Erinnerungen an den ZDF-Klassiker

„Wetten, dass ..?“: Eine Show, die uns geprägt hat

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Drei ehemalige Moderatoren: Frank Elsner, Thomas Gottschalk und Wolfgang Lippert (von links)

Mit dem Ende von „Wetten, dass ..?“ endet auch eine Ära der deutschen Fernseh-Geschichte. Im Dezember moderiert Markus Lanz die letzte Sendung der Samstagabendshow im ZDF. HNA-Redakteure erinnern sich an 33 Jahre TV-Geschichte.

Matthias Lohr (39), Kulturredaktion: Ich bin mit „Wetten, dass ..?“ groß geworden. Das Erwachsenwerden am Samstagabend begann mit der „Sportschau“, dann kam Frank Elstner. Unsere Kinder werden mit ganz anderen Medien aufwachsen. Sie werden sich hoffentlich nie anschauen müssen, wie ein Moderator seine Gäste auffordert, Eis in die Hose zu schütten. Aber manchmal schauen wir mit ihnen die aktuellen Wetten, die es in der ZDF-Mediathek als Clips gibt. Unsere Tochter ist davon begeistert, und ihre Augen leuchten wie meine damals, als ich das erste Mal aufbleiben durfte. „Wetten, dass ..?“ könnte noch Generationen begeistern – wenn man die Show nur am Leben ließe.

Frank Thonicke (58), Leiter Redaktion Kassel: Im Jahr 2001 war es, als „Wetten dass..?“ in der Göttinger Lokhalle gastierte. Journalisten waren eingeladen, um einen Blick hinter die Kulissen der Show zu werfen. Was mir besonders in Erinnerung blieb, war die Professionalität von Thomas Gottschalk. Noch bis 20.14 Uhr, es blieb also noch eine Minute bis zum Start der Live-Show, plauderte er locker hinter der Bühne über Gott und die Welt. Nervosität, Lampenfieber – keine Spur. Er ging einfach hinaus, strahlte in die Lokhalle, verbeugte sich – und los ging‘s. Ein echter Profi eben.

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Mark-Christian von Busse (45), Kulturredaktion: Als Kinder haben wir „Wetten, dass ..?“ geliebt, na klar. Natürlich verklärt die Erinnerung. Auf Youtube kann man sehen, wie zäh es bei Frank Elstner zuging. Zuletzt war es meist peinlich. Schon bei Thomas Gottschalk. Sein dauerndes Betatschen weiblicher Gäste, all der Smalltalk, der ins Leere lief. Man musste sich fremdschämen, schon wegen der Hollywoodstars, die ihren jüngsten Film anpriesen, lustlos auf dem Sofa saßen, sich zu wundern schienen, wo sie da gelandet sind. Die Ära der großen Samstagabendshow für alle Generationen ist vorüber – endgültig.

Bettina Fraschke (45), Kulturredaktion: In meiner Familie war stets klar, dass „Wetten, dass ..?“ ein besonderes Ereignis ist. Wenn ich mich an diese unhinterfragte Gewissheit erinnere (zu der ich sicher nicht zurückwill), wird mir deutlich, wie sehr heute eine Kultur der Lästerei vorherrscht. Eine Allgemeinbildungsfunktion hatte die Show auch: Popstars wie Michael Jackson haben sicher nicht nur meine Eltern durch „Wetten, dass ..?“ kennengelernt. Frank Elstner habe ich zudem meine Berufswahl zu verdanken. Als er sich mit dem Erläutern des Wettprozederes verhaspelte, wurde mir als Teenager bewusst, wie wichtig gutes Erklärenkönnen ist. Und überlegte, Journalistin zu werden.

Verena Koch (26), Volontärin: Als Kind habe ich wohl keine Folge von „Wetten, dass ..?“ verpasst. Die Wetten haben mich dabei allerdings nur wenig interessiert. Vielmehr war ich fasziniert von den Berühmtheiten, die Thomas Gottschalk begrüßte. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Auftritt von Michael Jackson 1995. Jetzt, wo beinah jeder Promi sein Leben über Twitter mit der Welt teilt, hat „Wetten, dass ..?“ seinen Reiz für mich verloren.

Florian Hagemann (39), Sportredaktion: Wenn „Wetten, dass ..?“ nun ausläuft, stirbt ein starkes Stück Kindheit – vielleicht macht es das so traurig. Ein Samstag mit „Wetten, dass ..?“ begann morgens im größten Supermarkt der Kleinstadt, in dem wir Kinder Knabberzeug und Obst für den Fernsehabend aussuchen durften. Für den weiteren Verlauf des Tages war die Sendung ein bisschen wie Weihnachten: Sie erzeugte eine enorme Vorfreude. Als die Bescherung schließlich vorbei war, versuchten wir, die Wetten nachzuspielen. Einmal ging es darum, Weintrauben aus einer großen Entfernung mit dem Mund zu fangen. Das wurde ein großer Spaß. Zum Glück hatten wir uns im Supermarkt für Weintrauben entschieden.

Werner Fritsch (58), Kulturredaktion: Wetten, dass ..? kommt in meiner Erinnerung kurz nach dem Schwarz-Weiß-Fernsehen. An einzelne Wetten kann ich mich kaum entsinnen. Schon vor Jahren hatte ich genug von Wetten der Art, dass man ein Musikstück am Applaus erkennen soll. Dann die Gäste, bei denen eigentlich stets der Hinweis „Dauerwerbesendung“ einzublenden gewesen wäre. Einzige Themen: neue Platte, neuer Film, neue Show, neues Buch. Endlich vorbei.

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