Erstmals seit 2011

Wolf wieder sesshaft in Hessen: Nachweis für zweites Tier in Nordhessen erbracht

Wölfe
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Wegen zahlreicher Sichtungen und Fotonachweise: Zwei sesshafte Tiere in Hessen bestätigt.

Der Wolf ist in Hessen wieder sesshaft. Das ergaben DNA-Analysen aus dem Vogelbergkreis. Der Nachweis eines zweiten sesshaften Tieres in Nordhessen glückte.

  • Der Wolf* ist offiziell zurück in Hessen - nun auch zweites Tier bestätigt
  • Der letzte in Hessen sesshafte Wolf starb 2011 an unbekannter Ursache  
  • Das Land Hessen hat sich mit speziellen Maßnahmen auf die Rückkehr des Raubtieres vorbereitet

Update, 16.04.2020, 12.06 Uhr: In Nordhessen ist ein Wolf sesshaft geworden, damit gibt es hessenweit nun zwei angesiedelte Wölfe. Noch vergangene Woche hieß es, die Wölfin in Nordhessen sei nicht mehr in der Gegend, doch nun gelang der Nachweis. Im Rahmen des hessischen Wolfmonitorings wurde ersichtlich, dass sich nun doch ein zweites Tier in Hessen niedergelassen hat. Zuerst wurde das Vorhandensein von einem weiblichen Wolf im Vogelsberg betätigt, nun ist es eine Wölfin in Nordhessen. Dies hat eine Genanalyse für das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) ergeben.

Die Wölfin hält sich seit mehr als einem halben Jahr im Umkreis des „Stölzinger Gebirges“ in Nordhessen auf. Dort treffen die Landkreise Schwalm-Eder, Hersfeld-Rotenburg und Werra-Meißner aufeinander. Zum ersten Mal wurde das weibliche Tier am 01.08.2019 im Schwalm-Eder-Kreis nachgewiesen. Sie riss nahe Herlefeld ein Rotwild.

Später wurde dieselbe Wölfin bei weiteren Rissen genetisch nachgewiesen, zuletzt im November im Werra-Meißner-Kreis. Am 10.03.2020 wurde ihre Anwesenheit erneut bestätigt, nachdem sie abermals ein Rotwild gerissen hatte. Damit gilt die Wölfin, mit der Kennung GW1409f, in diesem Gebiet als standorttreu und ist somit der zweite nachgewiesene Wolf in Hessen.

Wolf in Hessen: Weibchen in Vogelsbergkreis nachgewiesen

Update, 12.04.2020, 11.40 Uhr: Trotz zahlreicher Hinweise ist bisher noch kein zweiter Wolf in Hessen heimisch geworden. Eine Wölfin ist im Vogelsbergkreis sesshaft geworden. Als sesshaft gilt ein Wolf, wenn er innerhalb von sechs Monaten mehrfach genetisch an einem Ort nachgewiesen wurde - dann gilt in Fachkreisen das Wolfsterritorium als gegründet.

Das war bei dem Weibchen im Vogelsberg der Fall. Zuerst genetisch identifiziert wurde das Tier im Vogelsbergkreis im Juli 2019 durch eine Kotprobe, zuletzt Anfang März 2020 durch die Genprobe bei einem gerissenen Reh.

Wolf in Hessen: Tier in Nordhessen wohl nicht sesshaft

Bei einer zweiten Wölfin, deren Gene in den nordhessischen Landkreisen Hersfeld-Rotenburg, Schwalm-Eder und Werra-Meißner mehrfach nachgewiesen worden war, seien zuletzt keine Spuren mehr gefunden worden. Das berichtet die hessische Wolfsbeauftragte Susanne Jockisch gegenüber der dpa. 

Demnach konnte der letzte genetische Nachweis dieser Wölfin in Nordhessen im November 2019 erbracht werden, seitdem habe es keine weitere Spur mehr gegeben. Da die Tiere in einer Nacht teils kilometerlange Strecken zurücklegen, könne sich das laut der Expertin allerdings auch wieder ändern.

Wolf in Hessen: Erstmals seit 2011 wieder ein Tier sesshaft

Erstmeldung, 12.03.2020, 6.29 Uhr: Wird ein Wolf länger als ein halbes Jahr in einem Gebiet  anhand seiner DNA nachgewiesen, gilt er als sesshaft. Im Vogelsbergkreis konnte jetzt bestätigt werden, das dort eine Wölfin wieder sesshaft ist, gab das Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie am 03.03.2020 bekannt.  Das ergaben DNA-Tests an einem gerissenen Reh am Ortsrand von Unter-Seibertenrode.  

Die Wölfin mit der Kennung GW1166f konnte das erste Mal in Hessen am 21.02.2019 identifiziert werden. Damals allerdings noch bei Hersfeld Rotenburg. Der erste Wolf-Nachweis im Vogelbergkreis konnte durch einen Gentest an einer am 12.07.2019 gefundenen Kotprobe erbracht werden. Im Oktober des vergangenen Jahres kam es zu zwei weiteren Nachweisen in der Region. Alle am "Senckenberg Forschungsinstitut für Wildtiergenetik" in Gelnhausen durchgeführten Tests verwiesen auf die Grauwölfin. 

Wolf in Hessen: Nachweise im Jahr 2020 

Im Jahr 2020 kam es bisher schon zu insgesamt 8 Wolf Nachweisen im Land Hessen. Zudem kam es bereits zu 17 gemeldeten Fällen, die einen Verdacht auf den Wolf nahelegten. Davon wurden bereits 11 Fälle abschließend im Labor untersucht. 

Bei den meisten dieser Fälle wurde die DNA von Hunden oder Füchsen nachgewiesen. Somit konnte ein Wolf hierbei ausgeschlossen werden. Bei den anderen 6 Fällen konnte entweder keine Artbestimmung durchgeführt werden oder diese konnte nicht eindeutig zugeordnet werden. 

Der letzte Wolf in Hessen starb 2011 aus unbekannter Ursache

Der letzte sesshafte Wolf in Hessen war ein Rüde. Er hatte sein Territorium im Reinhardswald. Der Rüde war der erste der seit der Ausrottung wieder in Hessen ansässig wurde. Ab 2008 galt der Reinhardswald als das Territorium des Wolfes. 

Wolf in der Nähe von Kassel im Jahr 2015

Am 13.04.2011 wurde der Wolf dann allerdings tot aufgefunden. Die Todesursache ist bis heute unklar. Bei diesem Wolf handelte es sich um einen sogenannten Altwolf. Das bedeutet, dass er bereits älter als 2 Jahre alt war. 

Seit dem Jahr 2020 kam es in Hessen zu 7 weiteren Totfunden von Wölfen. Die Todesursache war in sämtlichen Fällen ein Verkehrsunfall.

Das Land Hessen ist auf den Wolf vorbereitet

Umweltministerin Priska Hinz sprach am Dienstag, den 03.03.2020, in Wiesbaden auch die Bedenken der Weidetierhalter in Hessen an. 

Im Monat März habe die Landesregierung die Herdenschutzprämien auf 40 Euro pro Hektar aufgestockt. Diese soll auch insgesamt auf 1.000.000 Euro angehoben werden. 

Sie bestätigte zudem, das entstandener Wolf-Schaden an Weidetieren von der Landesregierung zu 100% ersetzt werde. Ähnlich wie in anderen Bundesländern kann diese Entschädigung aber nur abgerufen werden, wenn zuvor ein Grundschutz der Tiere vorhanden war. 

Das ist der Grundschutz für den Wolf in Hessen 

In Hessen verpflichten sich alle Herdentierhalter, die eine Herdenschutzprämie in Anspruch nehmen, zu diesem Grundschutz vor dem Wolf. Als Grundsicherung gelten in Hessen Festzäune mit einer Höhe von 120 Zentimetern und einer zusätzlich Stromführenden Leitung. Alternativ kann auch ein Elektrozaun von mindestens 90 Zentimetern Höhe angebracht werden. 

Bei beiden Varianten ist neben einer täglichen Kontrolle, ein Bodenabschluss des Zaunes unumgänglich. Landwirten stehen außerdem noch weitere Förderprogramme zur Verfügung. 

Auch im Werra-Meißner-Kreis werden Wolf-Aktivitäten vermutet.* Dort machten Spaziergänger einen grausigen Fund während ihres Waldspaziergangs. Doch ob der Wolf verantwortlich ist, ist noch nicht bekannt. 

Bereits im vergangenen Jahr wurde über die Rückkehr des Raubtieres spekuliert. Jetzt ist der Wolf amtlich bestätigt worden.

In Niedersachsen wurde eine trächtige Schaf-Mutter vom Wolf gerissen. Lämmchen "Flecki" ist deshalb ein kleines Wunder. 

Auch im Allgäu ist der Wolf keine Seltenheit mehr. Mit einem genialen Trick gelang es Mitarbeitern eines Naturparks eines der Tiere zu fotografieren.

Auch in Nordrhein-Westfalen ist der Wolf* keine Seltenheit mehr. Am Karsamstag konnte hier sogar ein Angriff auf einen Hirsch gefilmt werden.

Video: So wichtig ist der Wolf 

*hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

In Hessisch Lichtenau (Hessen) wurden mehrere Weidetiere tot aufgefunden. Ob ein Wolf* dafür verantwortlich ist, kann noch nicht gesagt werden.

Im Hübental in Hessen wurden zwei Lämmer kurz nach ihrer Geburt gerissen. Ob ein Wolf* dafür verantwortlich ist, wird der DNA-Test zeigen.

In einigen Landkreisen im nördlichen Hessen könnte sich der Wolf pudelwohl fühlen. Das zeigt eine neue Studie.

In Deutschland ist es verboten sogenannte Wolf-Hybriden* zu halten. Jetzt hat eine Stiftung für Bären zwei dieser Tiere aus einer illegalen Haltung gerettet. 

Von Lucas Maier und Diana Rissmann (mit dpa)

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