Wetter erschwert Kampf gegen die Ölpest

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Öl im Golf von Mexiko.

Washington - Die Saison der Tropenstürme im Golf von Mexiko hat begonnen und sie bringt neue Schwierigkeiten im Kampf gegen die Ölpest. Die raue See behindert die Abpump-Arbeiten.

Das zunehmend raue Wetter im Golf von Mexiko wird im Kampf gegen die Ölpest immer mehr zum Problem. Auch wenn der erste massive Tropensturm der Saison, “Alex“, wohl nicht direkt über das Katastrophengebiet hinwegziehen wird, behindern hohe Wellen die Arbeiten an der Unglücksstelle. So wird die Installation eines zusätzlichen Absaugsystems über der sprudelnden Quelle wegen der unruhigen See um rund eine Woche verzögert, berichtete die “Washington Post“ am Dienstag. Mit der neuen Vorrichtung sollte die Menge des aufgefangenen Öls verdoppelt werden. Die Ingenieure könnten sie aber nur bei ruhigem Seegang von einem Schiff aus mit dem Bohrloch verbinden, sagte BP- Manager Kent Wells. “Es ist einfach nicht sicher, das im Moment zu tun.“

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Öl erreicht Mississippi

Auf den BP-Konzern und die mehr als 38.000 Einsatzkräfte in der Region kommen laut Wetterexperten harte, ungewisse Wochen zu. “Jede Ölpest birgt eigene Herausforderungen. Aber diesmal ist es besonders schwierig“, sagte Doug Helton von der US-Wetterbehörde NOAA der Zeitung. Stürme wie “Alex“ sorgen für heftige Wellen in der Region. Sobald sie höher seien als dreieinhalb Meter, müsste der installierte Auffangtrichter über der Quelle entfernt werden, sagte der Einsatzleiter der US-Regierung, Thad Allen, am Montag (Ortszeit). Die rostbraune Schmiere würde dann wieder fast ungehemmt ins Meer strömen. Der Deckel fängt mehr als ein Viertel der bis zu 8000 Tonnen Öl ab, die nach offiziellen Schätzungen täglich aus dem Bohrloch schießen. Sorgen bereitet den Bewohnern der Golfregion auch, dass die Pegelstände im Golf wegen des Wetters schnell steigen können. Dadurch könnte das Öl über die im Meer ausgelegten Barrieren an die Küsten geschoben werden.

Entlastungsbohrung ist unabhängig vom Wetter

Das Wetter behindere aber nicht die Entlastungsbohrungen, mit denen die Quelle endgültig zum Versiegen gebracht werden soll, sagte Wells. Die Arbeiten gingen weiter sehr gut voran - an dem Vorhaben, im August damit fertig zu werden, könne festgehalten werden, sofern nicht doch noch ein Hurrikan die Arbeiten stoppe. Auch wenn die Chance sehr groß sei, das Öl-Leck mit diesem Verfahren zu stoppen, arbeiten BP und die US-Regierung dem BP-Manager zufolge an einem Alternativplan.

Ölpest im Golf von Mexiko: Chronologie des Versagens

20. April: Auf der Ölbohrinsel “Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko gibt es eine Explosion. Die meisten der 126 Arbeiter können gerettet werden, 11 bleiben vermisst. © dpa
22. April: Die brennende Bohrinsel sinkt. Zum Untergang trägt eine Serie technischer und menschlicher Fehler bei. © dpa
25. April: Experten versuchen mit einem Unterwasser-Roboter, den Austritt von Rohöl in 1500 Metern Tiefe zu stoppen - ohne Erfolg. © dpa
29. April: Die US-Regierung stuft die Ölpest als Katastrophe “von nationaler Bedeutung“ ein. © dpa
1. Mai: Nach Louisiana und Florida rufen auch die Bundesstaaten Alabama und Mississippi den Notstand aus. © dpa
6. Mai: Das Öl erreicht Land, die unbewohnte Freemason-Insel. © dpa
8. Mai: BP-Experten brechen den Versuch ab, das ausströmende Öl mit Hilfe einer großen Stahlkuppel abzusaugen. © dpa
11. Mai: Im Energieausschuss des Senats machen sich die Spitzenmanager der drei in das Unglück verstrickten Unternehmen - BP, Transocean und Halliburton - gegenseitig verantwortlich. © dpa
17. Mai: Der für die Kontrolle der Tiefsee-Bohrungen zuständige Abteilungsleiter der US-Behörde für Mineralienförderung tritt zurück. © dpa
20. Mai: Ein Live-Video vom Meeresgrund zeigt, dass mehr Öl ins Wasser austritt als BP bisher schätzte. © dpa
26. Mai: BP startet die Operation “Top Kill“. Durch Beschuss mit riesigen Schlamm-Mengen soll das sprudelnde Öl gestoppt werden. © dpa
27. Mai: Obama entlässt die Chefin der Behörde für Mineralien- Management (MMS), Elizabeth Birnbaum. © ap
28. Mai: Obama will die Zahl der Helfer verdreifachen. Rund 240 Kilometer der Küste sind bereits verseucht. Laut US-Ozeanbehörde NOAA darf bereits in einem Viertel des Golfs nicht mehr gefischt werden. © dpa
29. Mai: Die Operation “Top Kill“ scheitert. Nun soll ein Steigrohr zur Quelle am Meeresgrund abgesägt und auf die Öffnung eine Kuppel gestülpt werden. Dort soll ein Großteil des Öls aufgefangen und durch eine Leitung zu einem Schiff geleitet werden. © dpa
4. Juni: Den Ingenieuren gelingt es, einen Behälter über dem Leck zu platzieren. Allerdings strömt weiterhin Öl ins Meer, nur ein kleiner Teil kann kontrolliert zu einem Schiff abgeleitet werden. © dpa
10. Juni: Allein in Louisiana haben inzwischen mehr als 70 Menschen ärztliche Hilfe gesucht - wegen Übelkeit, Kopfschmerzen, entzündeten Augen und Atembeschwerden. Mindestens 1100 ölverschmierte Vögel wurden gefunden, der größte Teil von ihnen tot. © dpa
11. Juni: Wissenschaftler der US-Geologiebehörde gehen davon aus, dass täglich bis zu 5400 Tonnen Öl aus dem Bohrloch schießen könnten. © dpa
16. Juni: In seiner ersten Rede aus dem Oval Office wendet sich Obama direkt an die Nation. Die Ölpest werde mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft. In ihrer Energiepolitik müssten die USA eine Wende einleiten. © dpa
17. Juni: BP-Chef Tony Hayward muss sich einem sechsstündigen Kreuzverhör im US-Kongress stellen. © dpa
22. Juni: Ein US-Gericht erklärt ein von Obama verhängtes Verbot von Tiefseebohrungen im Golf von Mexiko für nichtig. © dpa
23. Juni: Wegen technischer Probleme muss BP das Auffangen des Öls erneut unterbrechen. Zwei Helfer kommen ums Leben. © dpa
28. Juni: Die Ölpest hat BP nach eigenen Angaben mittlerweile 2,65 Milliarden Dollar (2,17 Milliarden Euro) gekostet. © dpa

Die Kosten für die Wiedergutmachung der Umweltschäden nach der Ölkatastrophe sind aus Sicht des britischen Ölkonzerns BP nicht zu beziffern. Der von US-Präsident Barack Obama durchgesetzte Hilfsfonds von 20 Milliarden Dollar (16 Mrd Euro) sei nur ein Grundstock, sagte der BP-Chefökonom Christof Rühl am Montagabend auf einer Veranstaltung in Frankfurt. “Das ist natürlich keine Obergrenze, sondern verbunden mit den potenziell nicht limitierten Forderungen in der Zukunft.“ Der britische Konzern wolle zur Deckung seiner Kosten aber voraussichtlich nicht seinen 1,5-Prozent-Anteil an dem russischen Energiekonzern Rosneft verkaufen. Das habe BP-Chef Tony Hayward am Dienstag in Moskau versichert, berichteten russische Nachrichtenagenturen.

dpa

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