Verkehrssünder mit Foto auf viertueller Karte

App "Wegeheld" stellt Falschparker im Netz an den Pranger

Kassel. Falschparkern geht es künftig im Internet an den Kragen. Sie sollen mit der Handy-Applikation (App) „Wegeheld“ von Jedermann zu jeder Zeit an den virtuellen Pranger gestellt werden. So stellen es sich die Entwickler des Programms für Android-Geräte vor. Doch das Petz-Portal ist umstritten.

Das Logo der App

Die App funktioniert so: Wer im Alltag einen Falschparker oder rücksichtslosen Autofahrer entdeckt, macht mithilfe der GPS-Funktion seines Smartphones einen Eintrag auf einer Karte im Internet. Dabei werden die Art des Vergehens, die Straße und nach Wunsch sogar das Kennzeichen festgehalten. Wer will, lädt auch gleich ein Foto des Fahrzeugs mit geschwärztem Kennzeichen ins Internet, damit jeder den Verkehrssünder identifizieren kann. Der Nutzer bleibt dabei anonym.

Auf der Karte ist nun für jeden weiteren Nutzer ersichtlich, wo in seiner Umgehung Falschparker stehen.

Das sagen die Städte

Beim Ordnungsamt der Stadt Göttingen sind noch keine E-Mails mit Informationen zu Falschparkern eingegangen, die auf die Verkehrssünder-App zurückzuführen seien. Eine Kooperation mit dem Programm sei nicht vorgesehen, erklärte Stadtsprecher Detlef Johannson. Auch beim Straßenverkehrsamt in Kassel war die Applikation bislang unbekannt. Nachdem sich immer mehr solcher Kanäle öffneten, müsse abgewogen werden, wie damit umgegangen werde, sagte Stadtsprecherin Petra Bohnenkamp.

Damit nicht genug: In der App sind die E-Mail-Adressen von den Ordnungsämtern der rund 100 größten Städte Deutschlands hinterlegt. Ein Tastendruck genügt, um das Ordnungsamt über einen Verkehrssünder zu informieren – in der Hoffnung, dass dieser dann zur Kasse gebeten wird. Obwohl die App dafür den Begriff „Anzeige“ verwendet, handelt es sich nicht um eine solche. Dennoch fürchten die Ordnungsämter vieler Städte eine Schwemme solcher Hinweise, die kaum zu bewältigen wäre.

Über 10.000 Mal wurde die kostenlose App bereits im Google-Play-Store heruntergeladen. Doch von vielen Seiten gibt es Kritik: Im Internet häufen sich die Stimmen, die von „Stasi 2.0“ oder einer „Rückkehr des Blockwarttums“ sprechen und um ihre Privatsphäre im Straßenverkehr fürchten.

Davon wollen die Entwickler nichts hören, ihnen gehe es um Verkehrserziehung. So sagt Heinrich Strößenreuther, Urheber der Applikation und ehemaliger Greenpeace-Aktivist, zur „Welt“: „Jeder Fußgänger, jede Mutter mit Kinderwagen, jeder Rollifahrer kann für freie Wege und ein rücksichtsvolleres Miteinander sorgen.“ Auch in Sachen Datenschutz sei die App, die ursprünglich „Straßensheriff“ heißen sollte, unbedenklich.

Hier geht es zur Wegeheld-Website

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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