Population wächst

Jagdverband warnt: Wolfsbegegnungen in Großstädten immer wahrscheinlicher

In Deutschland wächst die Population der Wölfe. Der Jagdverband ist besorgt. Denn: Begegnungen mit dem Tier auch in Großstädten könnten regelmäßiger werden.
+
In Deutschland wächst die Population der Wölfe. Der Jagdverband ist besorgt. Denn: Begegnungen mit dem Tier auch in Großstädten könnten regelmäßiger werden.

Der Wolf ist in Deutschland wieder heimisch. Nun warnt der Jagdverband, dass Begegnungen mit dem Tier auch in Großstädten immer wahrscheinlicher werden.

Kassel – Mensch und Wolf haben eine wechselvolle Geschichte*. Die Jagd auf Wölfe erfolgte schon im Mittelalter und auch mit dem Beginn großer Waldrodungen wurde der Lebensraum des Tieres immer kleiner. Schon bald waren die meisten Wölfe in Deutschland ausgerottet. Erst mit den 1990er-Jahren wuchs die Population von Wölfen hierzulande wieder. Inzwischen geht der Deutsche Jagdverband sogar davon aus, dass Begegnungen mit dem Tier in Großstädten immer häufiger stattfinden könnten.

„Es ist nicht so wie in den grimmschen Märchen, dass Wölfe nur durch finstere Wälder streifen. Die gibt es in unserer Kulturlandschaft ohnehin kaum noch“, erklärte Helmut Dammann-Tamke, Vizepräsident und Wolfsbeauftragter, der Neuen Osnabrücker Zeitung. Grund für Begegnungen in größeren Stadtgebieten sei primär das rasante Wachstum der Population.

Wolf in Deutschland: Tier bereits mitten in Köln gesichtet

Bereits im Mai wurde mitten in Köln-Ehrenfeld ein Wolf* gesichtet. „Das ist extrem selten, dass so etwas passiert – aber es passiert“, sagte ein Sprecher des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) damals. Laut nordrhein-westfälischer Umweltministerin Ursula Heinen-Esser soll dieser sogar aus den Alpen stammen. Ungewöhnlich sei das aber nicht, da Wölfe je nach körperlicher Verfassung 40 bis 60 Kilometer pro Tag zurücklegen können, so die Ministerin.

Auch westlich von Berlin soll sich ein Wolfsrudel angesiedelt haben. Wie die Heinz Sielmann Stiftung mitteilte, soll es sich dabei um zwei Elterntiere und vier Welpen handeln. Das Gebiet ist nur 30 Kilometer vom Alexanderplatz in Berlin-Mitte entfernt.

Wolfsbegegnung in Großstädten immer wahrscheinlicher – und nicht immer friedlich

Der Wolf ist also nicht mehr nur im ländlichen Raum vorzufinden. Ähnlich wie Wildschweine, die auch in Städten zu sehen sind, könne sich der Wolf laut dem Wolfsbeauftragten Dammann-Tamke anpassen. Wildschweine hätten gelernt, dass von Menschen keine Gefahr ausgeht. „Warum sollte dieser Lerneffekt nicht auch beim Wolf eintreten?“, so Dammann-Tamke gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Dass die Begegnungen mit dem Wolf immer friedlich ablaufen, könne der Wolfsbeauftragte aber niemandem garantieren. So könnten etwa Hunde als Gefahr betrachtet und angegriffen werden. Eine Frau aus Nordhessen etwa begegnete mit ihrem Hund einem Wolf* während eines Spaziergangs im Wald.

ArtWolf
GattungWolfs- und Schakalartige
Wissenschaftlicher NameCanis lupus
soziale OrdnungRudel

Wolf in Deutschland hat ein schlechtes Image

Wie das Wolfsinformationszentrum Schleswig-Holstein im Wildpark Eekholt schreibt, wurde das schlechte Image des Tieres besonders durch Vorurteile und Ängste manifestiert, zum Beispiel durch Märchen und Filme. Von gesunden Wölfen gehe normalerweise keine Gefahr aus, da Menschen nicht zum Beuteschema der Tiere gehören. Bei einer Begegnung reagieren sie daher in der Regel schreckhaft und nicht aggressiv.

Dennoch können mit Tollwut infizierte Wölfe gefährlich sein. Laut einem Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) hat Deutschland aber mit sogenannten Impfködern die Tollwut bei Wild- und Haustieren weitgehend beseitigt. Der letzte Tollwut-Fall hierzulande trat 2006 bei einem Fuchs auf.

Wolf in Deutschland: Meinungen zur Bestandsregulierung sind gespalten

In jedem Fall polarisiert der Wolf. Die Meinungen zur Bestandsregulierung des Tieres sind gespalten – vor allem Tierhalter sind in Sorge. So hat etwa ein Schäfer aus Hessen aufgrund zunehmender Sichtungen des Wolfs* seine Herde abgegeben. Laut einem jährlichen Bericht zu Prävention und Nutztierschäden der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) wurden im Jahr 2020 insgesamt 3959 Nutztiere gerissen. Die meisten davon sind Ziegen und Schafe. „Übergriffe auf Nutztiere kommen vor allem dort vor, wo Schaf- und Ziegenhalter sich noch nicht auf die Anwesenheit von Wölfen eingestellt und Schutzmaßnahmen getroffen haben“, heißt es in dem Bericht.

Von Wölfen verursachte Risse können allerdings auch Konsequenzen nach sich ziehen. So wurden im vergangenen Jahr in Niedersachsen drei Wölfe zum Abschuss freigegeben. (kas) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.