eit 2000 mindestens neun Tiere illegal erschossen

Sichtung bei Meppen und Nordhorn: Wölfe schon kurz vor Holland

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150 Jahre nach Ausrottung der Art zurück: Zwei Wölfe, aufgenommen nahe Celle. Archivfoto: dpa

Meppen. Seit Jahren erobert der Wolf Deutschland von Osteuropa her Stück um Stück zurück. Jetzt hat er es quer durch Niedersachsen bis an die holländische Grenze geschafft, vielleicht schon darüber hinweg: Auf Schießplätzen der Bundeswehr bei Meppen und Nordhorn liefen im März und April Wölfe in die Fotofalle.

Die erfolgreiche Rückkehr der grauen Raubtiere 150 Jahre nach ihrer Ausrottung gilt als Erfolg für den Artenschutz. Nicht alle sind begeistert, der Wolf hat Feinde: Schafhalter bangen um ihre Herden, Jägern werden mindestens neun illegale Abschüsse seit dem Jahr 2000 angelastet.

Das LKA ermittelt

Erst Ende März fanden Waldarbeiter einen Wolfsrüden mit Bauchsschuss tot bei Weißkeißel nahe Görlitz (Sachsen). Dort ermittelt jetzt erstmals in einem solchen Fall das Dezernat Sonderfälle des Landeskriminalamtes (LKA).

Mindestens 40 Wölfe wurden überfahren, sagte Moritz Klose, Wolfs-Experte beim Nabu, unserer Zeitung – auf Landstraßen, Autobahnen, Gleisen: „Einer wurde im Auto zu Tode gehetzt. Und bei den illegal getöteten Wölfen wissen wir über die Dunkelziffer gar nichts.“

Nach Todesschüssen auf Wölfe seien Schützen „häufig nicht zu ermitteln“, sagt Nabu-Wolfsexperte Klose. Falls doch, enden Prozesse aus Tierschützersicht meist frustrierend. Klose: „2012 wurde ein Wolf im Westerwald von einem Jäger erschossen, der ihn angeblich für einen streunenden Hund gehalten hat. Enttäuschend ist, dass das Bundesnaturschutzgesetz keinen Eingang in die Urteilsbegründung gefunden hat,“ sagt der Nabu-Experte. „Der Wolf ist eine streng geschützte Tierart und illegale Tötungen können mit bis zu fünf Jahren Haft und 50 000 Euro Geldstrafe geahndet werden.“

In zweiter Instanz wurde der Westerwald-Prozess vor dem Landgericht Koblenz gegen 3500 Euro sogar eingestellt. Ein Grund: Der angeklagte Jäger war schon 73 Jahre alt. Seinen Jagdschein und die Waffen musste der Mann – immerhin – zurückgeben. Mindestens einmal nachgewiesen wurde der streng geschützte Räuber in 13 der 16 Bundesländer – nur in Baden-Württemberg, Bremen und im Saarland noch nicht.

Länder im Vergleich

Wölfe in Hessen

Nabu zu Wölfen

Illegale Wolfsjagd/Justiz

Gut vorbereitet und begleitet werde das Zusammenleben von Wolf und Mensch bislang nur in Brandenburg und Sachsen, hieß es jetzt vom Nabu nach einem Ländervergleich weiter. In Niedersachsen sei das Wolfsmanagement befriedigend, die Öffentlichkeitsarbeit sogar gut. Für Hessen gibt es nur ein Mangelhaft. Was Mischa Brüssel de Laskay, Sprecher des Wiesbadener Umweltministeriums, mit dem Hinweis kontert, es gebe ja seit 2011 keinen Wolf mehr in Hessen.

Bei Neuzuwanderung könne Hessen Erfahrungen aus der Rückkehr der Luchse nutzen. Und ein interner Wolfsleitfaden für die Behörden sei auch schon in Arbeit.

Ob die Wölfe an der holländischen Grenze unterschiedliche Tiere sind, ob vielleicht ein Jungtier geknipst wurde, das in Westniedersachsen schon 2013 unterwegs war, ist offen. Genetische Analysen aus Kotfunden laufen noch, sagte gestern Britta Habbe, Wolfsbeauftragte der Niedersachsen-Jägerschaft.

Von Wolfgang Riek

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