"Wild Girls" bei RTL: Geisterbahn in die Wüste

Natürlich ist das unsäglich, haarsträubend, nicht zu fassen, wie in „Wild Girls“ zwölf aufgebrezelte Möchtegernstars ein Hüttendorf in Namibia heimsuchen. Eine Kritik der neuen RTL-Sendung von Mark-Christian von Busse.

Es ist ebenso unsäglich, haarsträubend, wie sie sich lächerlich machen (Rollkoffer-Wettrennen auf Wüstensand), schockieren lassen (wenn eine Ziege abgestochen wird), wie sie sich in Szene setzen, überschätzen, streiten, welche austauschbare Blondine nun das „Unikat“ sei. Wie sie sich also mit schierem Automatismus in einen Zickenkrieg stürzen, den RTL allzu gern und gekonnt ausbreiten wird. Und wie sie sich mit spätkolonialistischem Blick den „Ureinwohnern“ nähern.

Was sich die Himba dachten, als da ein TV-Team einfiel mit einem Dutzend Damen, gemeinsames Merkmal „dicke Titten, operiert, gebotoxt“ (so Kandidatin Sophia). Visagistinnen, Stangentänzerinnen und Models, für die High Heels und lackierte Endlos-Fingernägel das Wichtigste im Leben sind. Das ist alles irrsinnig. Aber es ist bei RTL wie in der Geisterbahn, wo der Grusel großes Vergnügen macht. Hier heißen die Gespenster „Conchita Wurst“, ein österreichischer Travestiekünstler mit aufgemaltem Bart, Bordellbesitzergattin Sophia Wollersheim („Wollersheim steht für Puffs“), „Yoga-Jordan“ Carver („Ich bin bekannt geworden für meine zwei Qualitäten“, nämlich in Doppel-H), Ex-„Big Brother“-Insassin Kader Loth, die sich mit 40 als „über den Zenit“ und „Kadaver Loth“ verspotten lassen muss, oder Sarah „Ich bin die deutsche Angelie Jolie“ Knappik.

Die kennt man aus dem Dschungelcamp. Bloß: Anders als im Dschungel fehlen in der Wüste der Echtzeit-Effekt und die lustig-zynischen Live-Moderationen. Immerhin nehmen wir aus der ersten von sieben Folgen (künftig immer mittwochs, 21.15 Uhr) die tiefsinnige philosophische Erkenntnis mit: „Wir werden alle geboren, um zu sterben.“ Die Gewinnspiel-Frage lautete übrigens, ob die „Wild Girls“ in Namibia oder am Nordpol unterwegs sind. Das markiert in etwa das Niveau der Show. vbs@hna.de

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