Von 2 auf 3 Uhr - Umstellung macht müde

Sommerzeit nicht vergessen: Uhr wird vorgestellt

Berlin. Die Suche nach den Schoko-Eiern könnte in diesem Jahr etwas schwieriger werden. In der Nacht zum Ostersonntag beginnt die Sommerzeit, die Uhren werden nachts eine Stunde vorgestellt – statt 2 ist es 3 Uhr.

Alle Funkuhren springen dann automatisch auf 3 Uhr, alle anderen müssen per Hand umgestellt werden.

Der Zeitsender in Mainflingen bei Frankfurt/Main wurde von den Wissenschaftlern der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB/Braunschweig) bereits auf Jahre im Voraus für die Umstellungen programmiert.

Mit einer Reichweite von mehr als 2000 Kilometern erreicht das Signal des Senders Funkuhren in fast ganz Europa. Bis zum letzten Wochenende im Oktober bleibt es damit abends eine Stunde länger hell. Dann wird wieder an der Uhr gedreht - zurück zur Winterzeit.

-- GESUNDHEIT LEIDET UNTER ZEITUMSTELLUNG --

Viele Menschen verspüren wegen der Zeitumstellung eine Art Mini-Jetlag, schlafen schlecht und sind morgens nicht fit. Die Mehrheit benötige zwei Tage, um sich an die Sommerzeit zu gewöhnen, sagt Schlafforscher Jürgen Zulley. Wer also noch im Mai bunte Eier hinterm Schrank findet, gehört vielleicht zu der großen Gruppe der Unausgeschlafenen. Die "verlorene" Stunde ist für einige Menschen zusätzlich ein Grund zum Ärgern – kann aber auch ein Anlass sein, sich Gedanken über die Zeit zu machen.

-- INNERE UHR: --

Neben den Uhren an Handgelenken, Türmen und Wänden gibt es auch die innere Uhr. Zeitforscher Karlheinz Geißler spricht von menschlicher Zeitnatur, Schlafforscher Zulley nennt sie auch den biologischen Rhythmus. "Der Mensch unterliegt wie alle Lebewesen dem Rhythmus der inneren Uhr", sagt Zulley. Diese sei sehr robust, ignoriere kurzfristige Änderungen und helfe den Menschen bei Störungen, wieder in den Alltag zurückzukehren – etwa wenn man eine Nacht durchmache.

Die innere Uhr hängt mit dem Tag-Nacht-Rhythmus zusammen. Der Münchener Chronobiologe Till Roenneberg sagt, dass die innere Uhr von Blinden, die kein Tageslicht wahrnehmen können, einen 25-Stunden-Rhythmus habe.

-- SOZIALER JETLAG: --

80 Prozent der Menschen bräuchten Wecker, um rechtzeitig zur Arbeit zu gelangen, sagt Roenneberg. "Jeder, der mit einem Wecker aufwacht, hat ein Schlafdefizit." An freien Tagen schlummere man dagegen gerne länger. Die innere Uhr befinde sich in einer anderen "Zeitzone" als die äußeren Uhren, die zum Beispiel den Arbeitsbeginn regeln - Roenneberg nennt dies den sozialen Jetlag.

-- SOMMERZEIT: --

Wenn beim Wechsel auf die Sommerzeit die Zeiger eine Stunde vorgestellt werden, müssen die Menschen laut Experte Roenneberg mit einem zusätzlichen sozialen Jetlag kämpfen. Das habe gesundheitliche Folgen: Die Zahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen steige.

Schlafforscher Zulley verweist auf Studien, wonach am ersten Montagmorgen der Sommerzeit acht Prozent mehr Verkehrsunfälle passierten als an einem normalen Montag.

-- GEFÜHLTE ZEIT: --

Menschen erleben Zeit als etwas sehr Individuelles. Der Zug mit der Liebsten kommt in einer Viertelstunde am Bahnhof an – der Verehrer aber schaut jede Minute gequält auf die Uhr. Ein schöner Sommerurlaub scheint dagegen nur so zu verfliegen, auch wenn er zwei Wochen dauert. "Wenn ich nichts zu tun habe, kommt mir die Zeit extrem lang vor", erklärt Zulley. Zudem spielten Gefühle eine Rolle: Warten erscheine sinnlos.

-- GESCHENKTE ZEIT: --

Wer warten muss, ärgert sich oft - könnte sich aber auch über die geschenkte Zeit freuen. Wie sich Menschen beim Warten verhalten, ist Geißler zufolge kulturell geprägt. Deutsche etwa schauten auf einem Flughafen in kurzen Abständen wiederholt auf die Uhr. Menschen aus südlichen Ländern dagegen nähmen häufiger Kontakt zu anderen Wartenden auf oder schauten sich neugierig um.

-- ZEIT ZUM UMDENKEN: --

Über Stress, Burn-out und die Sehnsucht nach mehr Muße und Zeit wird viel diskutiert. Geißler, der auch Zeitberatung für Unternehmen anbietet, plädiert für Pausen im Job und bezeichnet Gleitzeit als Fortschritt.

Diese empfiehlt er auch für Schulen. "Ein Schulbeginn um 9 Uhr wäre für 16-Jährige leistungsfördernd."

Damit die Menschen näher an ihrer inneren Uhr sein können, fordert Roenneberg flexiblere Arbeitszeiten - es habe sich gezeigt, dass zum Beispiel Frühaufsteher, die Nachtschichten haben, ein um das Dreifache erhöhte Brustkrebsrisiko hätten.

Es gibt Menschen, die ohne Uhren leben - und auch solche, die sich bewusst der Sommerzeit entziehen: "Ich kenne Menschen, die aus Protest ihre Uhren nicht umstellen", sagt Zulley. (dpa)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.