Wetterbedingte Schadensfälle haben zugenommen

Wetter-Extreme: Mehr Stürme, höhere Schäden

Eiszeit: Nach einem heftigen Gewitter bedecken Anfang Juli bei Dachwig in der Nähe von Erfurt bis zu drei Zentimeter große Hagelkörner die Straße. Foto:  dpa

Die Zahl der Sommerstürme und der dadurch verursachten Schäden hat in den vergangenen 30 Jahren eindeutig zugenommen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

Sommersturm und Hagel: Gibt es davon heutzutage mehr als früher?

Die Zahl durch Wärmeströmung erzeugter Stürme, die mit Hagel, Starkregen, Böen und auch Tornados einhergehen, hat sich in Deutschland seit 1980 etwa vervierfacht, sagen die Geo-Risiko-Experten von München Re, einem der weltweit führenden Rückversicherer. Speziell für Tornados in Deutschland reicht die Datenlage aber nicht aus, um einen Trend abzuleiten.

Haben die wetterbedingten Schäden ebenfalls zugenommen? 

Weltweit gesehen, gibt es seit 1980 einen klar steigenden Trend, heißt es bei München Re. Im Jahr 1980 summierten sich die wetterbedingten Schäden auf rund 30 Milliarden US-Dollar (davon etwa zehn Mrd. versichert), 2012 waren es rund 170 Mrd. Dollar (davon etwa 60 Mrd. versichert). Die größten wetterbedingten Gesamtschaden verzeichnet Nordamerika. Seit 1980 waren es 1400 Mrd. Dollar, davon 640 Mrd. versichert. Auf Platz 2 folgt Asien, dann Europa (560 Mrd. Dollar).

Ist es eine Folge des Klimawandels, dass es mehr Schäden gibt? 

Trockenzeit: Ein kleines Boot und ein Frachtschiff auf dem Rhein bei Nackenheim (Rheinland-Pfalz). Der niedrige Pegel bereitet der Schifffahrt auf dem Rhein zunehmend Probleme.

Experten scheuen sich, einzelne Wettereignisse eindeutig dem Klimawandel zuzuordnen. Aber: Die globale Erwärmung trägt zu mehr Feuchtigkeit in der Atmosphäre bei und dies ist eine Voraussetzung für die Entstehung von Gewittern und Stürmen. Außerdem zeichnet sich ein Trend zu länger anhaltenden Wetterlagen ab. Dazu zählt auch die Hitzewelle, die Deutschland derzeit erlebt. Diese Wetterlagen werden durch Veränderungen des Jet-Streams verursacht, das sind Starkwindbänder, die sich in acht bis 50 Kilometer Höhe über der Erdoberfläche bewegen. Diese Veränderungen können zu Überschwemmungen und Dürren führen.

Haben sich in diesem Jahr die wetterbedingten Schäden gehäuft? 

Bislang nicht. Die Schäden liegen laut München Re im ersten Halbjahr 2015 unter dem langjährigen Durchschnitt. Insgesamt gab es im ersten Halbjahr Schäden von 35 Mrd. Dollar (31,7 Mrd. Euro), und das, obwohl das Erdbeben in Nepal und die Hitzewelle in Indien und Pakistan das Bild prägten. Der Durchschnitt für ein erstes Halbjahr liegt bei 64 Mrd. Dollar (58 Mrd. Euro). Aber: Bei den Katastrophen kamen 12.000 Menschen ums Leben, während es im gesamten Vorjahr 2800 Todesopfer waren.

Welches Ereignis war der teuerste wetterbedingte Schadensfall in diesem Jahr? 

Für die Versicherungswirtschaft war das eine Reihe von Winterstürmen, die Ende Februar dieses Jahres den Nordosten der USA und Kanadas trafen. Der versicherte Schaden betrug 1,8 Mrd. Dollar, die Gesamtschäden 2,4 Mrd. Dollar. In Europa war es der Wintersturm Niklas, der im März über weite Teile Zentraleuropas hinweg zog. Der Gesamtschaden betrug 1,4 Mrd. Dollar (1,3 Mrd. Euro), davon war rund eine Mrd. Dollar (900 Mio. Euro) versichert. Insgesamt war die Wintersturmsaison in Europa mit 13 Orkanen relativ aktiv.

Wetter-Fakten

Heißer Donnerstag: Saharahitze sorgt dafür, dass der morgige Donnerstag der heißeste Tag der Woche wird. Laut Deutschem Wetterdienst sind auch im Norden Werte von über 30 Grad möglich, im Südosten bis 38 Grad. In der heißen, energiegeladenen Luft drohen Gewitter mit Unwetterpotenzial. Am Freitag ziehen Gewitter durch und bringen Abkühlung.

Blick auf Sternschnuppen: Für die Sternschnuppennacht von Mittwoch auf Donnerstag sagen Meteorologen milde Temperaturen und einen weitgehend freien Blick voraus. Die beste Beobachtungszeit soll zwischen 2 und 4 Uhr liegen.

A2 überflutet: Ein heftiges Unwetter ist in der Nacht zum Dienstag über Nordrhein-Westfalen hinweggezogen. Mehrere Menschen wurden verletzt und hoher Sachschaden angerichtet. Die A2 war im Kreis Warendorf überschwemmt, dort stießen zwei Autos zusammen, fünf Menschen wurden verletzt. Allein bis Mitternacht zählte die Feuerwehr in Oelde über 300 Einsätze in Privathaushalten.

Dürre: Durch die Hitze und den Regenmangel ist der Boden in Deutschland in einigen Regionen so trocken wie seit 50 Jahren nicht, teilte der Deutsche Wetterdienst mit. In den Wäldern Hessens etwa leiden junge Bäume. Jeder dritte im Frühjahr frisch gepflanzte Baum drohe zu vertrocknen, hieß es beim Landesbetrieb Hessen-Forst.

Weser-Pegel: Der Edersee in Hessen gibt täglich zwei Millionen Kubikmeter Wasser ab. Damit wird der Pegel auf der Weser für die Schifffahrt konstant gehalten. Ohne Niederschläge könnten in eineinhalb Wochen viele Schiffe nicht mehr fahren, hieß es beim Wasser- und Schifffahrtsamt Hann. Münden.

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