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Gilt ab März nur noch die Sommerzeit? So geht es weiter mit der Zeitumstellung

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Von: Matthias Lohr

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Bei dem ständigen Hin und Her und der Diskussion über die Zeitumstellung kann einem schon mal schwindlig werden. © Free-Photos/Pixabay

Laut einer EU-Umfrage sind 84 Prozent gegen die Zeitumstellung. Nun hat die EU den Zeitplan zur Abschaffung vorgestellt: Ab 2019 könnte nur noch Sommerzeit gelten. Experten warnen davor.

Wird die Zeitumstellung nun abgeschafft?

Danach sieht es derzeit aus. Am Mittwoch sagte EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker in Straßburg: "Die Zeitumstellung gehört abgeschafft." Dieser Meinung waren auch 84 Prozent der 4,6 Millionen Menschen, die sich an der Online-Umfrage der EU zu Sommerzeit und Winterzeit beteiligten. Die meisten hatten zudem für eine dauerhafte Sommerzeit plädiert. Sie denken wie der Schauspieler Sebastian Koch, der sich diese Woche mit anderen Prominenten für den EU-Vorstoß ausgesprochen hatte: "Ich mag es gerne, in den Abend hineinzuleben - und da ist es natürlich schön, wenn es länger hell ist."

Dabei ist immer noch nicht klar, ob es wirklich länger hell bleiben oder früher hell werden soll. Für die EU-Kommission ist es zwar "wünschenswert, dass die Mitgliedsstaaten in abgestimmter Weise die Entscheidungen über die Standardzeit treffen, die jeder von ihnen ab 2019 anwenden wird." Jedes einzelne Land müsste also noch einmal abstimmen, welche Zeit gelten soll.

Wann soll die Zeitumstellung abgeschafft werden?

Geht es nach Juncker, stellen wir die Uhren am 31. März 2019 das letzte Mal um. Der Christdemokrat findet: "Die Zeit drängt." In Ländern, die sich für die Winterzeit entscheiden, die eigentlich Mitteleuropäische Zeit (MEZ) heißt, würden die Uhren zum letzten Mal Ende Oktober 2019 eine Stunde zurückgestellt werden.

Das Video stammt nicht von hna.de, sondern von der Plattform Glomex.

Wird mit der ewigen Sommerzeit alles besser?

Das glauben Kritiker nicht. Viele denken wie der Schauspieler Koch nur an die lauen Sommerabende, an denen die Sonne dann später untergeht. Im Winter würde die ewige Sommerzeit jedoch die Nacht verlängern. Am 1. Januar ginge die Sonne in Kassel erst um 9.27 Uhr auf. Manche Kinder würden die Hälfte der Schulzeit im Dunkeln sitzen. Entscheiden sich die Deutschen umgekehrt für die Winterzeit, ginge die Sonne am 1. Juli bereits um 20.40 Uhr unter.

Aus medizinischer Sicht ist die Sommerzeit sogar gefährlich, wie Till Roenneberg vom Institut für Medizinische Psychologie der Universität München warnt: "Man erhöht die Wahrscheinlichkeit für Diabetes, Depressionen, Schlaf- und Lernprobleme - das heißt, wir Europäer werden dicker, dümmer und grantiger." Ohne Sonnenlicht am Morgen werden wir schwerer wach. Das kennt jeder von sich. Kritiker nennen die Abschaffung der Sommerzeit in Anlehnung an den umstrittenen EU-Brexit der Engländer und den Begriff für Uhr (clock) darum bereits "Cloxit".

Zudem könnte die EU noch mehr zu einem Flickenteppich werden, wenn die Uhren in einem Land so und in dem anderen so gehen. Bereits jetzt gibt es ja drei Zeitzonen: Acht Nationen sind Deutschland eine Stunde voraus, drei hinken eine Stunde zurück.

Wie viel Aussagekraft hat die EU-Umfrage zur Zeitumstellung?

Nicht viel. Sie ist nicht repräsentativ. Es haben sich nur 1,15 Prozent der 400 Millionen EU-Wahlberechtigten beteiligt. Und von denen kamen auch noch zwei Drittel aus Deutschland. Der Experte Andreas Bauch von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig kritisierte gegenüber der Deutschen Presseagentur dpa zudem, dass die Umfrage von der EU lediglich als "Suche nach einem Meinungsbild" verkauft worden sei und nicht als bindend: "Wenn in Braunschweig die Straßenbahn um zwei Kilometer verlängert werden soll, befragt man die Bürger, und es bedarf eines Quorums, damit die Entscheidung ein Gewicht bekommt. Soll das in der EU nicht gelten?"

Warum gibt es überhaupt die Zeitumstellung?

Weil man mit ihr unter anderem Energie sparen wollte. Das hat nur zum Teil geklappt. In Deutschland, wo die Uhren seit 1980 umgestellt werden, stellen die Menschen laut Umweltbundesamt dadurch an Sommerabenden zwar seltener das Licht an. Dafür heizen sie im Frühjahr und Herbst morgens mehr. Zudem kann das Hin und Her laut Medizinern zu Schlafstörungen führen. Manche ermüdet mittlerweile die ewige Diskussion um das Pro und Kontra. Ein Ende ist nicht in Sicht. Falls die Zeitumstellung nächstes Jahr Geschichte sein sollte, werden viele sagen: Früher, als wir noch die Uhren umgestellt haben, war es besser. Der nächste Wechsel von Sommer- auf Winterzeit findet übrigens in der Nacht auf den 28. Oktober statt. Da werden wir eine Stunde länger schlafen können.

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