Aufgenähtes Emblem gleicht Davidstern

Entsetzen um Zara-Mode: T-Shirt erinnert an Kleidung von KZ-Häftlingen

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Blau-weiße Streifen, ein Hemd mit aufgenähtem gelben Stern: Was die spanische Modekette Zara in ihrer neuen Kinder-Kollektion verkaufen wollte, sorgt jetzt für Entsetzen.

Blau-weiße Streifen, ein Hemd mit aufgenähtem gelben Stern – was die spanische Modekette Zara in ihrer neuen Kinder-Kollektion verkaufen wollte, sorgt jetzt für Entsetzen. Die Farben und das einem Davidstern gleichende Symbol erinnern fatal an die Kleidung, die jüdische Häftlinge in Konzentrationslagern während der NS-Zeit tragen mussten.

Das T-Shirt fand sich im Online-Shop unter der Kategorie „Zurück in der Schule“ und war für Kinder von drei Monaten bis zu drei Lebensjahren gedacht. Zumindest solange, bis israelische Medien gestern darauf aufmerksam wurden und Bilder des Kleidungsstücks veröffentlichten.

Andere Fälle

Mit zweifelhaften Bezügen zur Nazi-Zeit haben schon mehrere Firmen Schwierigkeiten bekommen. So vertrieb eine Möbelkette kurzzeitig unfreiwillig eine Tasse mit Adolf-Hitler-Emblem. Und die Waschmittelmarke Ariel sorgte für Spott, als sie ein Waschmittel mit „88 Wascheinheiten“ und „neuer Konzentration“ bewarb. Die Zahl 88 wird unter Rechtsradikalen als Chiffre für "Heil Hitler" verwendet. (rpp)

Es dauerte nicht lange, bis sich das Entsetzen Bahn schlug. „Das Zara-Angebot erinnert an eine finstere Ära“, schrieb beispielsweise die israelische Zeitung Haaretz in ihrer Online-Ausgabe. Auch in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter formierte sich die Empörung.

Am Mittwochnachmittag folgte dann die Entschuldigung: Die Modekette Zara wies in dürren Worten darauf hin, dass der Entwurf der T-Shirts von Western-Filmen inspiriert gewesen sei. Die gelben Sterne auf den Kinderhemden trugen die Aufschrift „Sheriff“. Dieser war allerdings schlecht zu erkennen.

„Im Nachhinein kann man sagen, dass die T-Shirts ein Fehler waren“, hieß es kleinlaut aus Kreisen des Mutterkonzerns Inditex, dem Zara angehört. Die Hemden seien zurückgezogen worden, sagte eine Sprecherin. Die T-Shirts seien nur in drei Ländern für Stunden im Internet angeboten worden. Zara betreibt mittlerweile mehr als 1800 Läden, darunter einen in Kassel, und beschäftigt mehr als 25 000 Menschen.

Während der NS-Zeit mussten ab 1935 alle Personen, die als Juden galten, einen sogenannten Judenstern tragen. Er bestand aus dem gelben Davidstern sowie der Aufschrift „Jude“. Der Judenstern diente zur Ausgrenzung dieser Personengruppe. Das Tragen war außerdem ein sichtbares Zeichen für die Deportation und spätere Ermordung in den Konzentrationslagern. (rpp/dpa)

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