Messe in Düsseldorf heizt das Fernweh an

Vagabunden auf Luxusfahrt: Wohnmobile liegen im Trend

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Allein mit den Alpengipfeln: Auf dem Col d’Izoard haben drei Wohnmobile aus Kassel den idealen Stellplatz auf 2360 Metern Höhe gefunden. Wenn die Biker, Radfahrer und Autos am Abend die Passhöhe in den französischen Alpen verlassen haben, teilen sich die Camper die Stille nur noch mit pfeifenden Murmeltieren und scheuen Gämsen.

Düsseldorf. Etwa 590 Aussteller präsentieren beim Caravan Salon ihre neuesten Wohnmobile und Wohnwagen. Das Messegelände ist riesig, das Angebot geradezu überwältigend.

Wer an die Anschaffung eines eigenen Reisemobils denkt und sich in Düsseldorf handfeste Information und Inspiration holen will, ist daher gut beraten, die eigenen Wünsche vor dem Messerundgang klar zu benennen.

Das fängt beim Preis an. Wer keine 100.000 Euro und mehr für ein Luxusmobil parat hat, kann die Halle mit den Dickschiffen gleich links liegen lassen und sich auf die Alkoven-Modelle oder die Teilintegrierten konzentrieren. Richtige Größe finden: Der Alkoven mit dem Doppelbett über dem Fahrerhaus ist etwas aus der Mode gekommen. Zu Unrecht: Wer die kleine Kletterpartie per Leiter unters Dach gut bewältigt, bekommt in einem 5,60-Meter-Wagen eine unerreicht üppige Wohnfläche samt großem Badezimmer mit Dusche und WC geboten. Und in engen Innenstädten passen die kleinen Raumwunder oft auf einen normalen Pkw-Parkplatz.

Teilintegrierte, bei denen Fahrerkabine und Wohnbereich eine Einheit bilden, sind heute am stärksten gefragt und bieten für jeden den passenden Grundriss: Das Hubbett unter der Autodecke eignet sich für Reisende, die gemeinsam schlafen gehen. Denn wird das Bett abgesenkt, kann darunter niemand mehr am Tisch sitzen.

Weil Teilintegrierte oft über sieben Meter lang sind, bieten sie meist im Heck komfortable Liegeflächen, mal kuschelige Doppelbetten oder den Tiefschlaf fördernde Einzelbetten links und rechts an den Fahrzeugwänden, oft über eine kleine Treppe erreichbar. Darunter befindet sich oft eine Heckgarage mit riesigem Stauraum, in die mitunter sogar die Räder passen. Die Preise: Billig ist das alles nicht, 80.000 Euro sind längst nicht die Preisspitze. Da lohnt sich der Blick zum Gebrauchten: Viele Händler vermieten ihre Mobile nur eine Saison, nach einem Sommer haben die meist um die 30.000 Kilometer auf dem Tacho, sehen aus wie neu und liegen bis zu 20.000 Euro unter dem Listenneupreis. Und die Herstellergarantie von meist fünf Jahren für den Wohnmobil-Aufbau gibt Sicherheit. Um auf Internetportalen wie mobile.de fündig zu werden, sollte man sich aber schon für das passende Modell entschieden haben, sonst wird die Suche uferlos. Wann lohnt sich das?

Das eigene Wohnmobil ist für immer mehr Menschen ein Lebenstraum. Doch auch beim Träumen sollte der Blick für die Realität nicht ausgeblendet werden. Wer im Jahr drei Wochen Wohnmobil-Urlaub plant, braucht kein eigenes, auch wenn die Miete zwischen 90 und 150 Euro pro Tag kostet. Die monatlichen Kosten für das eigene Wohnmobil summieren sich mit Finanzierung, Abschreibung und Unterhalt leicht auf 500 Euro und mehr. Und ein sicherer Abstellplatz für das große Lieblingsteil sollte auch vorhanden sein.

Service: So geht es zum Caravan-Salon

Ort: Messe Düsseldorf. Anfahrt über A 44, Ausfahrt 29. Navigationsgerät: Düsseldorf, Am Staad
Öffnungszeiten: Publikumstage: 29. August bis 6. September von 10 bis 18 Uhr.
Tageskarten: Erwachsene 14 Euro, Schüler, Studenten, Auszubildende zehn Euro. Fachbesucher: 30 Euro.
Anreise: Mit der Bahn zum Sondertarif von bundesweit 99 Euro (2. Klasse). Die Tickets haben Zugbindung.
Eintrittskarten, Zugtickets und viele Infos finden sie hier.

Das rollende Heim – Modelle für verschiedene Ansprüche

Kompakt: Der Kastenwagen

Alles ist raffiniert angeordnet auf kleinstem Raum vorhanden. Viele nutzen den Bus auch als Pkw für den Alltag. Der Kasten beansprucht nicht mehr Platz als eine große Limousine, ist in den Anschaffung aber oft genauso teuer wie ein „richtiges“ Wohnmobil. Ab 40.000 Euro.

Aufgebockt: Der Pickup

Er verbindet das Beste von Wohnwagen und Wohnmobil: Der Wohnmobil-Aufsatz kann vom Pritschenwagen abgekoppelt werden und bleibt bei Ausflügen am Zielort zurück. Der Wohnaufsatz bietet trotzdem den Komfort eines mittelgroßen Wohnwagens. Bild: Tischer Trail 220 mit VW Amarok. Ab 65.000 Euro.

Anhängsel: Der Caravan

Immer noch das häufigste Camperhaus mit dem Vorteil, am Zielort Fahrten nur mit dem Pkw unternehmen zu können. Anschaffung und Unterhalt sind günstiger als beim Wohnmobil. Der Wohnwagen bleibt gern den ganzen Urlaub lang an einem Ort oder wird gar auf dem Dauer-Campingplatz fest eingebaut. Foto: T@b 320 RS von Knaus Tabbert. Knapp 10.000 Euro.

Luxusklasse: Die Integrierten

Jede Menge Wohn- und Stauraum, eine Fahrerkabine, die in den Wohnbereich übergeht und jede Menge Extras bis hin zum versenkbaren Fachbild-Fernseher: Vollintegrierte Reisemobile gelten als die Königsklasse der Fahrzeuge. Der Luxus hat seinen Preis: Fahrzeuge wie die StarLine S von Hymer kosten oft 100.000 Euro.

Reisemobile: Die Branche brummt

Düsseldorf. Die Zahl der Camper, die mit dem rollenden Heim auf Tour gehen, wächst. So wurden in den vergangenen zwölf Monaten von August 2014 bis Juli 2015 nach Angaben des Caravaning-Industrie Verbandes (CIV) 18 485 Caravan-Anhänger neu zugelassen, 9,8 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Die Zahl der motorisierten Reisemobile wuchs um 8,5 Prozent auf 27 924. Auch in der Region sind die Freizeitfahrzeuge beliebt: So sind etwa in Stadt und Kreis Göttingen 1082 Wohnmobile sowie 1345 Wohnwagen zugelassen.

„Immer mehr suchen Geborgenheit im eigenen Reich“, begründet CIV-Geschäftsführer Hans-Karl Sternberg den seit Jahren anhaltenden Boom.

Die Hersteller haben deshalb ihre Produktion kräftig ausgebaut – allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um 11,1 Prozent auf 43 836 Fahrzeuge. Jedes zweite davon ging in den Export. Den aktuellen Bestand in Deutschland schätzt der Verband auf 1,3 Millionen Reisemobile und Caravans. (tom/wll)

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