Meteorologe Tobias Reinartz

Wenn die Wetter-App lügt: Experten-Interview über schwierige Vorhersagen

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Ein sehr lokales Phänomen: Wenn Gewitter einen Ort heimsuchen, kann es sein, dass in unmittelbarer Nähe kein Tropfen fällt. Darum erscheinen Wettervorhersagen oft ungenau. Das Bild zeigt ein Gewitter in der Nähe von Hannover im Juli dieses Jahres.

Offenbach. Das Wetter erscheint in diesem Sommer besonders unberechenbar. Viele Menschen klagen über falsche Vorhersagen, etwa bei Wetter-Apps fürs Smartphone. Wir sprachen mit dem Meteorologen Tobias Reinartz vom Deutschen Wetterdienst über dieses Phänomen.

Viele Smartphone-Nutzer kennen das: Die Wetter-App (Anwendung für die Wettervorhersage) kündigt Sonnenschein an. Nur etwas später wird man vom Gewitter überrascht. In diesem Sommer scheinen die Vorhersagen besonders oft falsch zu sein. Wir sprachen mit dem Meteorologen Tobias Reinartz von Deutschen Wetterdienst (DWD) über die Apps und die Schwierigkeit einer präzisen Vorhersage.

Viele Wetterapps scheinen in diesem Sommer besonders oft falsch zu liegen. Ist es tatsächlich so? 

Tobias Reinartz: Wir hatten in diesem Sommer viele Schauer und Gewitter. Diese Phänomene sind sehr lokale Ereignisse. Das heißt: In einem Stadtteil kann die Welt untergehen, in einem anderen fällt nicht mal ein Tropfen. Viele denken dann, dass die Vorhersage falsch war, obwohl sie eigentlich gut war.

Es ist also kein App-Problem, sondern eine allgemeine Erscheinung? 

Reinartz: Genau. Die App-Nutzer bekommen das aber nicht mit und denken, dass die App schlecht ist.

Wie erstellen die Apps die Vorhersagen? 

Reinartz: Das kann ich nicht allgemeingültig beantworten. Es gibt unterschiedliche Quellen für die Wetterdaten und unterschiedliche Weisen, diese zu verarbeiten. Einige Anbieter bekommen Daten vom DWD. Die Genauigkeit der Vorhersage hängt aber auch davon ab, was die App-Anbieter mit den Daten machen.

Warum bemerkt man die Ungenauigkeiten in jüngster Zeit besonders häufig? 

Reinartz: Die genannten Schwierigkeiten bei der Vorhersage gibt es immer. In den vergangenen Wochen gab es aber zahlreiche Unwetter. Durch die Stärke der Ereignisse und die Medienberichte verfolgt die Bevölkerung das Geschehen viel aufmerksamer.

Ganz einfach erklärt: Was sind die wichtigsten Faktoren bei der Vorhersage? 

Reinartz: Wir betrachten unter anderem die Temperaturen und die Feuchtigkeit in verschiedenen Luftschichten, außerdem die Druckverhältnisse am Boden und in mehreren Kilometern Höhe. Die Höhe hat nämlich einen großen Einfluss auf das Wetter am Boden.

Kann es den Menschen am Boden in die Irre führen? 

Reinartz: Es kommt durchaus vor, dass man nicht darauf kommen würde, dass es in den nächsten Stunden ein Gewitter geben könnte, wenn man die Bodenkarte anschaut. Tatsächlich wird das Wetter durch die Höhe gesteuert. Dort sind auch sozusagen Tiefausläufer vorhanden, die dafür sorgen, dass Luft nach oben steigt und Regen auslöst.

Ist der Sommer jetzt vorbei? 

Reinartz: Bis zum Wochenende sieht es alles andere als sommerlich aus. Das höchste der Gefühle sind vereinzelt 25 bis 26 Grad. In weiten Teilen Deutschlands bleibt die Temperatur deutlich darunter. Rein meteorologisch haben wir noch zwei Wochen lang Sommer. Hoffen wir, dass sich ein stabiles Hoch entwickelt.

Zur Person

Tobias Reinartz ist Diplom-Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst. Der 27-Jährige studierte am Karlsruher Institut für Technologie. Er ist ledig und wohnt in Offenbach. Beim DWD betreut er unter anderem die Vorhersage des Wetters.

Von Eugen Maier

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