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Wie Asteroid-Einschlag: Massiver Vulkanausbruch könnte globale Gesellschaft zerstören

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Von: Jan-Frederik Wendt

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Forschende warnen vor dem Risiko eines massiven Vulkanausbruchs. Die Folgen für das Klima und die globale Gesellschaft könnten verheerend sein.

Cambridge/Birmingham – Ein massiver Vulkanausbruch könnte die Welt in eine Krise mit ähnlichem finanziellen Ausmaß stürzen, wie die Corona-Pandemie. Vor diesem Szenario warnen Forschende des Centre for the Study of Existential Risk (CSER) an der Universität Cambridge und der Universität Birmingham.

Die Forschenden haben ihre Mahnung im Fachmagazin Nature veröffentlicht. Im Beitrag warnen sie davor, die Gefahr ernst zu nehmen und mehr Geld in die Beobachtung von Vulkanen und in die Vorbereitung für den Ernstfall zu investieren. Die Welt sei „bedauernswert unvorbereitet“ für einen massiven Vulkanausbruch und die wahrscheinlichen Folgen für globale Lieferketten, Klima und Nahrungsmittel. Die Wahrscheinlich für einen Ausbruch der Stärke 7 oder höher in 100 Jahren liege bei einem Sechstel. Statistisch gesehen treten solche Ausbrüche alle 625 Jahre auf. Das habe die Analyse von Schwefelkonzentrationen in Eisbohrkernen ergeben.

Vulkanausbruch auf Tonga als Weckruf

In der Geschichte hätten Eruptionen dieses Ausmaßes abrupte Klimaveränderungen und den Kollaps ganzer Zivilisationen ausgelöst, so die Risiko-Expertin Lara Mani vom CSER. Sie vergleicht die Folgen eines massiven Vulkanausbruchs für das Klima mit einem Einschlag eines Asteroiden von einem Kilometer Durchmesser auf der Erde.

Forschende warnen: Ein massiver Vulkanausbruch kann die Welt in eine tiefe Krise stürzen.
Forschende warnen: Ein massiver Vulkanausbruch kann die Welt in eine tiefe Krise stürzen. © Imago

Obwohl das kombinierte Risiko einer Asteroiden- oder Kometenkollision mit der Erde nur ein Hundertstel der eines massiven Vulkanausbruchs betrage, werde sehr viel mehr Geld in die Beobachtung von Asteroiden gesteckt als in die Erforschung von Vulkanen, bemängeln die Forscher. „Das muss sich dringend ändern. Wir unterschätzen das Risiko für unsere Gesellschaften durch Vulkane massiv“, sagte Mani.

Schlimmer als Corona? Vulkanausbruch könnte globale Gesellschaft zerstören

Als Weckruf sollte den Forschern zufolge der Ausbruch auf der Südseeinsel Tonga im Januar dienen. Die Folgen für die Inselgruppe waren dramatisch. Hätte er länger angedauert, wäre mehr Asche und Gas emittiert. Hätte der Ausbruch in einer Region mit mehr kritischer Infrastruktur stattgefunden, wie dem Mittelmeer, wären die Folgen wohl verheerend gewesen, so die Forschenden.

Der letzte Ausbruch der Stärke 7 ereignete sich im Jahr 1815 in Indonesien. Der Vulkanausbruch hatte dramatische Folgen wie Hungersnöte – auch für Europa. „Wir leben jetzt in einer Welt mit der achtfachen Bevölkerung und dem vierzigfachen Handel von damals. Unsere komplexen Netzwerke könnten uns noch empfindlicher machen für die Erschütterungen eines großen Ausbruchs“, sagte Co-Autor Mike Cassidy und Vulkanologe von der Universität Birmingham.

Zudem mahnen sie mehr Forschung in Geo-Engineering-Methoden an, um beispielsweise von Vulkanen ausgestoßenen Aerosolen etwas entgegenzusetzen oder Magmakammern unter aktiven Vulkanen zu beeinflussen. Das Risiko für einen massiven Ausbruch, der die globale Gesellschaft zerstöre, sei erheblich, sagte Mani und fügte hinzu, der aktuelle Mangel an Investitionen sei „einfach verantwortungslos“. (Jan Wendt mit dpa)

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