Sommer- oder Winterzeit

Zeitumstellung: Daran scheitert die Abschaffung

Die Uhren werden schon wieder zurückgedreht. Doch sollte die Zeitumstellung nicht längst Geschichte sein? Was aus dem Vorhaben geworden ist.

Kassel – Am kommenden Wochenende ist es wieder so weit. In der Nacht von Samstag auf Sonntag (31.10.2021) werden die Uhren für die Winterzeit um eine Stunde zurückgestellt. Beliebt ist dieses System der Zeitumstellung alle sechs Monate nicht. Laut einer EU-weiten Umfrage unter 4,6 Millionen Menschen hatten sich 2018 mehr als 80 Prozent für eine dauerhafte Abschaffung der Zeitumstellung ausgesprochen – vor allem Deutsche.

Die Botschaft kam an: Die EU-Kommission stimmte zu, die Zeitumstellung zu kippen. An diesem Sonntag sollte sie eigentlich das letzte Mal stattfinden. Doch was ist aus der Abschaffung geworden?

Zeitumstellung: Was ist aus der Abschaffung geworden?

„Wir haben eine öffentliche Umfrage gemacht, Millionen haben geantwortet und sind der Auffassung, dass es so sein sollte, dass die Sommerzeit in Zukunft für alle Zeit gilt. So wird das auch kommen, die Menschen wollen das, so machen wir das“, sagte Jean-Claude Juncker aus Luxemburg damals. Ein Jahr später stimmte auch das Europaparlament zu.

Doch seitdem folgt immer die gleiche Auskunft des jeweils zuständigen Kommissionssprechers, berichtet der MDR. „Das ist eine Frage, die mir saisonal alle Jahre zweimal gestellt wird, jedes Mal bevor die Uhrzeit umgestellt wird“, heißt es nun, im Herbst 2021, von Stefan De Keersmaecker. „Und ich kann ihnen das sagen, was ich bereits vor sechs Monaten gesagt habe, als ich das wiederholte, was ich bereits weitere sechs Monate zuvor sagte: Die Kommission hat 2018 ein Ende der Zeitumstellung beschlossen und der Ball ist nun im Feld der Mitgliedsstaaten, die sich im Rat auf eine gemeinsame Position einigen müssen.“

Die Umstellung von Sommer- auf Winterzeit steht wieder an. Doch warum wurde die Zeitumstellung noch nicht abgeschafft? (Symbolbild)

Was meint De Keersmaecker damit? In Europa gibt es weiterhin Länder, die sich gegen die Abschaffung der Zeitumstellung wehren, darunter Portugal, Zypern oder Griechenland. Einige weitere EU-Mitgliedsstaaten können sich nicht einigen, ob danach dauerhaft die Sommerzeit oder die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) gelten soll.

Zeitumstellung noch nicht abgeschafft: EU befürchtet Flickenteppich

Das ist innerhalb der großen zentraleuropäischen Zeitzone, die sich von Spanien bis nach Polen erstreckt, auch nicht überall eine leichte Entscheidung. In Deutschland hat es, relativ gesehen, nicht allzu große Auswirkungen, ob künftig nur die Sommer- oder Winterzeit gilt. In Polen würde die dauerhafte Winterzeit hingegen bedeuten, dass es im Sommer gegen 3.15 Uhr morgens hell werden könnte. Bulgarien, Finnland, die Niederlande und Tschechien bevorzugen laut MDR hingegen die Winterzeit. Und in Spanien und Portugal hieße eine ständige Sommerzeit, dass es im Winter bis kurz vor 10 Uhr dunkel ist.

Termine für die Zeitumstellung 2021/22
Sonntag, 31. Oktober 2021Uhr wird von 3 Uhr auf 2 Uhr zurückgestellt
Sonntag, 27. März 2022Uhr wird von 2 Uhr auf 3 Uhr vorgestellt
Sonntag, 30. Oktober 2022Uhr wird von 3 Uhr auf 2 Uhr zurückgestellt

Grünen-Politikerin Anna Cavazzini, Vorsitzende des Ausschusses für Binnenmarkt und Verbraucherschutz, sieht auch die Gefahr, dass die Beibehaltung des Status Quo dazu führen könnte, dass viele Menschen abermals von der EU enttäuscht sind: „Die Situation ist aber ehrlich gesagt auch gar nicht so einfach. Ich persönlich finde es einfach total wichtig, dass wir nicht in einem Flickenteppich landen.“

Zeitumstellung umstritten: Abschaffung hängt von EU-Mitgliedsstaaten ab

Der geschäftsführende Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hatte vor einem Jahr schriftlich mitteilen lassen: „Die Bundesregierung erachtet zudem eine europaweite Folgenabschätzung als eine wichtige Voraussetzung für ein angemessenes und harmonisiertes Vorgehen. Die EU-Kommission hat bislang eine solche Folgenabschätzung noch nicht vorgelegt“ – weil sie es nicht kann.

Die Beurteilung der Folgen einer Abschaffung der Zeitumstellung liegt bei den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten, mit all ihren geografischen Besonderheiten. Heißt: Zunächst ändert sich für etwa 447 Millionen EU-Bürgerinnen und Bürger nichts. Früh am Sonntag springt der Zeiger auf der Uhr um eine Stunde zurück. (lrg)

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini/dpa

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