Wetter-Vorhersage

Wetter in Deutschland: Jahrhundertwinter dank La Niña? Experte tobt

La Niña bringt keinen Jahrhundertwinter nach Deutschland. Dennoch redet sich ein Meteorologe bei dieser Prognose für das Wetter in Rage.

  • Wetter in Deutschland: La Niña beeinflusst das Klima.
  • Einige Experten sagen deshalb einen Jahrhundertwinter voraus.
  • Vorhersage: So stehen die Chancen auf einen kalten Winter wirklich.

Update vom Mittwoch, 23.12.2020: Gibt es wegen La Niña einen Jahrhundertwinter in Deutschland? Lässt sich das Wetter wirklich durch ein Klimaphänomen beeinflussen? Etliche Experten hatten das noch vor einigen Wochen und Monaten jedenfalls prognostiziert, mittlerweile hat der Winter in Deutschland Einzug gehalten und skizziert ein völlig anderes Bild. Die Langzeitvorhersagen des amerikanischen und europäischen Wetterdienstes werden bestätigt, ein Meteorologe findet dennoch drastische Worte für die Vorhersage des Jahrhundertwinters.

Wetter in Deutschland: Rekordwinter statt Jahrhundertwinter kommt

Während einige Experten vermuteten, dass La Niña einen extrem kalten und schneereichen Winter bringen würde, zeigen die seriösen Langzeitprognosen des amerikanischen und europäischen Wetterdienstes schnell, dass genau das Gegenteil eintreten würde. Der Winter könnte zum neuen Rekordwinter werden. Erste Anzeichen dafür gibt das Wetter im Dezember in Deutschland. Bisher ist der Dezember 2,5 Grad wärmer als das langjährige Klimamittel der Jahre 1961 bis 1990. Da es Ende des Monats abkühlt, rechnet Diplom-Meteorologe Dominik Jung damit, dass der Dezember etwa 1 bis 1,5 Grad Celsius zu mild ausfallen wird.

Wetter in Deutschland: Jahrhundertwinter durch La Niña? Experte findet deutliche Worte

„Von dem ominösen schneereichen und kalten Dezember aufgrund von La Niña wie er in einigen Wetterportalen und Internetmedien angekündigt worden ist, fehlt jede Spur. Wie wir damals schon sagten, war das mal wieder völliger Unsinn. Vor einem Jahr wurde eine schwache Sonnenfleckenaktivität aus dem Hut gezaubert, in diesem Jahr war es La Niña. Beides hätte uns viel Kälte bringen sollen, beides ging in die Hose. Das war zu erwarten. Allein aufgrund eines Phänomens den Winter vorhersagen zu wollen, wird niemals klappen. Dafür ist die Atmosphäre einfach zu chaotisch“, findet Jung deutliche Worte.

Die Sonne scheint am frühen morgen durch einen mit Raureif bedeckten Baum an einem verschneiten Berghang in Tirol.

Update vom Montag, 7.12.2020: Experten haben es vorhergesagt, jetzt ist es da: In diesem Jahr tritt das Klimaphänomen La Niña auf. Einige Meteorologen prognostizierten, dass es das Wetter im Winter in Deutschland beeinflusst und sprachen sogar von einem Jahrhundertwinter. Doch wie wahrscheinlich ist er? Ein Experte nimmt die Vorhersage genau unter die Lupe und redet sich dabei in Rage.

Wetter in Deutschland: Bringt La Niña den Jahrhundertwinter? Experte tobt

La Niña (spanisch für „Mädchen“) selbst spielt sich im Pazifik ab. Während sich das Oberflächenwasser des Westpazifiks erwärmt, kühlt das Meer vor Südamerika ab. Dieses Szenario sagt der amerikanische Wetterdienst NOAA für Dezember voraus. Als La Niña das letzte Mal 2010 auftrat, gab es in Deutschland flächendeckend weiße Weihnachten. Deshalb gehen einige Experten davon aus, dass es 2020 einen Jahrhundertwinter geben wird. Doch das Klimaphänomen kann das Wetter in Deutschland zwar beeinflussen, muss aber nicht unbedingt Auswirkungen auf den Winter haben, wie ein Experte jetzt erklärt.

Gibt es einen Jahrhundertwinter in Deutschland? Ein Experte ordnet die Vorhersage ein.

„Es ist wirklich ein Jammer mit dem unseriösen und unwissenschaftlichen Gerede. Natürlich kann La Niña Einfluss auf den Winter haben, aber es ist nur einer von ganz vielen Faktoren, die eine Rolle spielen. Der größte Unsinn in diesem Jahr: Weihnachten soll in diesem Jahr weiß und kalt werden. Darüber kann man heute noch überhaupt keine Aussage treffen“, erklärt Diplom-Meteorologe Dominik Jung.

Wetter in Deutschland: La Niña ist da - vom Jahrhundertwinter fehlt jede Spur

Aktuellen Vorhersagen zufolge spricht nichts für einen Jahrhundertwinter, ganz im Gegenteil. „Von einer Einwinterung sind wir in Deutschland weit entfernt. Im Oktober wurde in einigen Medien für den Dezember in Deutschland viel Schnee angekündigt. Schuld daran sei das Wetterphänomen La Niña. Doch weder viel Schnee noch Frost konnten sich bisher in Deutschland etablieren“, betont Jung.

Wetter in Deutschland: Rekord-Winter im Überblick

Kälteste Winter\tDurchschnittstemperatur
1963-5,5 Grad
1940-5 Grad
1929-4,9 Grad
1947-4,5 Grad
1942\t-3, 9 Grad (Quelle: Kachelmannwetter)
Wärmste Winter\tDurchschnittstemperatur
20074,4 Grad
20204,2 Grad
19753,6 Grad
1990\t3,6 Grad
20163,6 Grad (Quelle: Kachelmannwetter)

Erstmeldung vom Dienstag, 20.10.2020: Offenbach – Wie wird das Wetter im Winter in Deutschland? Gibt es 2020/21 vielleicht sogar einen Jahrhundertwinter, wie an vielen Stellen berichtet wird? Schuld daran soll das Wetterphänomen La Niña sein, das klirrende Kälte bringen soll. Doch wie wahrscheinlich ist ein Jahrhundertwinter wirklich? Die Prognose lässt einen Wetter-Experten toben.

Wetter in Deutschland: Eis und Schnee – Jahrhundertwinter durch La Niña?

La Niña ist ein Klimaphänomen wie El Niño. Beide spielen sich im Pazifik ab und können dabei das Wetter weltweit – und natürlich auch in Deutschland – beeinflussen. Normalerweise treiben im Pazifik Passatwinde das warme Oberflächenwasser nach Westen. Dadurch gelangen feuchte Luft und Niederschläge an die Ostküste von Australien und Südostasien. Vor der Westküste Süd- und Mittelamerikas strömt gleichzeitig kaltes und fischreiches Wasser auf.

Bei La Niña (spanisch für „Mädchen“) ist dann alles etwas anders: Während sich das Oberflächenwasser des Westpazifiks erwärmt, kühlt das Meer vor Südamerika ab. Dieses Szenario sagt der amerikanische Wetterdienst NOAA für November und Dezember voraus. Als es 2010 das letzte Mal flächendeckend weiße Weihnachten in Deutschland gab, wurde La Niña dafür verantwortlich gemacht. Deshalb rechnen viele jetzt mit einem Jahrhundertwinter. Doch ein Meteorologe widerspricht dieser Prognose vehement.  

Deutschland-Wetter: Kälte im Winter durch La Niña? Experte: „Ein Jammer“

„Es ist wirklich ein Jammer mit dem unseriösen und unwissenschaftlichen Gerede. Natürlich kann La Niña Einfluss auf den Winter haben, aber es ist nur einer von ganz vielen Faktoren, die eine Rolle spielen. Der größte Unsinn in diesem Jahr: Weihnachten soll in diesem Jahr weiß und kalt werden. Darüber kann man heute noch überhaupt keine Aussage treffen. Ende Oktober eine Wetterprognose für den 25. Dezember abzugeben, ist wissenschaftlich nicht möglich“, erklärt Diplom-Meteorologe Dominik Jung vom Wetterdienst Q.met gegenüber dem Wetterportal wetter.net über das Wetter im Winter in Deutschland.

Von La Niña sind vor allem die Regionen betroffen, die direkt am Pazifik liegen. Dabei zeigen sich die Auswirkungen auf ganz unterschiedliche Weise. An der australischen Nordostküste und in Südostasien fällt tendenziell mehr Niederschlag, in Südamerika regnet es in der Regel weniger als im Durchschnitt und an der Pazifikküste ist es kälter als es normalerweise der Fall ist. An der Golfküste ist es wärmer, im Atlantik bilden sich oft mehr Hurrikane.

Bringt das Phänomen La Niña einen Jahrhundertwinter nach Deutschland? Ein Experte ordnet die Vorhersage ein. (Symbolfoto)

Wetter in Deutschland: Jedes Jahr extreme Prognosen für den Winter - Experte verärgert

Besonders ärgerlich für den Experten Dominik Jung ist, dass bei den Vorhersagen für das Wetter im Winter in Deutschland fast jedes Jahr ein extremer Winter prognostiziert wird, es am Ende aber anders kommt: „Jedes Jahr die gleiche Schlagzeile und jedes Jahr eine andere Begründung und jedes Jahr passiert in Sachen Kalt- und Schneewinter rein gar nichts.“ 2020 war die schwache Sonne, 2019 die Königskerze, eine Pflanze, Auslöser für die Jahrhundertwinter-Prognose. In beiden Jahren war der Winter am Ende wesentlich wärmer als im Klimamittel.

Außerdem gab es auch einige Jahre, in denen das Wetterphänomen La Niña auftrat, und nicht für einen kalten Winter in Deutschland sorgten. So trat La Niña in den Jahren 1998 bis 2000 auf, die Winter waren aber eher mild. Auch wissenschaftliche Untersuchungen können einen eindeutigen Zusammenhang zwischen La Niña und den Auswirkungen auf den Winter in Deutschland nicht belegen.

Wettervorhersage für Deutschland: So soll der Winter 2020/21 werden

Zunächst sollte das Wetter im Winter in Deutschland 2020/21 deutlich kühler ausfallen soll als vorhergesagt, jetzt haben Experten ihre Prognose noch einmal korrigiert. Deutschland droht ein Rekordwinter, der sehr mild ausfallen soll. Von einem Jahrhundertwinter fehlt aktuell jede Spur. Der amerikanische Wetterdienst NOAA sagt einen deutlich zu warmen Winter voraus, der 2 bis 4 Grad Celsius über dem Klimamittel liegen soll.

„Vom angeblichen Jahrhundertwinter durch La Niña fehlt jede Spur. Die Berechnungen werden immer wärmer. Das wird ein richtig milder Winter, wenn sich diese Berechnungen bewahrheiten sollten. Einen kalten und schneereichen Winter gibt derzeit kein Wettermodell aus. Es geht viel zu warm weiter“, erklärt Wetterexperte Jung.

Wetter in Deutschland: Rekordwinter statt Jahrhundertwinter im Anflug

2019/20 hatte der amerikanische Wetterdienst einen Rekordwinter* vorhergesagt – und damit recht behalten. Es wurde der zweitwärmste Winter seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. (Christian Weihrauch) *op-online.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Bilal Jawich/XinHua/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.