1. Startseite
  2. Welt

YouTube-Eltern filmen Tochter gegen ihren Willen

Erstellt:

Von: Lukas Zigo

Kommentare

YouTube
Das Logo der Internet-Videoplattform YouTube. © Monika Skolimowska/dpa

Eine Teenagerin wendet sich allein an die Öffentlichkeit, um auf das missbräuchliche Verhalten ihrer Eltern hinzuweisen. Ihr Schicksal ist kein Einzelfall.

Seit einigen Jahren existiert das Phänomen der Familien-Kanäle auf YouTube. Es handelt sich um YouTube-Kanäle, in denen Familien das Leben ihrer Kinder im Internet präsentieren. Da solche Kanäle teils über 10 Millionen Aufrufe pro Video einfahren, ist dies auch mit viel Geld verbunden. Und obwohl es ein Gefälle bei der Skrupellosigkeit dieser Familien-Kanäle gibt, so kann doch argumentiert werden, dass Babys und junge Kinder nicht in der Lage sind, zu so etwas wirklich einzuwilligen.

Wozu diese Ausgangslage führen kann, zeigt ein Fall aus den USA. Als eine 17-Jährige – deren Identität nicht bekannte ist – ihre Eltern dazu aufforderte, Videos von ihr zu löschen, kamen diese der Bitte nicht nach. Als sich das Mädchen eigenhändig einen Instagram und TikTok Account erstellte und ihre Situation schilderte, wurde das Internet aktiv und meldete die Videos. Dadurch wurde der Kanal „demonetised“, das bedeutet, dass die Betreiber kein Geld mehr mit diesen Videos verdienen können.

YouTube-Kanal zeigt Kinder aufwachsen „Begann, als ich 13 war“

Die 17-Jährige teilte ihre Geschichte auf der beliebten Reddit Seite „Bin ich ein A****loch“ und bat Nutzer darüber zu urteilen, ob sie die Schuldige in der Situation ist, da sie ihre Probleme öffentlich machte.

In dem Beitrag schrieb sie: „(Der Kanal) begann, als ich 13 war und jetzt bin ich 17. Zuerst habe ich bei dem YouTube-Kanal mitgemacht, weil er Spaß zu machen schien und ich nicht erwartet habe, dass er so groß wird, aber das ist er irgendwie, und auch andere Dinge, die passiert sind, haben mich dazu gebracht, es als schlechte Idee zu sehen.“

„Seit ich älter geworden bin, bekomme ich gruselige Kommentare und werde online belästigt, und ich habe das Gefühl, dass ich mich zu Hause nicht entspannen kann, weil mein Zuhause eine Content-Farm ist (ein Ort, der ausschließlich der Produktion von Inhalten dient). Ich habe viel mit meiner Familie gestritten. Sie haben zugestimmt, mich nicht mehr zum ‚Thema‘ von Videos zu machen, aber so viele ‚Familienfotos und -videos für die Familie‘ landen im Internet, dass ich das Gefühl habe, dass ich immer noch genauso oft in Videos zu sehen bin wie meine Geschwister.“

YouTube-Familien-Kanäle nutzen ihre Kinder für Geld aus

Den Eltern des Mädchens geht es dabei um die Einnahmen aus den Videos, wie das Mädchen in ihrem Reddit-Post verrät. „Sie argumentierten, dass sie nur meine Geschwister gefilmt haben und ich ‚in der Nähe‘ war – natürlich bin ich in der Nähe, ich wohne hier? Außerdem wollten sie alte Videos nicht löschen, weil sie Werbeeinnahmen generieren.“

Da sich ihre Mutter wie Vater weigerten, ihrer Bitte nachzukommen, beschloss die Teenagerin, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Sie erstellte ihren eigenen Instagram- und TikTok-Account, um den YouTube-Kanal zu kritisieren.

Teenagerin erzählt der Öffentlichkeit von ihren Sorgen und Ängsten

Dort erzählte sie den Zuschauern: „Ich bin das Mädchen aus dem … Familienblogging-Kanal. Ich fühle mich nicht wohl dabei, dass mein Leben für Internet-Inhalte verwendet wird, und ich bin nicht damit einverstanden, dass man mich zu Hause oder in meinem täglichen Leben filmt.“

„Wenn Sie andere Videos oder Fotos von mir sehen, verstehen Sie bitte, dass ich kein Einverständnis gegeben habe. Ich möchte ein privates Leben führen, ohne belästigt zu werden, und ohne dass ich in meinem eigenen Haus gefilmt werde. Wenn Sie sich also diese Videos angesehen haben, würden Sie bitte ihr Abonnement beenden? Und würden Sie alle Inhalte, die Sie von mir gesehen haben, melden? Ich melde alles, was ich kann, sowohl um meiner selbst willen als auch um meines kleinen Bruders und meiner kleinen Schwester willen, die noch zu jung sind, um ernsthaft in so etwas einzuwilligen.“

YouTube: In den Videos sind auch ihre sieben und neun Jahre alten Geschwister zu sehen

Neben der 17-Jährigen sind in den Videos auch ihre zwei Geschwister im Alter von sieben und neun Jahren zu sehen. Doch schon bald zeigen die anprangernden Videos Wirkung. „Die Leute müssen die Videos gemeldet haben“, vermutet die Teenagerin.

Sie fügte hinzu: „Sie sind wütend auf mich, weil ich ihr Einkommen beeinträchtigte, und ich haben sie angeschrien, dass sie erwachsen werden und sich einen richtigen Job suchen müssen, der nicht davon abhängt, ihre Kinder für das Internet zu filmen. Das ist verdammt gruselig und außerdem ist Kinderarbeit illegal.“

Gemäß der YouTube-Richtlinie zum Schutz von Kinder sind Inhalte, die „Cybermobbing und Belästigung von Minderjährigen“ beinhalten, nicht erlaubt, einschließlich der Aufnahme von Personen „ohne deren Zustimmung“. (lz)

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.
Die Redaktion