Polizei ermittelt wegen Mordes

Säugling in Berlin wurde getötet

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Ein Teddy und eine Kerze in dem Waldstück in Berlin-Hellersdorf.

Berlin - Zum zweiten Mal in kurzer Zeit wurde ein Säugling in Berlin getötet. Viele fragen sich, warum Hilfsangebote nicht genutzt werden.

Innerhalb von fünf Tagen sind in Berlin zwei tote Babys gefunden worden. Die Kinder - ein Mädchen und ein Junge - kamen lebend zur Welt und wurden getötet, wie die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilte. In beiden Fällen wird wegen Mordes ermittelt. Von den Müttern fehlt trotz intensiver Suche bislang jede Spur.

Am Dienstagabend hatte eine Frau mit ihrem Hund im Plattenbaugebiet Hellersdorf am östlichen Stadtrand einen winzigen Leichnam entdeckt. Er steckte in einer Plastiktüte und lag an einem Weg in einem Park.

Erst am vergangenen Freitag hatten Mitarbeiter einer Recycling-Firma einem toten Säugling in einem Altkleider-Container in Berlin-Neukölln entdeckt. Die Leiche war bereits stark verwest.

Polizeibeamte gehen von Tür zu Tür

Am Dienstag um 17.40 Uhr hatte die Frau die Polizei alarmiert, nachdem ihr Hund die Plastiktüte entdeckt hatte und sich nicht mehr von ihr abbringen ließ. Die Polizei sperrte das Gelände mit rot-weißem Flatterband weiträumig ab. Gerichtsmediziner untersuchten den Leichnam noch am Fundort.

In dem zu diesem Zeitpunkt finsteren und menschenleeren Waldstück wurden Scheinwerfer aufgestellt. Ermittler der Mordkommission befragten noch in der Nacht mögliche Zeugen in den umliegenden Häusern. Auch am Mittwoch gingen Beamte in der Siedlung von Tür zu Tür. Sie erhoffen sich von den Anwohnern Hinweise auf die Mutter oder den Vater des Kindes und weitere Hintergründe.

Spaziergänger, die mit ihren Hunden unterwegs waren, stellten am Mittwoch vereinzelt Kerzen am Fundort auf. Ein Passant legte ein kleines Stoffbärchen dazu. „Das hat mir schon den Schlaf geraubt“, sagte der 33-jährige Robert Hüffner, der am Dienstagabend von der Nachricht erfuhr.

Sind die Babyklappen nicht bekannt genug?

Zwar weiß noch niemand, was genau passiert ist. Aber die Fälle werfen die Frage auf, warum Frauen Hilfsangebote wie Babyklappen oder anonyme Geburten nicht nutzen. Experten verweisen darauf, dass sich Mütter, die ungewollt schwanger wurden und ihr Kind unmittelbar nach der Geburt töten, in Krisensituationen befänden. Die Vorsitzende des Berliner Hebammenverbandes, Susanna Rinne-Wolf, sagte, es sei schwierig, diesen Frauen zu helfen, weil man sie nicht erreiche.

Der Gründer des Kinder- und Jugendwerks Arche, Bernd Siggelkow, forderte verstärkte Initiativen, um Babyklappen bekannt zu machen. Die Arche in Hellerdorf befindet sich in der Nähe des Fundortes der Babyleiche.

dpa

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