Wildvögel-Überwachung bei Rügen in Mecklenburg-Vorpommern geschossen wurde.

Das sagte Agrarminister Till Backhaus (SPD) am Samstag in Schwerin. Damit erhärtet sich der Verdacht, dass die Ausbrüche der vergangenen Wochen in europäischen Nutztierställen auf Wildvögel zurückgehen. Für Montagvormittag berief die Bundesregierung ein Krisentreffen in Berlin ein. In den Niederlanden wurde der Erreger in einem dritten Geflügelbetrieb nachgewiesen.

Die Krickente, die selbst keine Krankheitssymptome aufwies, wurde auf der Insel Ummanz bei Rügen gefunden. Diese Vögel, die in weiten Teilen Eurasiens leben, brachten möglicherweise den hochansteckenden Erreger nach Europa. "Es ist ein weiterer Hinweis, dass Wildvögel daran beteiligt sein könnten", sagte Elke Reinking vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit auf der Insel Riems.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) rief alle Bundesländer zur Vorsorge auf. So solle etwa Hausgeflügel in Ställen untergebracht werden, erklärte er. "Unklare Krankheits- oder Todesfälle müssen schnellstmöglich untersucht und bei Verdachtsfällen dem jeweils zuständigen Veterinäramt gemeldet werden." Konsequente Hygiene sei das A und O, um eine Verbreitung der Geflügelpest zu verhindern.

Für Mecklenburg-Vorpommern ordnete Backhaus noch am Samstag die sofortige Unterbringung aller rund 13 Millionen Hühner, Puten und Enten sowie von anderem Nutzgeflügel in Ställen oder überdachten Volieren an. Rund 40 000 Halter sind von dem Erlass betroffen, dessen Einhaltung von Veterinärämtern und der Polizei kontrolliert werden soll. Die Tiere dürfen auch nicht mit Wasser etwa aus Seen, Kanälen oder Pfützen getränkt werden. Damit soll jeder Kontakt mit Wildvögeln und deren Ausscheidungen verhindert werden.

Bei dem Virus in der Krickente bei Rügen handele es sich um exakt den gleichen Erreger, der bei den bisherigen Ausbrüchen in Deutschland und den Niederlanden nachgewiesen wurde, sagte Backhaus. Zu dem H5N8-Virus, das in Großbritannien festgestellt wurde, gebe es nur sehr geringe Abweichungen.

Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt will die Länder auffordern, ein aktives Wildvogel-Monitoring zu veranlassen - also Wildvögel zu erlegen und zu untersuchen. Damit könnten die Kenntnisse zum Vorkommen von Vogelgrippeviren vertieft werden, sagte er. In einem Drei-Kilometer-Umkreis um den Fundort der Krickente auf der Insel Ummanz stehen die Geflügel-Haltungen seit Samstag unter besonderer Beobachtung. "Ein Sperrbezirk wurde aber nicht eingerichtet", betonte Backhaus.

In einem Putenmastbetrieb in Heinrichswalde im Landkreis Vorpommern-Greifswald - mehr als 50 Kilometer entfernt von dem Ort, an dem die Krickente geschossen wurde - war die Vogelgrippe Anfang November ausgebrochen. Weitere Ausbrüche der Geflügelpest gab es später in den Niederlanden und Großbritannien.

In den Niederlanden wurde das Virus in einem dritten Geflügelbetrieb nachgewiesen. Wie das Wirtschaftsministerium in Den Haag mitteilte, handelt es sich um einen Zuchtbetrieb in Kamperveen bei Zwolle. Dort wurde am Freitag mit der Keulung von 10 000 Tieren begonnen. Damit war der aus Asien stammende H5N8-Typ in drei Provinzen der Niederlande bestätigt.

Auch auf einer Entenfarm in Kamperveen wurden Tiere getötet, nachdem dort Vogelgrippe-Erreger entdeckt worden waren. Um welchen Typ es sich dort handelte, war am Sonntag noch unklar. Für mehr als 30 Betriebe in der Umgebung wurden Untersuchungen angeordnet.

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