Anders als an Weihnachten spielt Musik an Ostern keine herausragende Rolle

Warum wir kaum Osterlieder kennen

Die bekannteste Ostermelodie (Ausschnitt): Der Choral „Christ ist erstanden“ stammt aus dem späten Mittelalter.

Weihnachtslieder wie „Stille Nacht“, „O du fröhliche“, „Ihr Kinderlein, kommet“ und „Vom Himmel hoch“ kennt so gut wie jeder. Doch warum singt eigentlich niemand Osterlieder?

Weihnachtslieder wie „Stille Nacht“, „O du fröhliche“, „Ihr Kinderlein, kommet“ und „Vom Himmel hoch“ kennt so gut wie jeder – ob Kirchgänger oder nicht.

Auch zum Karfreitag gibt es viele sehr bekannte Musikwerke, allen von die Passionen von Johann Sebastian Bach. Aber was ist mit Ostern?

Wer außer den regelmäßigen Gottesdienstbesuchern kennt ein Osterlied, einen Osterchoral oder Ostermusiken?

Von den 20 Chorälen zum Osterfest, die das Evangelische Gesangbuch enthält, hat nur der spätmittelalterliche Gesang „Christ ist erstanden“ eine gewisse Bekanntheit.

Dabei ist das Osterfest im Unterschied zu Pfingsten ein durchaus populäres Fest, auch wenn die meisten Osterbräuche sich heute weniger auf die christliche Botschaft von der Auferstehung Jesu als auf den beginnenden Frühling und den Fruchtbarkeitskult beziehen. Der Osterhase und die Ostereier sind dessen verbreitete Symbole.

Vielleicht ist das Thema Auferstehung zu abstrakt und außerhalb der üblichen Vorstellungskraft, als dass man sich emotional damit identifizieren könnte. Einen solchen empathischen Zugang bieten dagegen sowohl die Geschichte von der Geburt des Jesuskindes in ärmlichen Umständen als auch die Berichte der Evangelisten vom Leiden Jesu und seinem Kreuzestod. Beide Ereignisse lösen als menschliche Extremsituationen Mitgefühl aus, und sie werden in Form von Krippenspielen oder Passionsspielen auch theatral nachvollzogen.

Ostern bietet diese Form der Identifaktion nicht – auch die Evangeliumstexte thematisieren die Irritation, die Verwirrung und das anfängliche Unverständnis der handelnden Personen. In der bildenden Kunst ist das Thema Auferstehung dagegen von größerer Bedeutung. Ein berühmtes Beispiel dafür ist die Darstellung der Auferstehung Christi von Matthias Grünewald auf dem Isenheimer Alter – zu sehen auf der Titelseite dieser Sonntagszeit.

Vor allem liturgische Gesänge zu Ostern haben eine bedeutende Tradition. In den orthodoxen Kirchen ist es üblich, die Osternacht mit liturgischen Gesängen zu begehen.

Auch der Choral „Christ ist erstanden“, der als Nr. 99 des Evangelischen Gesangbuchs die Lieder zum Osterfest einleitet, ist ursprünglich ein liturgischer Gesang, vermutlich sogar der älteste in deutscher Sprache. Im 12. Jahrhundert wurde er erstmals in einer Liturgieordnung des Erzbistums Salzburg erwähnt.

Die Melodie ist eine Abwandlung der Ostersequenz „Victimae paschali laudes“. In der aus dem Burgund stammenden Dichtung wird die Auferstehung Jesu und der Sieg des Lebens über den Tod besungen. Die Melodie gilt als Urform des Ostermotivs und wurde von zahlreichen Komponisten von der Renaissance über die Barockzeit (Johann Sebastian Bach) und die Romantik (Franz Liszt) bis in die Gegenwart verwendet und immer wieder neu vokal und instrumental bearbeitet.

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