Beerdigte er seine Toten?

Neuer Verwandter des modernen Menschen entdeckt

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Homo naledi war etwa 1,50 Meter groß und wog 45 Kilogramm.

Leipzig - Er konnte wohl gut klettern, sein Gehirn jedoch hatte bloß die Größe einer geballten Faust: In einer Höhle in Südafrika wurden Überreste einer womöglich unbekannten Menschenart gefunden.

Wissenschaftler haben zum ersten Mal Fossilien einer frühen Menschenart entdeckt, die wie der moderne Mensch einen Bestattungsritus pflegte. Forscher entdeckten in der Höhle Rising Star im Nordwesten von Johannesburg in Südafrika in einer Grabkammer die Fossilien der Homo naledi benannten, bisher unbekannten Menschenart, wie das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig am Donnerstag mitteilte. Diese Menschenart zeichnete sich demnach auch durch die Fähigkeit zu langen Wanderungen und zum Klettern aus.

Den Angaben zufolge scheint der Homo naledi die Körper seiner Verstorbenen bewusst in einem abgelegenen Höhlenraum abgelegt zu haben. Dies sei bemerkenswert, da die Wissenschaft eine Bestattung von Toten bisher nur dem modernen Menschen zugeschrieben habe.

Die rund 1500 entdeckten Fossilien, die Kleinkindern, Kindern, Erwachsenen und alten Menschen zugeordnet werden konnten, wurden in einem tief im Fels gelegenen Raum gefunden, der von den übrigen Kammern der Höhle getrennt war. Die Knochen weisen keinerlei Spuren von Aasfressern und Raubtieren auf. Nichts deutet den Wissenschaftlern zufolge darauf hin, dass Tiere oder natürliche Prozesse, wie zum Beispiel fließendes Wasser, die Toten in die Kammer transportiert haben könnten.

Der an den Forschungen beteiligte John Hawks von der Universität Wisconsin in den USA erklärte, "solch eine Situation ist im Fossilbericht des Menschen einmalig". Teamleiter Lee Berger erklärte, die Forscher seien zahlreiche Szenarien durchgegangen - beispielsweise ein Massensterben, ein unbekanntes Raubtier, den Transport von einem anderen Ort in die Kammer mithilfe von Wasser oder den Unfalltod in einer Todesfalle. Nachdem alle Möglichkeiten ausgeschlossen worden seien, sei als plausibelste Variante nur die bewusste Beseitigung der Toten geblieben.

Bei dem bereits 2013 gemachten Fund handelt es sich dem Bericht zufolge um den bisher größten zusammengehörigen Fund fossiler menschlicher Überreste auf dem afrikanischen Kontinent. Nach den Forschungsergebnissen hatte Homo naledi ein winziges Gehirn von der Größe einer Orange und einen grazilen Körperbau. Er wurde im Schnitt etwa 1,50 Meter groß und wog etwa 45 Kilo. Zum Alter der Art wollten die Wissenschaftler vorerst noch keine Angaben machen.

Der Homo naledi zeigte verschiedene Besonderheiten. So ähnelten die Zähne denen der frühesten Vertreter der menschlichen Gattung wie etwa dem Homo habilis, die Schultern denen von Menschenaffen. Da die Hände stärker gebogen waren als die der meisten anderen frühen Hominiden, konnte er womöglich klettern. Im Gegensatz zu den Zähnen oder Händen sind die Füße dem Bericht zufolge kaum von denen eines modernen Menschen zu unterscheiden. Dies und seine langen Beine zeigten, dass er lange Strecken zu Fuß bewältigen konnte.

Teamleiter Berger erklärte, die Kombination der anatomischen Eigenschaften von Homo naledi unterscheide ihn von allen bisher bekannten Menschenarten. In den südafrikanischen Höhlen befänden sich noch hunderte, wenn nicht sogar tausende Überreste von Homo naledi.

afp

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