Klimawandel

Wetter-Drama droht: Mega-Hitze hat verheerende Folgen für Menschheit

In Zeiten von Corona verkommt der Klimawandel zur Randnotiz. Dabei könnte in 50 Jahren ein Drittel der Welt unter extremer Hitze leiden. Mit verheerenden Folgen.

  • Während die Corona-Krise tobt, scheint das Thema Klimawandel zur Randnotiz zu verkommen. 
  • Dabei könnte das Wetter* schon bald verrückt spielen.
  • In 50 Jahren könnte ein Drittel der Welt unter extremer Hitze leiden.

Offenbach - Der Klima-Gipfel 2020 muss warten. Sehr wahrscheinlich bis 2021. Oder eben so lange, wie das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2* die Welt noch in seiner Umklammerung hält. Der Klimawandel, eines der großen Themen der Politik in den vergangenen Jahren, fällt irgendwie unter den Tisch. 2020 gibt es Wichtigeres. Corona sei Dank. 

Dabei haben Forscher in den Niederlanden ein Extremszenario durchgerechnet, das den Folgen einer Corona-Pandemie in nichts nachsteht. Der Kern der Prognose: Wenn der Ausstoß der Treibhausgase nicht reduziert wird, könnten in 50 Jahren 3,5 Milliarden Menschen unter großer Hitze leiden. Es droht ein Wetter-Drama.

Klimawandel: Forscher warnen vor extremer Hitze - Das Wetter könnte verrückt spielen

Sofern die betroffenen Menschen in Folge des Klimawandels nicht auswandern, würden sie in Zukunft in Gebieten mit einer Durchschnittstemperatur von mehr als 29 Grad Celsius leben. Zur Einordnung der nackten Zahlen: 2019 lag die Durchschnittstemperatur in Deutschland laut Deutschem Wetterdienst (DWD*) bei 10,3 Grad Celsius. Und selbst in Deutschland droht bereits anno 2020 ein Dürrejahr. Das Wetter spielt also schon jetzt verrückt.

Veröffentlicht wurde das Schreckensszenario von Forschenden rund um Marten Scheffer von der Universität im niederländischen Wageningen im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“. Darin betont Scheffer: „Das Coronavirus hat die Welt in einer Weise verändert, die noch vor wenigen Monaten schwer vorstellbar war, und unsere Ergebnisse zeigen, wie der Klimawandel etwas Ähnliches bewirken könnte.“  

Die Krux an der Sache: Die Veränderungen würden zwar weniger schnell ablaufen. Doch anders als bei der Corona-Pandemie könne man nicht auf eine Erleichterung in absehbarer Zeit hoffen. Gerade in Zeiten des Coronavirus ein Dilemma. 

Klimawandel: Ökologische Nische weit weg von drohendem Wetter-Extremszenario

Für die Analyse schauen die Forscher rund um Scheffer auf die Vergangenheit, um daraus Folgen für die Zukunft zu prognostizieren. Beim Blick auf die Vergangenheit kristallisiert sich vor allem die „ökologische Nische des Menschen“ heraus. Doch der Reihe nach: 

  • Mit Hilfe vorhandener Datenbanken glichen die Forscher die bevorzugten Siedlungsgebiete des Menschen mit dem Wetter und den klimatischen Bedingungen in diesen Regionen ab. 
  • Das Ergebnis: Der Höhepunkt liegt bei einer Bevölkerungsdichte mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von etwa 11 bis 15 Grad Celsius. Ein kleiner Höhepunkt liegt bei 20 bis 25 Grad Celsius. 
  • Diese Verteilung hat sich laut der Analyse in den vergangenen 6.000 Jahren kaum verändert. 
  • Daher bezeichnen die Forscher diese Temperaturspanne als die „ökologische Nische des Menschen“ 

Von weniger als 1 Prozent auf 19 Prozent: Klimawandel könnte zeitnah extreme Hitze verursachen

Was bedeutet das also für den Klimawandel in Zukunft? 

  • Die Forscher gehen in ihrer Arbeit davon aus, dass es keinen internationalen Klimaschutz gibt. 
  • Daraus resultiert, dass sich die Konzentration der Treibhausgase weitgehend ungebremst wie in den vergangenen Jahrzehnten entwickeln wird. 
  • Dafür verwendeten die Forscher eine Klimaprognose aus dem 5. Sachstandsbericht des Weltklimarates (IPCC) und nutzten auch das sozioökonomische Szenario SSP 3 für die Entwicklung der Weltbevölkerung. 
  • Die Folge: Ein besonders hoher Temperaturanstieg in verschiedenen Weltregionen. Das Wetter spielt verrückt.
  • So ergaben die Modellrechnungen, dass sich Gebiete mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von mehr als 29 Grad Celsius von jetzt 0,8 Prozent der weltweiten Landfläche (derzeit liegen die Areale vor allem in der Sahara) bis 2070 auf 19 Prozent ausdehnen werden.

Klimawandel: Erwärmung hätte „verheerende direkte Auswirkungen“

Die von den Folgen des Klimawandels betroffenen Gebiete liegen demnach vor allem in Südamerika, Afrika, Indien, Südostasien und Nordaustralien. Allein in Indien wären mehr als eine Milliarde Menschen betroffen, in Nigeria, Pakistan, Indonesien und Sudan je deutlich über 100 Millionen Menschen. 

In Folge des Klimawandels könnte in 50 Jahren ein Drittel der Welt unter extremer Hitze leiden.

Eine derartige Erwärmung in so kurzer Zeit „hätte nicht nur verheerende direkte Auswirkungen, sondern es wäre für Gesellschaften auch schwieriger, künftige Krisen wie neue Pandemien zu bewältigen“, warnt Scheffer. Schließlich bedeuteten solche Temperaturanstiege nicht zwangsläufig, dass die Menschen in den betroffenen Gebieten auswandern würden. Für Migration gebe es ein komplexes Bündel an Gründen. Wetter allein reicht da oft nicht aus.

Scheffer sieht sie Ergebnisse der Studie als Warnung an die Weltgemeinschaft an, den Ausstoß von Kohlendioxid schnell zu senken. Denn während die Welt im Angesicht der Corona-Krise Pause vom Kampf gegen den Klimawandel zu machen scheint, rückt ein Extremszenario immer näher.  

Nico Scheck

Eine nachhaltige Wirtschaft hilft nicht nur gegen den Klimawandel* – sie verhindert auch gefährliche Konflikte. Und der Einstieg ist gar nicht so schwer. Sibirien gilt als eine der kältesten Regionen der Welt – doch nun herrscht dort eine Hitzewelle*. Die Temperaturen führen in der Arktis zu schlimmen Bränden.

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Rubriklistenbild: © Marcel Kusch / dpa

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