Bei der Warrior-Diät fastet man wie Steinzeitkrieger

Nach 100 Sushi-Tellern: Triathlet mit Riesenhunger erhält Hausverbot

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Von so ein bisschen Sushi wird Triathlet Jaroslav Bobrowski nicht satt: Der Ausdauersportler praktiziert die Warrior-Diät, bei der man 20 Stunden am Tag nichts isst. Das hat nun Folgen.

Das war zu viel "All You Can Eat": Ein Triathlet hat in einem Restaurant Hausverbot erhalten, weil er 100 Sushi-Teller verputzte. Der Sportler schwört auf die Warrior-Diät. Wie sinnvoll ist die?

Jaroslav Bobrowski müsste eigentlich ziemlich schlechte Laune haben. Der Hobby-Triathlet aus Landshut macht eine spezielle Diät, die es ihm in der Regel erst erlaubt, ab 20 Uhr etwas zu Essen. Den Rest des Tages fastet er. Warrior-Diät nennt sich das. Bobrowski macht es wie die Krieger vor tausenden von Jahren, die meist erst abends Nahrung zu sich nehmen konnten, wenn sie ein Tier gefangen hatten. Und trotzdem ist der 30-Jährige fast immer gut gelaunt - selbst jetzt, wo er wegen seiner Diät Schlagzeilen macht.

Der Software-Entwickler hat Hausverbot in einem Restaurant erhalten, weil er zu hungrig war. Am Samstagabend voriger Woche war er mit seiner Freundin in einem asiatischen Lokal im Landshuter Stadtteil Ergolding. Es gab Running Sushi auf einem Laufband - und zwar "All You Can Eat" für 15,90 Euro. Man kann sich vorstellen, dass Bobrowski sehr viel essen kann nach einem langen Kriegertag ohne Nahrung. Jedenfalls hat er "Pi mal Daumen 100 Teller" verdrückt, wie er sagt: "Die waren aber sehr klein." Mit Dessert hat er bis zu 6000 Kalorien verputzt, schätzt er. Für ihn hatte sich der Abend gelohnt.

Als er an der Kasse Trinkgeld geben wollte, nahm der Kellner das jedoch nicht an. Stattdessen erfuhr Bobrowski, dass er nun Hausverbot hat. Bei Google, wo das Restaurant von den Rezensenten im Schnitt 4,6 von fünf Sternen bekommen hat und der Ausdauersportler sein Erlebnis schilderte, wurde das Hausverbot wenig später noch einmal begründet: "Es tut uns leid, aber Sie essen immer für vier bis fünf Personen", heißt es dort. Für die anderen Gäste bleibe nichts mehr übrig.

Dieses Video stammt nicht von hna.de, sondern von dpa und der Plattform Glomex.

Auch eine Woche später ist Bobrowski nicht unbedingt sauer über die Betreiber, auch wenn er "Sportlern mit Appetit nun lieber einen anderen Ort" empfiehlt, wie er in seiner Google-Bewertung schreibt. Er hatte das Lokal erst im Juli entdeckt und war seitdem öfter dort. Das Restaurant ist beliebt in Oberbayern. Ein anderer Gast preist im Internet "das beste Running Sushi im Umkreis" und bekennt: "Ich würde am liebsten hier einziehen."

Das kann Bobrowski nicht mehr. Er sucht sich nun andere Restaurants. Oder er kocht abends selbst. Wobei das etwas aufwendiger ist, wenn man Hunger für fünf ausgewachsene Männer hat. "Ich esse gern und viel", sagt der ehemalige Bodybuilder, der vor zwei Jahren mit dem Triathlon begonnen hat und schon eine beachtliche Ironman-Bestzeit von 10:40 Stunden aufweist. Selbst viele Trainingseinheiten für den Ausdauerdreikampf aus 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42 km Laufen absolviert er auf nüchternen Magen.

Ihm tue das gut, versichert Bobrowski, der sich bewusst ist, dass ihn jeder Ernährungswissenschaftler für verrückt erklären würde. Die Warrior-Diät ist ein Rückfall in die Steinzeit. Autoren wie der Israeli Ori Hofmekler empfehlen sie, weil man angeblich viel essen und trotzdem abnehmen kann. Es komme nur darauf an, wann man Nahrung zu sich nehme. Zur beliebten und verwandten Paleo-Diät, bei der man wie unsere Vorfahren auf Kohlenhydrate verzichtet, verhält sie sich wie ein dreifacher Ironman-Triathlon zu einem fünf Kilometer langen Dauerlauf. Empfehlen kann man das nicht. Ein Sprecher des Berliner Instituts für Welternährung warnte schon vor Jahren: "Wildtiere sind es vielleicht gewohnt, nur alle paar Tage mal einen großen Brocken zu essen, aber der moderne Mensch ist dafür nicht gemacht."

Bobrowski schwört trotzdem weiter darauf. Mittlerweile praktiziert auch seine Freundin die ungewöhnliche Diät. Wenn man ihn fragt, ob er irgendetwas ändern werde nach seinem Hausverbot im Sushi-Restaurant, antwortet er: "Nein, das hat mich bestätigt, dass ich nicht normal bin. So möchte ich bleiben."

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