Wölfe in Deutschland: So gefährlich sind sie wirklich

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Wölfe sind nicht so gefährlich für Nutztiere wie gedacht

Berlin - Die Wölfe werden wieder in Deutschland heimisch. Wissenschaftler haben ihre Fressgewohnheiten untersucht. Ihre Ergebnisse sind überraschend.

Lange Zeit waren Wölfe in Deutschland ausgerottet, kehren sie zurück. Doch nicht alle freuen sich darüber. Denn ihr Ruf ist nich sehr gut. Wölfe, die Schafe reißen, Haustiere fressen oder sogar Menschen angreifen– die Rückkehr der Raubtiere in deutsche Gebiete weckt alte Ängste.

„Die Ernährungsgewohnheiten von Wölfen sind der größte Streitpunkt bei deren Wiederbesiedlung in Deutschland", sagt Hermann Ansorge, Abteilungsleiter Zoologie am Senckenberg Forschungsinstitut in Görlitz. "Das hat uns dazu veranlasst, das Fressverhalten der – vor gut zehn Jahren in die Lausitz eingewanderten – Wölfe genauer zu untersuchen.“

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Hierfür haben die Wissenschaftler über 3000 Kotproben von Wölfen gesammelt und auf unverdaute Hinterlassenschaften, wie Haare, Knochen, Hufe oder Zähne der Beutetiere untersucht. Über diese Hinweise, ergänzt durch Funde von Resten erlegter Beute, konnten die Görlitzer Zoologen die Ernährung der Raubtiere detailliert erfassen.

Dabei machen wilde Huftiere über 96% der Beutetiere aus. Dabei dominieren Rehe (55, 3%), gefolgt von Rotwild (20,8%) und Wildschweinen (17,7%). Einen eher geringen Anteil am Speiseplan hat der Hase mit knapp 3 Prozent.

„Weniger als ein Prozent der analysierten Beutetiere kam aus dem Bereich der Nutztiere“, ergänzt Ansorge. „Solange Schafe und Co. gut geschützt werden und es genug Auswahl unter den Wildtieren gibt, gehen Wölfe nicht die Gefahr ein, mit Elektrozäunen oder Herdenschutzhunden konfrontiert zu werden.“

Anpassungsfähige Wildtiere

Wölfe sind bezüglich ihrer Ernährung extrem anpassungsfähig. Aus Kanada ist beispielsweise bekannt, dass sich die dortigen Wolfsrudel im Herbst bevorzugt von Lachs ernähren. „Uns hat interessiert, wie, warum und wie schnell sich die Nahrungszusammensetzung der Wölfe in Sachsen änderte“, erläutert Ansorge. Die Wölfe in der Lausitz kamen aus Polen nach Deutschland. Dort ernähren sich die Rudel im Gegensatz zu den deutschen Wölfen überwiegend von Rotwild. In den ersten Jahren der Studie lag der Anteil des erlegten Rotwildes deutlich höher und der Prozentsatz der Rehe war dafür niedriger, als in den folgenden fünf Jahren. „Wir haben uns gefragt, ob die Wölfe ihr Verhalten oder ob sich die Ausgangsbedingungen geändert haben."

Im Vergleich zu den polnischen Wäldern sind die der Lausitz eher kleinräumig und von Wegen und Feldern durchzogen. Sie bieten Rehen und Wildschweinen ein ideales, weitflächiges Lebensumfeld, während sich das Rotwild eher in die wenigen großräumigen Waldgebiete zurückzieht. Rehe sind folglich aus der Sicht der Wölfe einfache und überall anzutreffende Beutetiere. Die Wölfe brauchten weniger als zwei Generationen, um sich an die neuen Verhältnisse in der Kulturlandschaft im Osten Deutschlands zu gewöhnen.

Seit der Einführung des gesetzlichen Wolfschutzes 1990 hat es über zehn Jahre gedauert, bis die Wölfe in Deutschland heimisch und Welpen in der Muskauer Heide geboren wurden. Aktuell leben in der Lausitz neun Wolfsfamilien mit etwa 34 Jungtieren. „Das Konfliktpotential zwischen Mensch und Wolf ist sehr gering“, resümiert Ansorge die Ergebnisse der Studie. „Einer Wiederbesiedlung durch die Wölfe sollte nichts im Wege stehen.“

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