Auch schlechte Werbung kann gute Werbung sein

Von Check24 bis Tipico: Das sind die nervigsten Werbespots

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Bei Check24 geht es bisweilen zu wie in der legendären US-Sitcom mit Al Bundy: Szene aus einer der Werbespots des Vergleichsportals.

Nicht jede Werbung kann so sitzen wie der Slogan der bayerischen Milchwirtschaft, die einst fragte: "Was ist weiß und haut voll rein?" Sieben nervige TV-Spots, die wir nicht mehr sehen wollen.

Check24

Check24 ist ein Vergleichsportal für Kredite, Reisen, Strom, Handy-Tarife und mehr. Die Werbung selbst ist allerdings unvergleichlich. Wer "peinliche Werbespots" googelt, findet einen der zahlreichen Check24-Spots ganz weit oben - und das schon seit Jahren. In den Filmchen streiten sich zwei Familien, wer mehr Geld durch Preisvergleiche gespart hat. Wie bei US-Sitcoms aus den 90er-Jahren kommen die Lacher vom Band. Die eigens im englischsprachigen Raum gecasteten Schauspieler hat die Agentur genauso schlecht synchronisieren lassen wie bei Formaten wie "Eine schrecklich nette Familie" mit Al Bundy. Durch die enorme Präsenz im TV ist das für die Zuschauer wie eine Folter im US-Gefangenenlager Guantanamo, aber für das 1999 in München gegründete Web-Unternehmen ist die Kampagne Gold wert. 93 Prozent aller Internet-Nutzer kennen die Marke. Merke: Auch schlechte Werbung kann gute Werbung sein, wenn sie Aufmerksamkeit schafft.

Parship

Das große Rätsel der Online-Partnervermittlung Parship ist: Wenn es stimmt, dass sich alle elf Minuten ein Single über Parship verliebt, wieso muss man dann gleich einen Vertrag über 6, 12 oder 24 Monate abschließen? Gott sei Dank sind die Spots der Hamburger Firma nicht elf Minuten, sondern in der Regel nur elf Sekunden lang. In denen sucht zum Beispiel eine Blondine Schuhe aus und sagt: "Was ich gerade mache? Den richtigen finden. Ich parshippe jetzt." Während des Super-Bowl-Finales warb Parship auf Pro Sieben öfter, als sich Menschen auf der ganzen Welt im gleichen Zeitraum geküsst haben. Trotzdem sagt kein normaler Single: "Ich parshipe." Sie tindern alle.

Verivox

Jahrelang warb das Vergleichsportal Verivox mit den Trash-Millionären Robert und Carmen Geiss. Es war also nur folgerichtig, dass danach Mario Barth, die Carmen Geiss der Comedy, das Werbegesicht wurde. Andererseits war es auch sehr mutig, denn der Berliner Komiker spaltet das Publikum nicht nur mit Pointen über Männer und Frauen, die schon 1966 nicht lustig waren, sondern auch mit rechten Facebook-Posts. Es war also kein Wunder, dass es nach den ersten Spots einen kleinen Shitstorm gab. Der "FAZ"-Journalist Nils Minkmar twitterte: "Wer mit Mario Barth wirbt, ist vor mir sicher - vong Vertrag her." Verivox gehört übrigens zum Konzern von ProSiebenSat1. Die Spots mit Barth laufen leider auch auf allen anderen Kanälen.

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wirkaufendeinauto.de

Rätselhafterweise ist bei Werbern immer noch diese Masche beliebt, um ein Produkt anzupreisen: Man zeige einfach angeblich zufriedene Kunden. Das ist weder originell noch überzeugend, da natürlich jeder weiß, dass die gecasteten Gesichter für ein Honorar alles sagen würden. Im jüngsten Spot der Plattform wirkaufendeinauto.de sagen mehrere Kunden nicht nur ständig wirkaufendeinauto.de, als ginge man davon aus, dass sich die Zuschauer wirklich gar nichts mehr merken können. Sie strecken auch noch den Daumen nach oben, als seien sie selbst nicht mehr ganz bei Sinnen. Die Zufriedene-Kunde-Methode ist auch deshalb blöd, weil sie immer auf das Unternehmen zurückfällt, wenn Kunden eben nicht zufrieden sind. So wie im vergangenen Jahr, als Verbraucherschützer vor den Praktiken des Berliner Gebrauchtwagenhändlers Auto1 warnten, zu dem wirkaufendeinauto.de gehört.

Tipico-Sportwetten

Das Schlimmste an Sportübertragungen sind die Werbeunterbrechungen - vor allem, weil dort immer wieder dieselben Spots für Sportwetten laufen. Die Fußballer des FC Bayern München und ihr ehemaliger Titan-Torwart Oliver Kahn haben zum Beispiel keine Skrupel, in martialischen Filmchen für Tipico aufzutreten. Zu kriegsgewitterartiger Musik wird ein unangenehmes Macho-Pathos transportiert. Über die dunklen Bilder der Kampagne "Nur wer mitspielt, ist mittendrin" legte die Agentur voriges Jahr auch noch die Stimme des deutschtürkischen Rappers Summer Cem, der Sätze sagte wie: "Es gibt Tage, an denen wir Geschichte schreiben. An denen es um den Sieg geht oder viel mehr. Mit uns in die Schlacht ziehen." In dieser Sportwelt möchte kein Vater seinen Sohn sehen. Dann soll er lieber Schach spielen oder Ballett tanzen.

Kinder Pingui

Die 80er-Jahre waren nicht nur wegen bunter Farben und schlechter Musik berüchtigt, sondern auch wegen der Fernsehspots von Ferrero. Wenn die gerade gestorbene Schriftstellerin Rosamunde Pilcher keine Schmonzetten geschrieben, sondern Werbefilme gedreht hätte, sähen sie aus wie die Kampagnen für Raffaello und Rocher. Ganz schrecklich ist auch der aktuelle Spot für die Ferrero-Zuckerbombe Kinder Pingui. Zu einer deutschen Version des Bangles-Pop-Hits "Walk Like An Egyptian" watschelt nicht nur der Nachwuchs wie Pinguine durchs Wohnzimmer, sondern auch Mama und Papa. Zudem wird in Nahaufnahme gezeigt, wie die Mutter in den "Genuss aus knackig-kühler Zartbitterschokoloade und einer lockeren Milchcreme" beißt. Spätestens da möchte man lieber in ein Knoppers beißen. Nicht nur um halb zehn in Deutschland.

Carglass und Seitenbacher

Noch nerviger als gesprochene Botschaften sind gesungene Slogans. Es gibt nur wenige Ausnahmen, die das Zeug zum Klassiker haben - zum Beispiel das von Stefan Raab komponierte Wortungetüm "Musterhausküchenfachgeschäft". Der omnipräsente Scheibenreparierer Carglass kommt da leider nicht ran mit: "Carglass repariert, Carglass tauscht aus." Die Zeile kennt man auch aus dem Radio, wo nur ein Produkt noch nervtötender angeboten wird: "Seitenbacher-Müsli". Die Spots spricht Unternehmenschef Willi Pfannenschwarz selbst ein. Nicht einmal vor Mundart schreckt er zurück. Aber offensichtlich zahlt sich das aus. Das Müsli aus dem badischen Buchen ist seit Jahren eines der beliebtesten. Hoffentlich kopiert Philipp Lahm die Seitenbacher-Methode nicht. Der ehemalige Fußball-Weltmeister hat sich beim Konkurrenten Schneekoppe eingekauft. Und seine Stimme klingt eher nach Pumuckl im Stimmbruch als nach einer Sportlegende.

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