Stadt der Wissenschaft 2012: Rennen um den Titel

Mainz - Geht der Titel an die Donau, an die Saale oder an die Trave? Regensburg, Halle und Lübeck wetteifern um den Titel “Stadt der Wissenschaft 2012“. Diese Woche fällt die Entscheidung.

Es winken 250 000 Euro Preisgeld und eine höhere Bekanntheit. Zum siebten Mal hat der Stifterverband der Deutschen Wissenschaft den Titel “Stadt der Wissenschaft“ ausgelobt. Die ausgewählte Kommune soll ein Jahr lang mit originellen Projekten die Bürger für die Wissenschaft begeistern. Bisherige Preisträger waren unter anderem Dresden (2006), Jena (2008) oder Oldenburg (2009). Für 2012 stehen nun Regensburg, Halle und Lübeck im Finale.

Alle drei Städte bewerben sich schon zum zweiten Mal. Am Dienstag reisen Vertreter der Kommunen zur Abschlusspräsentation nach Mainz, der derzeitigen Titel-Trägerin. Noch am selben Tag wird auch die Entscheidung fallen.

Zu Lübecks Delegation gehören Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass und Schleswig-Holsteins Wissenschaftsminister Jost de Jager (CDU). Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU), der Präsident der Nationalakademie Leopoldina, Jörg Hacker, und Ex-Außenminister Hans Dietrich Genscher (FDP) reisen mit den Hallensern an. Regensburg tritt mit “Spitzenvertretern aus der Oberpfalz“ an.

Lübeck: “Hanse trifft Humboldt“

Lübeck, bundesweit bekannt vor allem für gutes Marzipan, will sich mit dem Motto “Hanse trifft Humboldt“ auch als Wissenschaftsmagnet profilieren. 2012 geplant sind etwa Kindervorlesungen, ein “FameLab“-Regionalentscheid, bei dem Jugendliche wissenschaftliche Zusammenhänge in jeweils drei Minuten erklären müssen und eine “Woche des Gehirns“. Im Stadtgebiet sollen Wissenschaftsspielplätze entstehen. Gegen die Mitbewerber will Lübeck auch mit dem Kampf seiner Bürger um den Erhalt der Universität im Sommer 2010 punkten. “Dieses Engagement aller gesellschaftlichen Gruppen hat gezeigt, dass die Wissenschaft in Lübeck fest verankert ist“, sagte Wissenschaftsmanagerin Iris Klaßen.

In der Bewerbung tritt die Hansestadt mit der Vision an, 2030 Teil einer starken Bildungs- und Forschungsregion in Norddeutschland zu sein. Forschungsschwerpunkte sind Medizin, Medizintechnik und Lebenswissenschaften. Die “Wissenschaft für alle“ soll sich in einer Bürgerakademie manifestieren. Gerade diese “Bürgerwissenschaften“ hätten in Lübeck eine mehr als 200-jährige Tradition, sagte die Direktorin der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit, Antje Peters-Hirt.

Regensburg: “Wissen schafft Zukunft“

Die Regensburger meinen “Wissen schafft Zukunft“ - und planen für den Fall des Sieges im kommenden Jahr ein Wissenschaftsquiz, bei dem die Einwohner jeden Monat knifflige wissenschaftliche Fragen beantworten sollen. Die Aufgaben sollen so schwer sein, dass die Teilnehmer nur in Gruppen die Lösungen finden können. An der Regensburger Universität soll zudem ein Theaterstück geschrieben und inszeniert werden, das sich kritisch mit der Wissenschaft beschäftigt. Geplant ist zudem ein Schüler-Wettbewerb, bei dem Visionen für das Leben im Jahr 2030 entwickelt werden sollen.

“Die Stadt war absolut reif für die Bewerbung“, sagt Rolf Thym, einer der Sprecher von Regensburg. Zum Zeitpunkt der ersten Bewerbung 2004 habe es deutlich weniger außeruniversitäre Forschung gegeben als jetzt. “In den vergangenen Jahren haben sich 36 Firmen aus der erst 44 Jahre alten Universität ausgegründet“, so Thym. Zudem sei Regensburg neben München die zweitgrößte Biotechnologieregion in Bayern. Wissenschaftler in der Stadt entwickeln ein Antikrebsmittel und suchen einen Impfstoff gegen Aids.

Halle: "Halle verändert"

Händels Geburtsstadt Halle wirbt für sich mit dem Slogan “Halle verändert“. “Mut für die erneute Bewerbung hat uns die Ernennung der Leopoldina zur Nationalakademie gemacht“, sagt der Wirtschaftsbeigeordnete Wolfram Neumann (CDU). Im Falle des Titel-Gewinns will Halle die “Lange Nacht der Wissenschaften“ in einen einwöchigen Wissenschaftssommer verlängern. An zentralen Plätzen - etwa auf dem Markt oder auf dem Universitätsplatz - soll es “Wissenschaft zum Anfassen“ geben.

“Natürlich ist Halle schon eine Stadt der Wissenschaft, es hat sich nur noch nicht herumgesprochen“, sagte der Rektor der Martin- Luther-Universität, Udo Sträter. Die Stadt ist nicht nur Sitz der Nationalakademie, sondern beherbergt auch Sachsen-Anhalts größte Universität und viele Forschungsinstitute; darunter das Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik und das Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung.

dpa

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