Von Samstag auf Sonntag werden Uhren eine Stunde vor gestellt

Zeitumstellung bringt Gefahren: Fragen und Antworten zum Thema

Kassel. In der Nacht zu Sonntag werden um zwei Uhr die Uhren um eine Stunde auf drei Uhr vorgestellt - die Sommerzeit beginnt. Wir haben Fragen und Antworten zum Thema.

Laut aktuellen Studien kann die Zeitumstellung nicht nur den gewohnten Tagesrhythmus durcheinanderbringen, sondern erhöht auch das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle.

Was sind das für Studien und was ist ihr Ergebnis? 

Lesen Sie hier einen Kommentar zum Thema.

Eine Studie der Krankenkasse DAK zeigt, dass in den ersten drei Tagen nach der Zeitumstellung mehr Menschen einen Herzinfarkt bekommen. In den vergangenen zehn Jahren waren es jeweils 20 Prozent mehr als an anderen Tagen. Eine finnische Studie, die bei der Amerikanischen Akademie für Neurologie vorgestellt wurde, zeigt: In den ersten zwei Tagen der Sommerzeit ist das Risiko für einen ischämischen Schlaganfall (häufigste Form des Schlaganfalls) acht Prozent höher als sonst. Laut Dr. Andreas Böger, Chefarzt der Klinik für Schmerzmedizin am Roten-Kreuz-Krankenhaus (RKH) in Kassel sind die Studien seriös und die Ergebnisse nachvollziehbar.

Warum häufen sich die Probleme in dieser Zeit? 

Der Körper ist auf einen 24-Stunden-Rhythmus geeicht, erklärt Böger. Wenn sich etwas verschiebt, leidet der Körper unter Stress. Stress ist ein Risikofaktor für die Gefäße im Körper, die dann nicht mehr ausreichend durchblutet werden können. Sowohl Schlaganfälle als auch Herzinfarkte gehen wiederum auf Gefäßprobleme zurück.

Gibt es Menschen, die besonders gefährdet sind? 

Laut Böger ist das Risiko höher, wenn Arterien eingeengt sind. Das ist unter anderem der Fall, wenn folgendes vorliegt: wenig Sport, Übergewicht, Rauchen, hoher Blutdruck, hohe Blutfettwerte.

Begünstigt die Zeitumstellung weitere Krankheiten?

Dr. Andreas Böger

In der Schmerzklinik beim RKH häufen sich in den ersten Tagen nach der Umstellung Migräne-Fälle. Hier ist der Stress durch Veränderung der inneren Uhr die Ursache. Laut der DAK-Studie kommen Symptome wie Erschöpfung, Konzentrationsstörungen, leichte Reizbarkeit und Schlafprobleme auch häufig vor.

Kann man die Auswirkungen der Umstellung lindern? 

Es gibt keine verlässlichen Studien über das beste Vorgehen nach der Zeitumstellung, erklärt Böger. Aus der Schlafforschung sei jedoch bekannt, dass die innere Uhr dann am besten läuft, wenn Menschen ihr Verhalten dem Rhythmus des natürlichen Tageslichts anpassen.

Hintergrund: Fakten rund um die Sommerzeit

Die Sommerzeit wurde in Deutschland 1980 aus Gründen der Energieeinsparung eingeführt. Die Überlegung: Wenn sich der Tag um eine Stunde nach vorne verschiebt, wird weniger Beleuchtung und damit weniger Strom verbraucht. Laut Kritikern sind die Spareffekte jedoch kaum nachweisbar. Es brennt abends zwar weniger Licht, dafür wird morgens im Frühjahr und Herbst mehr geheizt. Weiterer Nachteil: Weil Pendler mit dem Auto am Morgen quasi eine Stunde früher unterwegs sind, treffen sie öfter auf Wild, sodass die Unfallgefahr steigt. (afp)

Rubriklistenbild: © dpa

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