Hitzewelle in Deutschland

Wetter-Experte schlägt Alarm: „Nähern uns der 40-Grad-Marke“ - Gefahren lauern

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Sommerwetter am Bodensee

Derzeit schwitzt ganz Deutschland. Die Hundstage und die damit verbundene Hitzewelle durch „Hoch Helmut“, lassen Deutschland ächzen. Doch die jetzigen Temperaturen könnten noch weiter steigen.

Wiesbaden - Fast 36 Grad wurden gestern in Lingen in Niedersachsen gemessen. Wie erwartet, wurde am gestrigen Dienstag in punkto Tageshöchsttemperatur der neue Jahresrekord aufgestellt. Ein Ende der Hitzewelle ist vorerst aber noch nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil: Das Thermometer steigt noch weiter und könnte bald die 40 Grad-Marke erreichen.

Diplom-Meteorologe Dominik Jung erklärt: „Die Temperaturen nähern sich nun immer weiter der 40-Grad-Marke. Dieser Wert wurde in Deutschland bisher in zwei Jahren erreicht, einmal im Jahrhundertsommer 2003 und einmal im Jahr 2015. Der bisher höchste gemessene Wert liegt in Deutschland bei 40,3 Grad und er wurde im Juli 2015 gemessen. Ob wir diesen Wert erreichen ist allerdings eher unsicher. Auf alle Fälle werden die Spitzenwerte bis Freitag noch auf mindestens 38 Grad im Schatten ansteigen.“

Wetter-Video: 7-Tage-Trend

Das hört sich nach viel Schwitzen und viel Sonne an. Gut für die, die es genießen können. Schlecht für alle anderen.

„Die Hitze wird dabei auch immer unerträglicher, denn die Luft ist zunehmend schwül. Nachts kann man kaum noch gut schlafen und schon gar nicht, wenn man eine kuschelige Dachgeschosswohnung sein eigen nennen darf. Da wird es langsam aber sicher zur Sauna, wenn man nicht über eine Klimaanlage verfügt“ so Dominik Jung weiter.

Hitzeentwicklung im Auto

Dass die hohen Temperaturen nicht nur für einen Badespaß gut sind, sondern auch erhebliche Gefahren mit sich bringen können, zeigt die folgende Grafik. Denn wenn die Sonne bei den angekündigten 38 Grad für eine Stunde auf ein geparktes Auto brennt, etwa beim Einkaufen, erhitzt sich das Fahrzeug-Innere auf gefährliche 64 Grad. Eine bedrohliche Temperatur für Kinder und Tiere im Auto.

Der Deutsche Wetterdienst warnt vor den Folgen der Hitze und gibt Warnungen heraus. Die sogenannten Blow-Ups auf den Autobahnen werden vor allem für Motorradfahrer gefährlich, denn die älteren Betonfahrbahndecken heben sich durch die Hitze an und machen die Fahrbahn uneben. So passiert etwa am Flughafen Hannover, der zwischenzeitlich wegen Blow-Ups geschlossen werden musste. Auch die Waldbrandgefahr in Deutschland steigt weiterhin. Der Deutsche Wetterdienst (DWD ) warnt auf seiner Facebook-Seite vor den Gefahren durch die hohen Temperaturen und zeigt die Regionen auf, in welchen es besonders brenzlig werden kann.

In einem Video geht der DWD auf die gesundheitlichen Folgen ein und gibt Tipps im Umgang mit der Hitzewelle

Landwirte hoffen vergebens auf Regen

„Die Wetterlage ist wie einbetoniert. Es bewegt sich einfach nichts mehr. Das Hoch liegt stabil über Europa und hält weiterhin alle atlantischen Tiefs von uns fern. Damit haben wir keine Chance auf kühle Luft und schönen Landregen. Das einzige was in den kommenden Tagen vom Himmel fällt ist Starkregen der bei einzelnen Hitzegewittern auftreten kann. Und der ist bekanntlich eine total lokale Sache. Die einen bekommen reichlich ab und der Keller läuft voll- ein oder zwei Kilometer weiter passiert gar nichts“ erklärt Wetterexperte Jung weiter.

Seit Tagen schauen die Bauern und Landwirte Deutschlands auf die verdürrten Felder und hoffen sehnlichst auf einen angenehmen und heilbringenden Regen. Aber außer einzelner Gewitter kommt derzeit recht wenig von oben. Und das soll auch die nächsten 7-10 Tage so bleiben. Deshalb sollten auch weiterhin keine Feuer im Freien gemacht werden, da die Wald und Wiesenbrandgefahr immer noch extrem hoch ist.

Heißer Job an heißen Tagen

Bauernpräsident fordert Notstand in von Dürre besonders betroffenen Bundesländern

Der Präsident des Bauernverbands, Joachim Rukwied, fordert für von der Dürre besonders betroffene Bundesländer die Ausrufung des Notstands. Das sei nötig, damit die von harten Ernteausfällen betroffenen Betriebe schnelle finanzielle Hilfe bekämen, sagte Rukwied am Mittwoch im Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). Rechtliche Voraussetzung sei, dass die Erntemenge um 30 Prozent geringer als im Schnitt der vergangenen drei Jahre sei.

Eine Nothilfe "gleicht natürlich die Ausfälle nicht aus, ist aber notwendig, damit die Betriebe eine Zukunft haben", sagte Rukwied im RBB. Bundesweit befürchtet der Bauernverband Ernteausfälle von im Schnitt 20 Prozent. In einigen Regionen Brandenburgs könnten die Ernteausfälle sogar bis zu 70 Prozent betragen.

Klimaforscher: Heißer Sommer in 30 Jahren wohl Normalität

Was aktuell noch als ungewöhnlich warmer Sommer gilt, könnte nach Einschätzung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) in rund 30 Jahren ein ganz normaler Durchschnittssommer sein. „In Deutschland hat die Temperatur seit der industriellen Revolution im Durchschnitt schon 1,4 Grad zugenommen“, sagte PIK-Klimafolgenforscher Fred Hattermann. Wegen der höheren Grundtemperatur seien Hitzephasen noch extremer.

„Wir befinden uns bereits mitten im Klimawandel“, sagte Hattermann. Der Temperaturanstieg führe dazu, dass bestimmte Getreidepflanzen nicht mehr angebaut werden könnten. Daneben seien Extremereignisse wie Brände und Hochwasser als Folge des Klimawandels zu beobachten.

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„Das mögliche Ausmaß dieser Extremereignisse ist für uns noch nicht vollständig absehbar“, warnte Hattermann. Anpassungsstudien und Hochrechnungen zu Hochwasser oder Trockenheiten würden helfen, sich auf bestimmte Szenarien vorzubereiten. Städte und Gemeinden sollten auch lokale Extremereignisse wie kurze, aber heftige Niederschläge und damit verbundene Sturzfluten im Blick behalten und Vorsorge treffen. „Es geht nicht nur um das große Hochwasser.“ Wichtig sei, dass Menschen sensibel für Extremereignisse würden.

Dabei könne jeder Einzelne vermeiden, dass der Treibhauseffekt noch verschärft werde. „Weniger Auto fahren, mehr die öffentlichen Verkehrsmittel in Anspruch nehmen (...)“, rät der Forscher. Auch sei es sinnvoll, in Städten mehr Bäume anzupflanzen, um für ausreichend Schatten zu sorgen.

dpa

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