So kommen sogar ins Wohnzimmer

Waschbären erobern Deutschland

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Waschbären erobern Deutschland

Berlin - Auf der Suche nach Nahrung verschlägt es Waschbären zunehmend in Städte. Ihre Spuren hinterlassen die nachtaktiven Allesfresser dabei in Speisekammern, Obstgärten oder sogar Wohnzimmern

Jahr für Jahr breitet sich der Waschbär immer weiter in Deutschland aus - besonders rasant im Osten Deutschlands und in Hessen. Das Bundesamt für Naturschutz schätzt, dass inzwischen 500.000 Waschbären in Deutschland leben. Eine Ausrottung des aus Nordamerika stammenden Tieres, das in den 1930er Jahren erstmals in Hessen angesiedelt wurde und sich seitdem bundesweit verbreitet, halten Experten für illusorisch. „Der Waschbär hat sich in Deutschland etabliert, das muss man hinnehmen“, sagte das Präsidiumsmitglied des Deutschen Jagdschutzverbands, Daniel Hoffmann, auf Anfrage. Jägern wie Naturschützern ist klar: Der Waschbär wird Deutschland wohl nicht mehr verlassen.

Die schrägsten Tiere der Welt

Opossum
Das schielende Opossum (Didelphis) Heidi im Zoo Leipzig. Das Tier hat einen Sehfehler. © dapd
Zu viel Winterspeck? Ein Katta im Hamburger Tierpark macht den Test. © ap
Dieser chinesischen Schopfhund ist 2007 zum hässlichsten Hund der Welt gewählt worden. Er wird nur bis zu 33 Zentimeter groß und ist in dieser Variante haarlos. © AP
Huch? Ist ein Storch nicht eigentlich weiß? In Briesen (Brandenburg) wurde dieser blaue Storch gesichtet. © dpa
Mit seiner großen gurkenförmigen Nase gehört der Nasenaffe nicht zu den gängigen Naturschönheiten. Er lebt nur auf der indonesischen Insel Borneo, immer nah am Wasser und in Mangrovenwäldern. © dpa
Diese Königskrabbe kann bis zu 15 Kilogramm schwer werden und erreicht eine Spannweite von bis zu zwei Metern. Sie ist auch als "Kamtschatka Riesenkrabbe" bekannt. Sie stammt aus dem nördlichen Pazifik vor Japan und Alaska. © AP
Diese japanische Riesenkrabbe spielt mit einem Mini-WM-Ball. Sie ist die größte lebende Krebsart. Ihre Spannweite beträgt knapp vier Meter. © dpa
Zwei Sphinx-Katzen. Sie sind eine kanadische Katzenart. Auf den ersten Blick ist die Sphinx-Katze haarlos, doch bei näherer Betrachtung ist ein zarter Flaum zu erkennen. Sie ist sehr intelligent und ihre Haut bräunt im Sommer ebenso wie die des Menschen. © AP
Die Sphinx-Katzen Hale-Bopp (links) und Beanie Baby ruhen sich bei einer Tiershow aus. © AP
Es gibt den reinrassige chinesische Schopfhund auch in der Variante „Powder Puff“ mit ganz feinem Fell. Auch dieses Exemplar wurde ebenfalls beim World's Ugliest Dog Contest in Petaluma, Kalifornien, 2007 gesehen. © AP
Dieser chinesische Schopfhund besitzt nur ein Auge und drei Pfoten. Der arme Kerl gewann 2008 den Titel des hässlichsten Hundes der Welt. Chinesische Schopfhunde gelten als verspielt, aufgeweckt und gefühlvoll. © AP
Miss Ellie ist 15 Jahre alt und blind. Beste Voraussetzungen für die reinrassige chinesische Schopfhündin, den begehrten Titel des hässlichsten Hundes der Welt abzuräumen. © AP
Der mexikanische Schwanzlurch hat eine besondere Fähigkeit: Er kann verlorene Gliedmaßen nachwachsen lassen. In ihrer Heimat gehören Axolotl zu den vom Aussterben bedrohten Tierarten. © dpa
Bei uns werden Axolotl für die Wissenschaft genutzt. An ihnen wird das Wachsen von Zellen aus dem Embionalstadium beobachtet. Die Tiere wachsen ein Leben lang, im Alter allerdings immer langsamer. © dpa
„Astaroth“ ist ein Aye-Aye-Männchen. Das Fingertier verfügt über bis zu acht Zentimeter lange Finger mit denen es sich sein Essen angelt. Fingertiere leben nur noch auf Madagaskar. © dpa
„Sam“ war drei Jahre in Folge der hässlichste Hund der Welt. Der chinesische Schopfhund wurde inzwischen eingeschläfert, seine Website gibt es aber immer noch. © dpa
Der Nacktmull lebt in Halbwüsten in Äthiopien, Kenia und Somalia und ist ein Sandgräber. Er lebt in von Weibchen geleiteten großen Kolonien. © dpa
Der Nacktmull (hier im Dresdener Zoo) gilt als das sozialste Tier der Welt, hat aber ein echtes Imageproblem wegen seines Aussehens. © dpa
Der Seeteufel (vorne) oder auch Lotte genannt lebt im nordöstlichen Atlantik und ist wegen seines weißen und festen Fleisches beliebt. Im Hintergrund ein Felsenbarsch. © dpa
Der Sternmull ist eine Maulwurfart und hat rund um seine Schnauze 22 fingerförmige Hautanhänge. Er lebt an Land, jagt aber auch im Wasser. Um seine Beute aufzuspüren, bläht er Luftblasen auf, saugt sie sofort wieder ein und nimmt so die Duftstoffe der Beute war. Dann weiß er, wohin er schwimmen muss. © Ken Catania/Nature/dpa
Dieser Kater heißt Frank bzw. Louie. Je nachdem von welcher Seite man ihm ins Gesicht schaut. Er lebt in Worcester im Bundestaat Massachusetts. © 

Auf der Suche nach Nahrung kommt das Tier dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zufolge zunehmend in dicht besiedelte Gebiete. „Wir müssen in Zukunft mit mehr Waschbären in der Stadt rechnen“, sagte der Leiter der BUND-Naturschutzabteilung, Magnus Wessel.

Als Allesfresser sei das Tier anpassungsfähig und suche sogar die Nähe zu Menschen, weil es wisse, dass es dort nicht gejagt werde und es reichlich Futter gebe. In Berlin leben dem Wildtierbeauftragten des Senats, Derk Ehlert, zufolge schon mehr als 400 Waschbärfamilien. „Der Waschbär hat sich ausnahmslos in der gesamten Stadt ausgebreitet.“

Waschbär frisst auf dem Wohnzimmertisch Chips

Große Berührungsängste scheint das Tier bei seinen Stippvisiten nicht zu haben. In Rheinland-Pfalz kam es dem dortigen Landesjagdverband zufolge bereits vor, dass es Waschbären sogar in Wohnzimmer verschlug. In Trippstadt bei Kaiserslautern sei ein Tier von Hand gefüttert worden und habe so seine natürliche Scheu vor Menschen verloren, sagte Verbandssprecher Günther Klein. „Irgendwann reichte es nicht mehr, vor der Haustür gefüttert zu werden. Dann kam der Waschbär durch die Katzenklappe und fraß die Chips vom Wohnzimmertisch.“

Vor allem im Osten Deutschlands und in Hessen scheint die Ausbreitung des Waschbären besonders schnell zu gehen. Wie viele Waschbären dort leben, ist zwar unklar. Einen Anhaltspunkt geben aber die Jagdstatistiken. In Brandenburg etwa lag die Zahl der erlegten Tiere im Jagdjahr 2011/2012 der Statistik zufolge bei knapp 15.000. Zehn Jahre davor seien es noch 3.100 Exemplare gewesen. In dem Bundesland waren nach Angaben des Landeskompetenzentrums Forst bereits im Jahre 1945 Waschbären aus einer Pelztierfarm in umliegende Wälder gelangt.

Pralinen in den Fallen

Kaum ein Hühnerstall sei in Brandenburg mehr vor den pelzigen Räubern sicher, sagte der Geschäftsführer des brandenburgischen Landesjagdverbands, Bernd Möller. Auch Obstplantagen und Maisfelder würden in Mitleidenschaft gezogen. „Der Waschbär ist ein kleines Süßmaul.“ Besonders gern habe er Pflaumen, Äpfel und Kirschen. Es gebe auch Jäger, die in ihre Fallen Pralinen legten, um den Waschbären zu fangen, berichtet Möller.

In Hessen lag die Zahl im Jagdjahr 2011 den statistischen Angaben zufolge in ähnlicher Höhe. Der dortige Landesjagdverband geht anhand der Zahlen von 60.000 Waschbären aus, die in dem Bundesland leben, Kassel sei sogar bekannt als Landeshauptstadt der Waschbären.

Bundesweit 67.707 erlegte Waschbären im Jagdjahr 2010/2011

Der Waschbär sorgte auch in diesem Bundesland bereits für unliebsame Überraschungen. Im Spessart habe ein Ehepaar bei der Rückkehr aus dem Urlaub einen Waschbären auf dem Sofa vorgefunden, sagte der Landesjagdverbandssprecher in Hessen, Klaus Röther. „Er hatte alle Polstermöbel kaputt gemacht und das Haus verwüstet.“ Das Tier sei vermutlich über den Kamin eingedrungen.

In anderen Bundesländern wie Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Bayern oder Rheinland-Pfalz ist der Waschbär anhand der geringeren Zahlen in den Jagdstatistiken offenbar noch kein wirklich akutes Problem. Aber Jäger wie Naturschützer beobachten den Bestand ganz genau und sehen, dass er wächst und wächst.

Bundesweit wurden dem Deutschen Jagdschutzverband zufolge zwischen 1. April 2010 und 31. März des Folgejahres 67.707 Waschbären erlegt. Zehn Jahre vorher seien es im selben Vergleichszeitraum noch 9.064 gewesen.

dapd

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