Übermäßiger Fleischkonsum ist nur einer von vielen Krebsfaktoren

„Salami macht wenig aus“: Was Experten zur WHO-Studie sagen

Wurst ist laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) krebserregend: Verarbeitete Fleischwaren würden das Risiko erhöhen, krank zu werden. Krebs sei aber von vielen Faktoren abhängig, meinen studienunabhängige Forscher. Foto: dpa

Wurst erhöht das Risiko, an Krebs zu erkranken. Zu diesem Ergebnis kamen Krebsforscher der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Den Zusammenhang bestätigen auch andere Experten.

Den Zusammenhang zwischen Krebs, insbesondere Darmkrebs, und Wurstkonsum bestätigt etwa Professor Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke, der nicht an den WHO-Studien der Weltgesundheitsorganisation mitgearbeitet hat.

Die Erkenntnis bedeute aber nicht, dass man künftig gänzlich auf Fleisch- und Wurstwaren verzichten sollte, sagt der Ernährungsforscher. „Ein moderater Fleischkonsum ist für eine vollwertige Ernährung empfehlenswert.“ Fleisch liefere dem Körper wichtige Nährstoffe wie Eiweiß, Eisen und Vitamine, sagt auch die Ernährungswissenschaftlerin Dr. Verena Katzke vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

Der Verzehr von Wurstwaren ist laut Boeing und Katzke lediglich einer von vielen Faktoren, die Krebs begünstigen. „Isst man zu viel Wurst und Fleisch könnte das der bekannte Tropfen auf dem heißen Stein sein, mehr aber auch nicht.“ Dass Wurst kein alleiniger Auslöser für Darmkrebs ist, bestätigt Katzke. „Ist man schlank, bewegt sich ausreichend, raucht nicht, trinkt nicht und isst Ballaststoffe, macht ein Salamibrot oder ein gegrilltes Steak wenig aus.“

• These : Männer haben häufiger Darmkrebs als Frauen.

Ja, aber... Laut der WHO-Studie verzehren Männer mit 1092 Gramm pro Woche doppelt so viel Fleisch wie Frauen. Im Umkehrschluss müssten Männer dann auch häufiger an Darmkrebs erkranken. Diese Schlussfolgerung bestätigen Zahlen des Robert Koch Instituts. 2011 wurde bei 28 700 Frauen in Deutschland Darmkrebs diagnostiziert, bei den Männern waren es rund 34.300 Neuerkrankungen. „Das hängt aber sicher nicht nur mit dem Fleischkonsum zusammen“, sagt Katzke. Männer konsumierten im Schnitt auch mehr Alkohol als Frauen – ein weiterer Faktor, der Darmkrebs begünstigt.

• These : Fleischverzicht senkt das Krebsrisiko.

Ja, aber... Verzichtet man auf Wurst und Fleisch, könne das das Krebsrisiko senken, sagt Boeing. Es kommt aber darauf an, durch was wir das Fleisch ersetzen.“ Soja sei beispielsweise keinesfalls eine gute Alternative, da auch Sojaprodukte im Verdacht stehen, das Krebsrisiko zu erhöhen. Würden künftig aber alle Fleisch durch Gemüse ersetzen, „würde sich die Anzahl der Darmkrebserkrankungen sicher reduzieren“.

• These : Vegetarier bekommen keinen Darmkrebs. 

Ja, aber... Dass Vegetarier ein geringeres Darmkrebsrisiko haben, bestätigen Forscher der University in Kalifornien. Von 77.000 Probanden ernährte sich die Hälfte fleischfrei. Nach 7,5 Jahren gab es bei den Vegetariern 22 Prozent weniger Krebsfälle als bei den Fleischessern. Man müsse aber bedenken, dass Vegetarier meist einen gesünderen Lebensstil haben, sagt Katzke. „Außerdem essen Vegetarier oft mehr Ballaststoffe als Fleischesser. Und Ballaststoffe senken wiederum das Darmkrebsrisiko.“

Lesen Sie auch:

- WHO stuft Wurst und Schinken als krebserregend ein

- Krebsstudie: Fleischer-Innung befürchtet nur kurzfristigen Umsatzeinbruch

- Nach WHO-Warnung vor verarbeitetem Fleisch: Ahle Wurscht außer Gefahr

- Nach WHO-Studie: Kasseler Fachleute sehen kein erhöhtes Krebsrisiko

- Kommentar zur Studie über gefährliche Wurst: "Keine Panik"

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.